Haldemer Künstlerin Judite Weitekamp zeigt, wie Beton-Skulpturen entstehen

Weit mehr als grauer Baustoff

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Vielseitig waren die Skulpturen, die im Kunst-Kursus von Judite Weitekamp (2.v.r.) entstanden sind. Die Teilnehmer waren erstaunt, wie leicht die Technik ist.

Oppendorf - Engel, Raubtiere oder gar nackte Frauen im Garten – für die Haldemer Künstlerin Judite Weitekamp sind solche Träume überhaupt kein Problem. Sie realisiert mit ihren Kursusteilnehmern bei der Kreisvolkshochschule (VHS) solche und ähnliche Ideen. Steinhart sind diese Träume allerdings. Die Skulpturen sind aus Beton modelliert.

Friedhelm Köster ist gerne behilflich, wenn Kursusteilnehmer wie Bettina Redl aus Lemförde Beton anmischen wollen.

„Es ist nicht schwer“, machte Weitekamp ihren Schülern beim jüngsten Kursus Mut und die sieben Nachwuchskünstler starteten voller Elan in den viertägigen Workshop. Das Leichte an dieser Art der Bildhauerei liegt nicht nur auf der Waage, sondern auch in der Herstellung. Denn die Figuren werden nicht aus einem Betonklotz gemeißelt, sondern um einen Kern aus Styropor oder Zeitungspapier und Maschendraht geformt. Das hat laut Weitekamp den großen Vorteil, dass sie bei Weitem nicht so schwer wie ihre massiven Verwandten sind und sie auch gut transportiert und mal den Standort variieren können.

Judite Weitekamp (r.) hilft Susanne Sprick aus Kirchdorf bei der Arbeit an ihrer ersten Beton-Skulptur.

Dass Beton viel mehr als nur ein grauer Verbundbaustoff ist, wurde den Teilnehmern des Kurses schnell klar. Anne Wirp aus Ostercappeln hatte sich für einen Frauentorso als Vorlage entschieden. „Das wird meine Dickmadam“, freute sie sich und war am Ende sehr zufrieden mit dem Resultat. Am Abend bekamen die Figuren einen letzten Feinschliff und wurden mit Drahtbürsten, Feilen und Schleifpapier bearbeitet. „Das Material ist wetterfest“, erklärte Weitekamp. Auch Frost könnten die Skulpturen vertragen. Wenn sie komplett durchgetrocknet sind, das dauere etwa zwei Wochen, könnten sie auch farbig verändert werden, machte die Haldemerin deutlich.

Silke Spreen aus Twiehausen hatte sich unter Anleitung Weitekamps an einem Engel für den heimischen Garten versucht und freute sich über die knapp einen Meter große Figur. „Ich habe bereits einen Kursus für Betonkugeln besucht. Das hat mit so gut gefallen, dass ich mich sofort für den nächsten Kursus angemeldet habe“, sagte sie. Sowieso gebe es viele „Wiederholungstäter“ in ihren Kursen, erklärte Weitekamp zu ihren Teilnehmer, die teilweise lange Anfahrten in Kauf nehmen, um bei ihren Kursen dabei zu sein.

„Das sieht so schwierig aus – aber das kann jeder“, weiß die sympathische Lettin, die an der Kunstakademie in ihrer Heimatstadt Riga studiert hat. „Hauptsächlich braucht man Fleiß und Geduld“, sagt Weitekamp und die Ergebnisse könnten sich wirklich sehen lassen.

Dass in den Kursen nicht unbedingt Muskelschmalz nötig ist, weiß auch Renate Dittmar aus Lemförde. Die Seniorin und ihr 83-jähriger Mann Heinz sind inzwischen wahre Fans der Kunst-Kurse von Judite Weitekamp. „Wir haben diesmal gemeinsam an diesem Hund gearbeitet“, erklärte sie jetzt in Oppendorf. „Eigentlich sollte es ein Dackel werden, aber als die Figur eher einem Schwein glich, haben wir ein lockiges Fell modelliert“, erklärte sie – und Dank der Schlappohren und der aufrechten Rute würde man nun erkennen, dass es kein Schaf ist, sondern ein Hund, so die kreative Rentnerin über ihr Ergebnis.

Besonders froh ist Kursleiterin Weitekamp, dass Friedhelm Köster, Geschäftsführer des Betonwerkes Haevescher, wieder einen Werkraum für ihren Kursus zur Verfügung gestellt hat. „So müssen wir die schweren Betonsäcke nicht schleppen und außerdem macht das Modellieren mit der Masse viel Schmutz und Staub“, sagte sie und lobte auch die persönliche Unterstützung Kösters, der stets allen Kursusteilnehmern hilfreich zur Seite stand. 

hm

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