Vertreter der Bezirksregierung Detmold beantworten Fragen zur Gesamtschule und unterstützen die Sekundarschule

Garantie für eingeschlagene Schullaufbahn

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Holger Heidmeyer (r.) ermunterte die Eltern, Fragen zu stellen, damit die Irritationen um die geplante Gesamtschule in Stemwede geklärt werden.

Wehdem - Von Anika Bokelmann. „Warum ein erfolgreiches System ändern?“, fragt sich Holger Heidmeyer und steht damit nicht allein. Das zeigte sich am Dienstagabend bei der Infoveranstaltung zur Zukunft der Stemweder-Berg-Schule in Wehdem, zu der Heidmeyer als Vorsitzender der Schulpflegschaft eingeladen hatte. Volker Friese und Mechthild Krämer von der Bezirksregierung Detmold standen für Fragen zur Verfügung. Diese drehten sich um die Weiterführung der Sekundarschule, die parallele Einrichtung der Gesamtschule und die geplante Privatschule.

„Wir wollen keine Hetzkampagne gegen die Gesamtschule“, macht Heidmeyer deutlich, dass der Zweck des Abends eine neutrale Darstellung der Situation seien solle. Er führte den Anwesenden zudem vor Augen, „wie toll die Sekundarschule ist“.

Es habe 78 Neuanmeldungen für die vor einem Jahr aus der Verbundsschule hervorgegangen Schule gegeben. Die damalige Bedarfsplanung der Gemeinde habe gezeigt, dass für sechs Jahre ausreichend Kinder vorhanden seien, um eine Sekundarschule zu führen, erinnerte Volker Friese. „Bislang liegen wir innerhalb dieser Prognose“, wusste der Dezernatsleiter für den Bereich Schulrecht. Die Sekundarschule habe sich stabilisiert und „es gibt keinen Grund, diese zu schließen“. Die Bezirksregierung werde einem Schließungsantrag derzeit nicht stattgeben, sofern die Gemeinde einen solchen einreichen sollte.

Zur Gesamtschule machte der Dezernatsleiter ebenso wie seine Kollegin Mechthild Krämer vom Dezernat für Gesamtschulen kaum konkrete Aussagen. Dies führten sie auf das fehlende Konzept der Initiative für Jugendhilfe, Bildung und Arbeit (Ini), dem Schulträger der Gesamtschule, zurück. „Wenn der Plan vorliegt, werden wir diesen prüfen“, so Friese. Es müsse festgestellt werden, ob das Konzept eine Mindestschüleranzahl, Räume und das Lehrerpersonal vorhalte. „Und es muss Geld da sein“, so Friese. Dabei sieht er aber das geringste Problem, da die Gemeinde ihre Unterstützung zugesagt habe. „Schwierig wird es bei Lehrern und Räumen“, meinte Friese. Bis zum 31. Dezember habe die Ini Zeit, ihr Konzept vorzulegen, wenn der Zeitplan der Gemeinde eingehalten werden soll.

Eine private Gesamtschule ist für Friese nicht realistisch: „Selbst wenn es zwei eigenständige Schulen geben sollte, bleibt das Raumproblem.“ Die Sekundarschule und die Gesamtschule in privater Trägerschaft parallel zu führen, käme für ihn nicht in Betracht, weil das Gebäude die Möglichkeiten dafür nicht hergebe.

Auch wenn die Vertreter der Bezirksregierung nicht ausschließen können, dass es früher oder später eine Gesamtschule in Stemwede geben wird, so sicherten sie den Eltern zu: „Jedes Kind, das in diesem oder nächsten Jahr an der Sekundarschule beginnt, wird seine Schullaufbahn auch hier beenden.“

Der Rat der Gemeinde habe mit seinen Gesamtschul-Plänen das Fortbestehen der Sekundarschule gefährdet, führte Friese aus. Letztlich sei die Entscheidung der Eltern für das Fortbestehen der Sekundarschule ausschlaggebend. Ihr Ziel sei es, die Sekundarschule zu stärken, unterstrich der Vertreter der Bezirksregierung. „Es gibt die Möglichkeit, die Schule auf lange Sicht zu erhalten“, sagte Friese und nannte beispielhaft eine Kooperation mit Schulen in Rahden und Espelkamp. „Das ist für die Schüler eine Win-Win-Situation“, unterstrich Krämer.

Sie selbst befürworte Gesamtschulen, sagte sie, allerdings sei für deren Leistungen eine entsprechende Größe erforderlich. Und die sieht sie an der Stemwederberg-Schule nicht gegeben.

WEHDEM

Zu theoretisch und zu praxisfern waren die Ausführungen zur Gesamtschule von den Vertretern der Bezirksregierung aus der Sicht von Jörg Siekermann. „Ich habe große Angst, dass die Schülerzahlen der Sekundarschule einbrechen, wenn die Gesamtschule jetzt doch nicht kommt“, erklärte der Wehdemer. Man solle die Sekundarschule nicht zwanghaft aufrechterhalten, machte er deutlich.

Siekermann lobte vielmehr die Bemühungen der Gemeinde, die sich Gedanken um die Schullandschaft und die Zukunft der Flächengemeinde gemacht habe. „Stemwede stirbt aus, wenn wir keine Schüler mehr haben“, so ein anderer Gast des Infoabends.

„Es besteht aber kein Grund, am Weiterbestehen der Sekundarschule zu zweifeln“, entgegnete daraufhin Mechthild Krämer und Volker Friese warf Siekermann seine „pessimistische Grundstimmung vor“. „Ihre Gemeinde ist ohne Beratung vorgegangen und gefährdet damit die Sekundarschule“, machte Friese nochmals deutlich, dass die Bezirksregierung das bisherige Vorgehen von Schulamtsleiter Jörg Bartel und Bürgermeister Gerd Rybak nicht gutheiße.

Zu der von der Bezirksregierung von Rybak geforderten Beanstandung des Ratsbeschlusses (wir berichteten), sagte Friese, dass die Behörde rechtliche Fehler sehe, wenn Sekundar- und private Gesamtschule wie von der Verwaltung vorgesehen parallel geführt werden. „Wenn der Bürgermeister den Beschluss nicht beanstandet, werden wir die Kommunalaufsicht des Kreises einschalten“, skizzierte Friese das weitere Vorgehen der Bezirksregierung. Im schlimmsten Fall könnte das in einer Klage enden, so der Fachmann für Schulrecht.

„Es muss endlich Ruhe in dieses Kuddelmuddel kommen“, kritisierte eine Frau aus dem Publikum. „Wenn keiner weiß, wie es weitergeht, werden die Kinder an anderen Schulen angemeldet“, machte sie deutlich.

Für die Schulleiterin der Sekundarschule, Heike Hachmann, hatte Mechthild Krämer zum Abschluss ein großes Lob übrig. „Sie haben sich sehr professionell verhalten, haben auf die Entwicklung nicht die Beleidigte gespielt und die Schule umsichtig durch diesen ersten Teil der Krise geführt“, so die Vertreterin der Bezirksregierung. Das sei bei „dem Vertrauensbruch zwischen der Gemeinde und der Schule“ sicher nicht leicht gewesen, hob auch Schulpflegschaftvorsitzender Holger Heidmeyer hervor. Sie habe Verständnis für die Unsicherheiten der Eltern, hatte Hachmann zu Beginn erklärt, denn „seit dem 19. Juni hat es viele Ereignisse gegeben“.

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