Wehdemer Stephan Leonhardt schließt Flurnamen-Forschung ab

„Wie eine Schatzsuche“

Stephan Leonhardt aus Wehdem forscht nach der Bedeutung der Flurnamen .
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Stephan Leonhardt aus Wehdem forscht nach der Bedeutung der Flurnamen .

Wehe - Von der Hölle über die heilige Höhe bis zum Hohrah: Rund drei Monate ist es nun her, dass Stephan Leonhardt im Heimathaus vortrug, was alte Flurnamen über Wehdems Geschichte verraten. Ob es schon neue Erkenntnisse gibt, welche Rolle ein US-Amerikaner bei den Recherchen spielte und wie es mit dem Projekt weitergehen soll – darüber sprach der Wehdemer Hobby-Forscher im Interview mit unserer Mitarbeiterin Mareile Kurtz.

Herr Leonhardt, haben Sie etwas Neues herausgefunden?

Stephan Leonhardt: Ja. Bei dem Katalog habe ich schon wieder Kleinigkeiten hinzugefügt. Die Bedeutung des Flurnamens „Beim Breischenbaum“ beziehungsweise des Wortes Breischen hatte ich bis dato zum Beispiel noch nicht klären können. Dieses Flurstück befindet sich unterhalb, südlich der heutigen Stemwederberg-Straße kurz nach dem Ortsausgang Wehdem Richtung Oppendorf. Von der Leiterin des Lübbecker Archivs, Christel Droste, kam nun der Hinweis, dass Breischenbaum auf einen Schlagbaum hindeuten könnte.

Was hat Sie zu den Recherchen veranlasst?

Leonhardt: Ich hatte schon immer ein großes Interesse für Geschichte. Schon als Schüler. Mit Hilfe von Bekannten aus den USA habe ich 2004 dann mal die eigene Familienhistorie recherchiert, 2013 aus Archiven über die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges in der Region. Diese Arbeit ist übrigens auf www.zuhause-in-stemwede.de abgelegt. Ebenso eine Facharbeit meiner Tochter zum Thema Auswanderer. Die Lokalhistorie ist ein Feld, wo man noch was machen kann. Zu den Römern braucht man nichts mehr zu recherchieren, da haben wir hier wenig Gelegenheit zu forschen. Meine Arbeiten haben keinerlei kommerziellen Hintergründe, mir macht das nur einfach so unglaublich viel Spaß.

Für mich ist das jedes Mal wie eine Schatzsuche! Als ich meine Arbeiten zum 30-jährigen Krieg beendet hatte, dachte ich nur: Schade, schon fertig. Dann fiel mir letzten Winter eine alte Karte mit Flurnamen in die Hände...

Wie ging es weiter?

Leonhardt: Ich habe ein knappes Jahr lang recherchiert, bis ich das Gefühl hatte, dass der Kern erschlossen war. Ursprünglich hatte ich nicht vorgehabt, 60 Seiten zu schreiben, doch dann kam eins zum anderen.

Welche Wege haben Sie bestritten, um an die Informationen zu kommen?

Leonhardt: Ich habe Katasterkarten abfotografiert, in dem Gemeindearchiv in Lübbecke und im Stemweder Bauamt zum Thema Straßennamen nachgefragt, in Heimatbüchern und den Diepholzer Heimatblättern nachgelesen und vieles mehr. Sämtliche Quellen, auf die ich zurückgegriffen habe, sind in dem Katalog aufgeführt. Aufschlussreich war auch eine historische Karte auf www.tim-online.de.

Zudem haben mir glückliche Zufälle in die Hände gespielt, wie etwa das Landwirtschaftliche Wochenblatt mit den Ausgaben über Hof- und Flurnamen. Besonders hilfreich war auch der Kontakt zu dem US-Amerikaner Dr. Robert Jackson, der über ein mormonisches Zentrum Zugriff auf sämtliche Kirchenbücher hatte. In den USA sind anders als hier sämtliche dieser Daten öffentlich zugänglich, ohne Robert Jackson hätte ich also vieles nicht herausfinden können. Zustande kam dieser Kontakt über den Onkel meiner Ehefrau, welcher auch schon einmal Ahnenforschung betrieben hat. Das war schon verrückt.

Gab es auch entscheidende Hinweise aus der Bevölkerung?

Leonhardt: Natürlich habe ich auch mit älteren Mitbürgern und Anwohnern wie etwa Fritz Möller oder dem Landwirt Willi Krone gesprochen. Einen guten Hinweis lieferte Ortsheimatpfleger Gerd Bick. Bei dem Flurstück „der Weimer“ kam ich mit altsächsischen und althochdeutschen Wörterbüchern nicht weiter. Gerd Bick sagte dazu spontan auf Platt: „dee Wiemsken“! Also „die Wehdemer“. Vielleicht hat ein Kartograph den Namen damals also einfach so aufgeschrieben, wie er ihn gehört hat, weil er kein Platt konnte. Mit Jungbauern habe ich auch gesprochen, doch die meinten immer nur: „Frag mal Fritz Möller“. Dass die alten Flurnamen den Jungbauern offensichtlich komplett unbekannt sind, finde ich sehr schade, denn sie sind Sprachdenkmäler, die Wehdems Geschichte widerspiegeln, und nicht in Vergessenheit geraten sollten.

Wie geht es nun weiter mit dem Projekt?

Leonhardt: Zwar gibt es immer noch ein paar Flurnamen, deren wirkliche Bedeutung mir unklar ist, etwa der Friedenskamp, und es gibt auch noch weitere Flurnamen, die man noch dazu nehmen könnte, aber ich habe für mich nun erstmal einen Strich unter die Sache gemacht. Der Kern der Sache ist nach meinem Gefühl erschlossen. Wer noch Tipps und Hinweise oder Fragen hat, kann sich aber natürlich sehr gerne bei mir melden. Toll würde ich es finden, wenn sich andere Stemweder mal die Flurnamen ihrer jeweiligen Gemeinden vornehmen würden. Das würde ich unterstützen und mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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