Abend der Begegnungen gibt Einblicke in das Leben mit Behinderung

„Wir sind Menschen wie jeder andere auch“

Wolfgang Rosengarten (Mitte) berichtete über die Inklusionsarbeit des TuS Stemwede. Wie wichtig Inklusion ist, hatte zuvor Tanja Schmidt (rechts daneben, sitzend) deutlich gemacht.

Wehdem - Tanja Schmidt lebt in Wehdem, reitet, sammelt Modellpferde, schwimmt gerne – und hat eine Behinderung. Dass Letzteres kein Grund ist, sie auszuschließen, machte sie am Sonnabend beim Abend der Begegnungen in der Wohnstätte „Haus Buschgarten“ deutlich. „Wir sind Menschen wie jeder andere auch“, stellte sie heraus.

Eingeladen hatten die Lebenshilfe Lübbecke, der TuS Stemwede, der Verein für Jugend, Freizeit und Kultur (JFK) als Kooperationspartner des Projekts „Stemwede inklusiv“ sowie die Bewohner des „Haus Buschgarten“. Sie boten Interessierten Einblicke in das Leben von Menschen mit Behinderung.

Tanja Schmidt berichtete bei einem Interview mit Franziska Bachhofer, Leiterin des Projektes „Stemwede inklusiv“, von ihren Hobbys, ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen mit Inklusion. „Was bedeutet Inklusion für dich?“, fragte Bachhofer. „Nicht ausgeschlossen werden“, so Schmidt. Bachhofer hakte nach: „Hast du es schon einmal erlebt, ausgeschlossen zu werden?“ „Ja. Und das finde ich sehr schade“, antwortete Schmidt. Und fügte hinzu: „Jeder hat das Recht zu leben.“ Wichtig sei, dass die Gesellschaft Menschen mit Behinderung wahrnehme. Manchmal klappt das Schmidt zufolge auch sehr gut: Im Reitstall und beim Fahr- und Reitverein Oppendorf, da gehöre sie dazu.

Bürgermeister Kai Abruszat sprach über die Bedeutung von Inklusion für die Gemeinde Stemwede. „Inklusion so wie wir es verstehen, wird nicht in Düsseldorf oder Berlin in den Ministerien gemacht“, unterstrich er. Sie werde vor Ort gelebt. „Wer im Vorhinein nicht ausgegrenzt wird, muss im Nach-hinein nicht eingegliedert werden“, meinte Abruszat. Und ergänzte: „Ich finde, wir sind hier in Stemwede schon sehr, sehr weit.“ Als positive Beispiele nannte er den TuS Stemwede, den Hahme-Markt in Haldem oder die Verwaltung, in der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten. „Auch Musik und Kunst sind verbindende Elemente.“

Beim Abend der Begegnungen sorgte die Band „Die Glockenspieler“ für die passende Musik. Sie spielten Märchen-Klassiker und als Abschluss Beethovens „Ode an die Freude“. Die Gruppe besteht zum größten Teil aus Menschen mit geistiger Behinderung. Um die richtigen Töne zu treffen, mussten sie keine Noten lesen. Auf ihrem Liedblatt standen bunte Punkte. Wenn der „Dirigent“ auf einen grünen Punkt zeigte, brachten alle, die eine grüne Glocke hielten, ihr Instrument zum Klingen. So konnten sich die Stücke nach nur wenigen Wochen zum Proben am Wochenende hören lassen.

Über die Inklusionsarbeit des TuS Stemwede berichtete Wolfgang Rosengarten. Er stellte das Turnier-Team und den Lebenshilfe-Cup vor. Bei seinen Ausführungen wurde deutlich, dass im Sportverein Inklusion gelebt wird. Es sei wichtig, Menschen mit Behinderung an Vereinsaktivitäten teilhaben zu lassen, findet Rosengarten. Der TuS Stemwede nehme eine Vorbildfunktion ein und versuche, schon Jugendliche an den Gedanken der Inklusion heranzuführen. Dabei gehe es nicht nur um Menschen mit Behinderung, sondern auch um andere Gruppen wie zum Beispiel Flüchtlinge.

Im Anschluss bestand die Möglichkeit, die Wohnstätte und ihre Bewohner bei Gesprächen und einem Abendessen kennenzulernen. Derzeit leben 53 Menschen im Alter von 19 bis 75 Jahren im „Haus Buschgarten“.

Rund 30 Menschen nahmen an dem Abend der Begegnung teil. Die meisten von ihnen hatten selbst eine Behinderung oder viel Kontakt mit Menschen mit Handicap. Laut Franziska Bachhofer hätten es mehr Besucher sein können. Für die erste Veranstaltung von „Stemwede inklusiv“ in einem Wohnheim sei es jedoch in Ordnung. Die Veranstaltung habe einen „Wohnzimmer-gemütlichen“ Charakter gehabt. „Wir bleiben dran“, kündigte die Projektleiterin an.

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