Zeitzeugen erinnern sich an Flucht vor 70 Jahren / Weitere Berichte erwünscht

Schon nach wenigen Worten laufen erste Tränen

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Petra Lohdahl (l.) erinnert sich an die Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg und hat das Gefühl, dass sich die Geschichte wiederholt. Ihr Mann Klaus Winkelmeier (Mitte) hörte den Berichten ebenso gespannt zu wie Heinrich Rust.

Levern - Wie entsetzlich die Schmerzen, Ängste, Entbehrungen und Demütigungen sein mögen, die Menschen unter dem höllischen Joch eines Kriegs und in dessen Folge erdulden müssen, können sich die heutigen Generationen schlicht nicht vorstellen. Wenn sich ein Zeitzeuge an den Zweiten Weltkrieg erinnert – also an ein Ereignis, das 70 Jahre zurückliegt – und schon nach wenigen Worten immer noch in Tränen ausbricht, bekommt man jedoch eine leise Ahnung davon.

Den 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs hatte der Heimatverein Levern im April zum Anlass genommen, einen Rundgang im Ortskern zu veranstalten, bei dem Zeitzeugen über das Geschehen berichteten. Hieran knüpfte der Geschichtszirkel nun an und sammelte im Heimathaus Berichte von Evakuierten, Flüchtlingen und Vertriebenen. Gekommen waren sechs Leute, darunter vier Personen über 80 Jahre, die die Ankunft und Aufnahme im damaligen „Amt Levern“ miterlebt hatten.

Damals waren Menschen aus den Großstädten, vorrangig aus dem Ruhrgebiet und aus den Ostgebieten, gekommen und hatten nach Hilfe und Schutz gesucht. Zuerst kamen die Evakuierten, im zweiten Schub die Flüchtlinge und Vertriebenen. Sie alle hatten geliebte Menschen sowie Hab und Gut verloren, brauchten Wohnraum, mussten versorgt werden – im Gepäck nichts außer schockierender Kriegs- und Flucht-Traumata.

Das sei nicht einfach gewesen und habe sowohl bei den Ankommenden als auch bei den Einheimischen zu großen Problemen geführt. Die Empfindungen darüber, wie man aufgenommen wurde, seien sehr unterschiedlich gewesen. Es habe gute und böse Überraschungen gegeben. „Wer in seiner Wohnung zwei oder mehr Räume hatte, bei dem wurden Flüchtlinge einquartiert. Ob es den Inhabern recht war oder nicht“, erklärte Heinrich Rust, der den Nachmittag über mit den Zeitzeugen gesprochen und deren Berichte auf Grundlage eines neutralen, anonymisierten Fragebogens notiert hatte. Unterstützung erhielt er von Karin Klanke.

Ergreifende Gespräche für Dokumentation

In den nächsten Monaten sollen die Aufzeichnungen zu einer Dokumentation aufbereitet und der Öffentlichkeit im Heimathaus zugänglich gemacht werden.

Die Gespräche seien sehr ergreifend gewesen, berichtete Rust. „Wenn die Leute zu sprechen anfangen, kommen Emotionen hoch, die teils jahrzehntelang unterdrückt wurden. Häufig hatten die Menschen keine Möglichkeit, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Nach dem Krieg mussten und wollten sie einfach nur überleben.“

Mit Stemwedes Gemeindeheimatpfleger Klaus Winkelmeier und seiner Frau Petra Lodahl waren am „Tag des offenen Denkmals“ zwei Gäste ins Heimathaus gekommen, die ebenfalls von den Wirren des Krieges berichten konnten. Im Laufe eines sehr offenen Gesprächs dauerte es auch bei Petra Lodahl, Tochter polnischer Eltern, nicht lange, bis Tränen liefen.

Die aktuelle Flüchtlingssituation stimme nachdenklich. „Als würde die Geschichte von außen zurückkommen“, brachte Lodahl das Bauchgefühl auf den Punkt. Der Geschichtszirkel würde sich über weitere Berichte freuen. Ansprechpartner sind Heinrich Rust (Telefon 05745/300314) und Karin Klanke (Telefon 05745/2774).

mama

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