Stemwede hält aktuell bei Hausärzten neun Sitze / „Weichen rechtzeitig jetzt stellen“

Versorgung für 15 Jahre sicher

Während des Bürgermeisterwahlkampfs statteten (v.l.) Karl-Josef Laumann und Kai Abruszat dem Haus der Gesundheit in Levern einen Besuch ab und ließen sich von Hausherr Helmut Richter das Prinzip der Einrichtung erklären. - Archivfoto: Bokelmann

Stemwede - Das Leben auf dem Land gilt als gesund. Doch auch im ländlichen Raum brauchen die Bürger Ärzte. Die zukünftige hausärztliche Versorgung in Stemwede beschäftigt sowohl die Bewohner, als auch die Verwaltung und die niedergelassenen Mediziner seit mehreren Jahren. „Aktuell ist der Druck nicht groß“, stellte Wilhelm Riesmeier als Vorsitzender des Ausschusses für Gemeindeentwicklung, Wirtschaftsförderung und Tourismus bei der jüngsten Sitzung heraus.

Die Kassenärztliche Vereinigung Ostwestfalen-Lippe (KVWL) habe festgestellt, dass Stemwede mit Hausärzten überversorgt sei. Doch die Weichen müssten jetzt gestellt werden, damit die Versorgung weiter gesichert ist, machte Riesmeier deutlich. Dass sich die Versorgungsdichte mit Vertragsärzten in den nächsten zehn Jahren verschlechtern wird, sei keine Neuigkeit, ergänzte Werner Bahnemann. Als Grund nannte Stemwedes Ordnungsamtleiter das „altersbedingte Ausscheiden vieler Ärzte“: Von den in Stemwede ansässigen Ärzten sind laut Bahnemann 45 Prozent über 60 Jahre alt, 33,3 Prozent zwischen 55 und 59 Jahren und jeweils 11,1 Prozent im Alter von 50 bis 54 Jahren sowie zwischen 40 und 44 Jahren. Ob es den Medizinern gelinge, einen Nachfolger für die Praxis zu finden, sei aufgrund der schwierigen Nachwuchssituation zu bezweifeln, heißt es bei der KVWL.

Die heimischen Allgemeinmediziner haben aber schon vorgesorgt, berichtete Bahnemann. Die Praxis von Dr. Rainer Hafer in Dielingen hält dem Ordnungsamtleiter zufolge vier Arztsitze, ein weiterer sei in Vorbereitung. Dort könne davon ausgegangen werden, dass die Praxis die kommenden zehn Jahre bestehen bleibe. Zudem befänden sich zwei Töchter des Ehepaares in entsprechenden Studiengängen, wusste Bahnemann. Auch Klaus-Dieter Hermsmeier in Dielingen werde in den nächsten 15 Jahren noch weiter praktizieren. Für die Praxis von Dr. Walter Schmalge in Westrup bestehe aufgrund des derzeitigen Assistenzarztes die Hoffnung auf eine Nachfolge. Die Wehdemer Praxis von Dr. Eckhardt Kurtz werde voraussichtlich 2018 an eine Nachfolgerin übergeben. Die Leverner Ärzte Dr. Herbert Stroh und Dr. Alfred Bussmann wollten noch einige Jahre weitermachen, verkündete Bahnemann. Ferner gebe es weitere Mediziner, die in der Flächengemeinde leben, aber für die Arbeit auspendeln, so Bahnemann.

Laut der KVWL ist der Mittelbereich Espelkamp, zu dem neben Espelkamp auch Rahden und Stemwede gehören, mit 86,1 Prozent noch gut versorgt, obwohl es sich dabei um das ungünstigste Ergebnis im Kreis Minden-Lübbecke handle. Insgesamt seien vier Hausarztsitze im Gebiet frei. Für Stemwede gilt aktuell ein Versorgungsgrad von 112,6 Prozent – „also sind wird deutlich überversorgt“, kommentierte Bahnemann. Auf die rund 14 000 Einwohner kommen neun Ärzte (fünf Ärzte in Dielingen, je einer in Westrup und Wehdem sowie zwei in Levern).

„Mit Neid blicke ich auf Bemühungen in anderen Kommunen“, erklärte Bahnemann. Denn diese seien selbst aktiv, um die Situation rechtzeitig in den Griff zu bekommen. Allerdings erinnerte er daran, dass „die Gemeinde sich selbst nicht in der finanziellen Lage sieht, ein Ärztehaus zu bauen oder den Betrieb zu finanzieren“. Um eine Konkurrenzsituation mit ansässigen Ärzten zu vermeiden sollten weitere Schritte immer abgesprochen werden. „Wenn der Wille da ist, sollte eine Kooperation zwischen Gemeinde und privaten Investoren möglich sein“, erwiderte darauf Paul Lahrmann (SPD).

Eine positive Entwicklung sah Wilhelm Riesmeier in der Tatsache, dass das Johannes-Wesling-Klinikum im Herbst mit den ersten Studenten rechne und dann mehr junge Ärzte in die Region kämen. „Dadurch haben sich die Rahmenbedingungen geändert“, kommentierte der Ausschussvorsitzende. Er wies während der Sitzung mehrfach auf das Stipendienprogramm des Nachbarlandkreises Diepholz hin. Unter dem Motto „Ärztlich willkommen“ werden dort junge Studenten finanziell unterstützt, wenn sie sich im Gegenzug dazu verpflichten, sich mit einer Praxis im Landkreis niederzulassen. Bahnemann zeigte sich weniger begeistert: „Nur 20 Prozent der Studenten bleiben“, hatte er erfahren.

Nachdem sich die Ausschussmitglieder Gedanken um das Thema gemacht hatten, meinte Heiner Rosengarten (CDU), dass man „der Entwicklung ihren Laufen lassen soll“. „Es ist doch alles gut und niemand kann jetzt sagen, was in ein paar Jahren ist“, so Rosengarten. Abschließend wünschte sich Wilhelm Riesmeier von den Fraktionen Signale bis zur nächsten Sitzung des Gremiums im Sommer. - abo

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