Heimathaus-Ausstellung über Geschichte des Tätowierens

Zeichen des Protests und der Götterhuldigung

Regina Limpricht-Giepenstroh, Gabriele Niermann-Limpricht und Kerstin Straub (v.l.) haben für ihre Ausstellung zum Thema Tattoos viele Informationen zusammengetragen. - Foto: Schmidt

Wehdem - Mehr als zwölf Millionen Menschen in Deutschland sind tätowiert. Damit tragen sie eine Art der Kunst unter ihrer Haut, die sich durch zig Altersgruppen, Kulturen und Epochen zieht. Die alten Ägypter tätowierten sich zum Beispiel, um ihre Götter zu huldigen.

Könige hoben sich hingegen durch gestochene Zeichen von ihrem Volk ab. Später waren Tattoos Zeichen des Protestes, Heilmethoden, Mittel zur Stigmatisierung oder einfach Schmuck. Die Vielschichtigkeit von Tattoos wurde am Sonntag bei der Sonderausstellung „Unter die Haut – die Geschichte des Tätowierens“ im Heimathaus Wehdem deutlich.

Die Ausstellung war angelehnt an das Motto des Themenjahres 2016 der Museumsinitiative OWL „Körperkultur – Schönheit, Hygiene, Selbstbild“. Die Ausstellung lockte deutlich mehr Besucher als gewohnt in das Heimathaus, darunter viele junge Erwachsene. Sie schlenderten zwischen den Stellwänden, lasen Infotexte und betrachteten Fotografien. In einem Nebenraum hatten sie die Möglichkeit, einen passenden Film anzusehen.

Bei dem Ausflug in die Geschichte der Tätowierkunst erfuhren die Besucher unter anderem, dass Körperbemalung zu den ersten künstlerischen Ausdrucksweisen der Menschen zählt. Der älteste Mensch mit Hautkunst, der bisher gefunden wurde, ist der vor mehr als 5 000 Jahren in den Alpen gestorbene Ötzi.

Diese und weitere Informationen zusammengetragen hatten Regina Limpricht-Giepenstroh, Gabriele Niermann-Limpricht, Sabine Denker und Kerstin Straub. Etwa ein halbes Jahr arbeiteten sie an der Ausstellung. Zuvor hatte sich keine von ihnen intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt – doch trotz anfänglicher Berührungsängste entdeckten sie, wie vielseitig und interessant die Geschichte der Tattoos ist. „Es ist gut, sich mit etwas zu befassen, das man nicht so gut kennt. Das erweitert den Horizont“, findet Gabriele Niermann-Limpricht. Für ihre Arbeit haben die Helferinnen von Heimathaus und Heimatverein viele positive Rückmeldungen erhalten.

Eine der spannenden Geschichten, auf die die Frauen bei ihren Recherchen gestoßen sind, handelt über die Tattoos der Marquesas, einem auf einer Insel im Südpazifik lebenden Volk. Dort erhielten alle Mädchen ihren Recherchen zufolge im Alter von zwölf Jahren ein Pflichttattoo an der rechten Hand. Erst danach war es ihnen erlaubt, spezielle Gerichte zu kochen oder Verstorbene mit Öl einzureiben. Der erstgeborene Sohn von Stammesmitgliedern wurde in einem speziell dafür errichteten Haus am ganzen Körper tätowiert. Ein Ritual, bei dem mindestens vierzig Männer beteiligt waren – und das innerhalb einer Generation ausstarb, nachdem es 1884 von den Franzosen verboten worden war.

„Aus den Hautbildern der Ureinwohner ist eine Millionenbranche geworden. Allein in Deutschland gibt es rund 7.000 Tattoostudios“, heißt es in einem der Informationstexte der Ausstellung. Eines davon ist das Lübbecker Studio „Fame Ink Tattoos“ von Oliver Arnholz. Der Tätowierer, dessen eigene Haut auch zahlreiche Motive zieren, beantwortete bei der Ausstellung Fragen rund um seinen Beruf. 

Derzeit angesagt sind ihm zufolge abstrakte Tattoos oder Motive in Wasserfarben-Optik. Die Menschen, die er tätowiert, seien sehr unterschiedlich, erzählte er – sei es bezogen auf das Alter, den sozialen Status oder Vorlieben. So erinnerte er sich zum Beispiel an einen sehr elegant wirkenden Mann, der unter seinem Anzug Stacheldraht-Tattoos trug. „Ich hab einfach Bock drauf“, sagt Arnholz über sein Faible für Tattoos. Allen, die mit dem Gedanken spielen, sich ein Motiv stechen zu lassen, rät er, nicht nur auf Mundpropaganda zu hören. Es sei wichtig, Tätowierer mit Bedacht zu wählen und sich vorab Arbeiten zeigen zu lassen.

Am Rande der Ausstellung konnten sich Besucher ein abwaschbarer Airbrush-Tattoo auf Zeit auf die Haut sprühen lassen. Wilhelm Uetrecht bewirtete die Gäste mit Kaffee und Kuchen. Außerdem gab es Softeis. Gutes für die Haut bot darüber hinaus Heilpflanzenexpertin und Aromatherapeutin Kerstin Rucho mit selbst hergestellten Cremes an.

ks

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