Atom-Experte Wolfgang Pfennig referierte in Oppendorfer Museum

Für Verbund aus Biomasse, Wind- und Sonnenenergie

„Wer seinen Kindern oder Enkeln etwas hinterlassen und verantwortlich handeln möchte, dem bleibt nichts anderes übrig, als die Wende mitzutragen“, erklärte Diplom-Ingenieur und Atom-Experte Wolfgang Pfennig (l.) am Donnerstag im Mühlenheider Windkraftmuseum in Oppendorf. Eingeladen hatte der Förderkreis des Museums, dessen Vorsitzender, Friedrich Bosse (r.), die Gäste willkommen hieß und über die Ziele des Kreises informierte. ·

Oppendorf - „Solange ein Atomkraftwerk im bestimmungsgemäßen Betrieb ist, ist es eine saubere Sache – abgesehen vom Müll.“ Dieses war das einzige „Pro-Atomkraft“-Argument, das Diplom-Ingenieur Wolfgang Pfennig am Donnerstagabend in Oppendorf seinen rund 60 Zuhörern nannte. Er referierte zum Thema „Atomkraft – todsicher aber unverzichtbar?“. Der vom Förderkreis Mühlenheider Windkraftmuseum eingeladene Referent sprach sich klar für eine Abwendung von der Kernenergie aus und forderte stattdessen einen Verbund aus Photovoltaik, Biomasse und Windenergie.

Dabei verglich er die Atomkraft mit einem Eisberg, wobei der beherrschbare Teil der Technik wie die Spitze über der Wasseroberfläche ragt – der große Rest – „das unverantwortliche Restrisiko“ – bleibt verborgen, bis ein Problem auftritt. „Wenn es zu einer Kernschmelze kommt, ist da nichts mehr zu machen. Das ist ein Zustand, den wir nicht beherrschen“, sagte Pfennig, der den größten Teil seines Berufslebens in der Atomwirtschaft tätig war.

Nach seinem Studium der Elektro- und Reaktortechnik in Jülich koordinierte der heute 59-Jährige unter anderem 18 Monate lang Sicherungsmaßnahmen am zerstörten Atomkraftwerk in Tschernobyl.

Mit der Katastrophe in Fukushima ende die größte Beschwichtigungswelle, die seit dem Atomunfall im amerikanischen Kraftwerk „Three Mile Island II“ in Harrisburg 1979 lief, erklärte Pfennig, der während der Diskussionsrunde auch zu einer Gedenkminute für die Arbeiter in Tschernobyl aufrief, „die Europa vor der atomaren Auslöschung gerettet haben“.

Die Politik halte jetzt das Heft des Handelns in der Hand. Die natürlichen Ressourcen für den Übergang seien vorhanden. „Das ist kein Erkenntnisproblem, sondern ein Anwendungsproblem. Technisch ist alles möglich, aber eine politische Entscheidung ist noch nicht gefallen. Sie wird aber nötig, denn es gibt kein Zurück zur Verlängerung der Laufzeiten“, so der Experte, der jetzt die Chance sieht, von zentralen auf dezentrale Kraftwerke umzusteigen.

Sonnenenergie, Windkraft und Biomasse im Verbund seien unerschöpflich und die Zukunft. „Wer seinen Kindern oder Enkeln etwas hinterlassen und verantwortlich handeln möchte, dem bleibt nichts anderes übrig, als die Wende mitzutragen.“ Wolfgang Pfennig appellierte an die Zuhörer, von ihrem romantischen Landschaftsempfinden abzulassen, den Komfort zurückzufahren und die Umnutzung der ländlichen Flächen in Kauf zu nehmen. Aus dem Landwirt könne ein „Energiewirt“ werden, der die Ballungsräume mit Strom versorgt.

„Die Argumente gegen erneuerbare Energien bestehen zu zwei Dritteln aus Neid“, sagte der Diplom-Ingenieur, der die Umrüstung in sieben bis acht Jahren „machbar“ fand.

„Bin überzeugt, dass

andere Länder folgen“

Er startete seinen Vortrag mit der Geschichte der Kernenergie. Über Otto Hahn, den „Vater der Kernchemie“, führte sein kurzes Referat vorbei am ersten Atomreaktor von Enrico Fermi über die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki 1945 bis hin zum Bau der ersten Atomkraftwerke. Auch die Technik der Kraftwerke beschrieb er kurz.

Auf die Frage eines Zuhörers, ob andere Länder mitziehen würden, wenn Deutschland seine Meiler abschalte, antworte Pfennig: „Die Schwellenländer überlegen schon jetzt. Ich bin davon überzeugt, dass andere Länder folgen werden.“ Von einem Atomstaat wie Frankreich sei die Abwendung von der Kernenergie jedoch nicht zu erwarten. · kap

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