Viele Emotionen beim Thema Gesamtschule im Bildungsausschuss

Eltern und Lehrer stellen viele kritische Fragen

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INI-Geschäftsfeldleiter Thomas Assmann informierte über seinen Verein.

Stemwede - Von Melanie Russ. Selten war der Zuschauerraum bei einer Ausschusssitzung so gut gefüllt wie am Donnerstagabend in der Begegnungsstätte. Zahlreiche Lehrer, Eltern und auch einige Schüler wollten mehr über die Gesamtschul-Pläne der Verwaltung und den künftigen Träger INI erfahren. Während einer einstündigen Sitzungsunterbrechung hatten sie die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Nicht alle wurden zu ihrer Zufriedenheit beantwortet.

Zunächst informierten Jurist Janbernd Wolfering und INI-Geschäftsfeldleiter Thomas Assmann über Schulform und Träger, konnten die Zuhörer mit ihren kurzen Ausführungen aber nicht überzeugen. „Es ist für jeden Beteiligten eine Erweiterung des Bildungsabgebots“, hatte Wolfering versucht, den Stemwedern die private Gesamtschule schmackhaft zu machen.

Die Erweiterung wäre die Oberstufe, denn am pädagogischen Konzept der Sekundarstufe I soll sich nichts ändern, wie der designierte Schulleiter Volker Esch-Alsen bekräftigte. „Da kann man nichts besser machen, das können wir so übernehmen“, meinte er und erntete dafür höhnisches Gelächter. Das Fächerangebot wird in der Oberstufe allerdings schmaler ausfallen als etwa an den Gymnasien in Rahden und Espelkamp.

„Woher nehmen Sie die Schüler?“, wollte eine Lehrerin wissen. Diesen Punkt sprach auch SPD-Fraktionschef Wilhelm Riesmeier an. Die Sekundarschule erreiche aktuell 66 Prozent der Stemweder Schüler, die Einrichtung in Bad Sassendorf aber nur 55 Prozent der dortigen Kinder. Außerdem habe Stemwede durch die Kooperationsverträge mit den Gymnasien und dem Berufskolleg praktisch schon eine Gesamtschule – aber mit größerer Vielfalt. „Das können Sie mit ihrer Mini-Gesamtschule nicht leisten.“

Wolfering setzt auf die enge Gemeinschaft an einer kleinen Schule. Ein weiterer Vorteil: Sek-I-Schüler würden optimal auf die Oberstufe vorbereitet, auch die Schüler hätten eine gute Chance, denen man in der fünften Klasse noch kein Abitur zugetraut hätte. Esch-Alsen verwies auf drei starke Oberstufen in der Nähe der bestehenden INI-Gesamtschule, trotzdem habe seine Schule großen Zulauf. Für das nächste Schuljahr stünden 50 Plätze zur Verfügung, es habe aber 100 Anfragen gegeben.

Das führte zur nächsten Frage: Wäre die Gesamtschule wirklich eine Schule für alle Stemweder Kinder? Das ist ausdrücklicher Wunsch der Verwaltung, doch in Bad Sassendorf sieht es etwas anders aus. Dort werden zu je einem Drittel Schüler ausgewählt, die früher Hauptschule, Realschule und Gymnasium besucht hätten, um eine ausgewogene Mischung zu schaffen. Laut Riesmeier erreicht die Schule nur 25 Prozent der Bad Sassendorfer Kinder. Platzmangel soll es in Stemwede nicht geben. Laut Bürgermeister Gerd Rybak ist eine Dreizügigkeit geplant.

Viel Raum nahm auch die Frage einer möglichen Insolvenz des Trägers ein. Dann würde die Gemeinde als Vermieter wieder „in den vollen Nutzen des Gebäudes“ kommen, erläuterte Wolfering. Die Insolvenz eines privaten Schulträgers sei aber höchst unwahrscheinlich. Zudem habe auch eine staatliche Schule bei sinkenden Schülerzahlen keine Bestandsgarantie.

Die Schülervertreter machten sich vor allem Sorgen, dass sie ihre vertrauten Lehrer verlieren, wenn die Sekundarschule ausläuft. Die Lehrer müssten die Schule nicht verlassen, sie würden ein Angebot von der INI bekommen, sagte Wolfering. „Es ist ein Mitmachspiel. Wer weglaufen will, kann weglaufen“, schob er die Verantwortung auf die Lehrer, von den viele angekündigt haben, nicht an eine private Schule wechseln zu wollen.

Eine Mutter äußerte Zweifel am problemlosen Ende der Sekundarschule. Sie kenne ein Kind, das in eine auslaufende Schule gehe. Es habe große Probleme, weil die Lehrer ständig wechselten, berichtete sie. „Was ist ein Abschluss in sechs Jahren an dieser Schule wert?“, fragte sie.

Versöhnliche Töne schlug Ingrid Hölscher an. „Ich bin der Politik dankbar, dass sie die Schule erhalten möchte.“ Eine kleine Schule ist aus ihrer Sicht nichts Schlechtes. Ihren Kindern habe sie gut gefallen. Schulpflegschaftsvorsitzender Holger Heidmeyer plädierte für eine langsamere Gangart. „Wir fühlen uns überrannt. Nur zusammen können wir eine gute Lösung schaffen.“

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