Kabarettist Philipp Weber nimmt Trinkgewohnheiten der Deutschen aufs Korn

Von unfairem Kaffee und süßer Ochenschwanzsuppe

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Mal sehen was da so alles drin ist: Der Comedian prüft die Inhaltsstoffe einer Flasche Merlot und stellt geschockt fest, dass jedes Zitronen-Avocado-Shampoo aus dem Supermarkt mehr Fruchtanteil besitzt als Wein oder Saft. ·

Wehdem - Von Theresa Lercher„Durst – Warten auf Merlot“ lautete der Titel des Kabarettprogramms, mit dem Philipp Weber am Samstag nicht nur begeisterte, sondern den Abend in eine wahre Lachorgie verwandelte. Bereits Tage vorher waren die 140 Karten, die der Verein für Jugend, Freizeit und Kultur in Stemwede angeboten hatte, restlos ausverkauft.

Vor drei Jahren war der Kabarettist Philipp Weber schon einmal im Life House aufgetreten, und genau wie damals hatte er auch für seinen zweiten Besuch in Wehdem wieder ein neues Programm im Gepäck. Thema seiner Ein-Mann-Show waren die vier „essentiellen Grundbedürfnisse“ des Menschen: Atmen, Trinken, Essen und Sex.

„Immer heißt es, du musst trinken, trinken, trinken“, witzelte Weber und zog darüber her, dass die Forschung sich in unzähligen Forschungsgruppen und Doktorarbeiten – die ja eh alle voneinander abgeschrieben seien – mit dem Wasserverbrauch beschäftigt, nur um dann herauszufinden, dass der Körper sich schon melde, wenn er wirklich etwas zu trinken brauche.

Auch vor den immer beliebteren Fairtrade-Produkten machte Philipp Weber keinen Halt. Dabei stellte er sich die Frage, wie Kaffee statt „fair“ denn „unfair“ sein könne und ob die Sorten dann nicht Namen wie „Jakobs Stöhnung“ erhalten müssten. „Bei dieser Sorte ernten nur minderjährige Arbeiter auf frischgerodetem Urwaldboden, und die Affen wurden vor ihrer Vertreibung auch noch sexuell belästigt“, lautet ein Vorschlag des Kabarettisten für die Beschreibung der „unfairen“ Kaffeesorte.

Zusätzlich klärte Weber ausführlich darüber auf, dass Zucker ja eigentlich die Volksdroge Nummer eins sei, was man daran merke, dass die Menschen plötzlich freiwillig Molke trinken, obwohl man die früher höchstens an die Schweinen verfüttert habe.

Zucker sorge auch dafür, dass Jugendliche wie verrückt „Red Bull“ tränken, das ja eigentlich nichts anderes als ein „trinkbarer Chemieunfall“ sei, und überhaupt als das größte Verbrechen seit der Erfindung von „Clausthaler alkoholfrei“ bezeichnet werden sollte.

Seine Abneigung gegen „Red Bull“ begründete der Star des Abends, dass Taurin ja der Hauptbestandteil des Energy-Drinks sei und dieses aus Stierhoden gewonnen werde. Somit sei der Energy-Drink gar kein Getränk, sondern nur eine süße Variante von Ochsenschwanzsuppe.

Ganz nebenbei fragte sich der Comedian auch, warum die Regierung sich überhaupt wundere, dass die sowieso schon zuckersüchtige Jugend so verrückt nach den Alko-Pops sei, wenn diese doch als einzige für alle diejenigen geeignet wären, die bis kurz vorher noch mit Lollis zufrieden waren. Früher sei ja sowieso alles anders gewesen. Da hätte allein die Bestellung eines Bananenweizens in einer Kneipe schon für homophobe Anfälle am Nachbartisch gesorgt.

Immer wieder ging Weber bei seinen rasant aufeinander folgenden Sprüchen und Gags auf das Publikum ein. Reagierte auf Lacher und pickte sich sogar einzelne Gäste heraus, auf die er im Verlauf seines Programms immer wieder genauso zurückkam wie auf die „essentiellen Grundbedürfnisse“. Niemand war vor dem Kabarettisten sicher, ob Lehrer oder an der Theke Sitzende, jeder musste damit rechnen, in die Show mit einbezogen zu werden.

Gerade diese spontanen Reaktionen auf das Verhalten der Zuschauer sowie ihre Einbindung in das Programm sorgten dafür, dass alle Anwesenden kaum noch aus dem Lachen herauskamen. Mimik, Gestik und Veränderungen der Stimme Webers taten ihr Übriges, damit die Veranstaltung bekannten Comedy-Shows im Fernsehen in nichts nachstand.

Am Ende der Veranstaltung belohnte das Publikum Philipp Weber mit tosendem Applaus. Alle waren restlos begeistert und hofften schon kurz nach Ende des Programms auf eine neue Tour, die Philipp Weber wieder nach Wehdem führt.

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