Trocknung öffentlicher Gebäude kostet bis zu 40000 Euro / Weitere Schäden

Unwetter spült finanzielle Probleme an

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Land unter in Levern: Der starke Regen flutete ganze Wiesen und Wege. Dieses Boot lag am Tag nach dem Unwetter neben dem Fahrradweg an der Schröttinghauser Straße (L767). Mittlerweile ist das meiste Wasser wieder versickert. Archivfoto: Bokelmann

Levern - Von Katharina Schmidt. Vollgelaufene Keller, überflutete Felder und Straßen, auf denen das Wasser einen halben Meter hoch stand: Am Abend des 16. August herrschte in Levern der Ausnahmezustand. Mehr als 180 Liter Regen pro Quadratmeter fielen vom Himmel. Die Folgen des Unwetters sind im Stiftsort noch mehr als drei Wochen später zu spüren – vor allem finanziell.

Um die Schäden der „Sintflut“ zu beseitigen, muss die Gemeinde Stemwede tief in die Tasche greifen. Allein die Trocknung öffentlicher Gebäude koste bis zu 40000 Euro, berichtete Klaus Tellbüscher bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für den Wirtschaftsbetrieb der Gemeinde. Noch immer seien die Leverner Hallen stellenweise feucht. Der Verwaltungsmitarbeiter zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass sowohl die Sport- als auch die Festhalle bis zum Leverner Markt am ersten Oktoberwochenende wieder nutzbar sein werden. In der Turnhalle der Grundschule sollen die Trocknungsgeräte bis zum 5. Oktober stehen.

Wie gut der Holzschwingboden der Schulturnhalle das Unwetter verkraftet hat, ist noch unklar. Ihn zu ersetzen, würde weitere 40000 Euro kosten, schätzt Tellbüscher. Eine gegebenenfalls notwendige Ozon-Behandlung zur Beseitigung unangenehmer Gerüche in der Turnhalle könnte die Summe der Instandsetzungskosten weiter nach oben treiben. Mängel in der Deckenkonstruktion der Festhalle, die die Gemeinde derzeit für rund 3000 Euro repariert, belasten den knappen Haushalt zusätzlich.

„Es ist schon ein finanzielles Problem“, beurteilt Bürgermeister Gerd Rybak die Situation. Da die Gemeinde derzeit keine Elementarversicherung besitze, müsse sie alles selber zahlen. Solche Schäden seien in der Vergangenheit eher selten gewesen, so Rybak. Nun plane man jedoch, eine entsprechende Versicherung abzuschließen.

Eine weitere Vorsichtsmaßnahme: Die Gemeinde will die Kippfenster der Kellerlichtschächte an der Sporthalle der Grundschule zumauern. Zum Lüften benutzte sie sowieso niemand, so Tellbüscher. Dadurch erhoffe sich die Gemeinde, „die größte Gefahr zu bannen“ und Wassermassen künftig fernzuhalten.

Auch bei Privatpersonen „ist längst noch nicht alles wieder in Ordnung“, weiß die Leverner Ortsheimatpflegerin Karin Klanke. Das Wasser habe in vielen Kellern Schäden hinterlassen und teure Geräte wie Heizungen oder Gefrierschränke zerstört. „Die Wenigsten haben eine Elementarversicherung“, befürchtet sie. Ein großes Lob zollt Klanke den Einsatzkräften, die während des Unwetters weit mehr als 100 Mal ausgerückt waren: „Die Feuerwehr hat Großes geleistet“, so die Ortsheimatpflegerin.

Auch Landwirte haben die „Sintflut“ zu spüren bekommen. „Ein Teil der Weizenflächen muss noch gedroschen werden“, erzählt Dirk Langelahn, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbands Levern, auf Nachfrage. Auf manchen Feldern liege das Getreide allerdings so platt, dass es vielleicht gar nicht mehr möglich sei, zu dreschen. Jeder verlorene Hektar koste die betroffenen Landwirte rund 1200 Euro, veranschaulicht Langelahn den Schaden. Es sei nicht auszuschließen, dass die Erntemaschinen auch auf den Maisfeldern versinken werden – obwohl Landwirte aus Levern und Umgebung laut Langelahn bereits Maschinen mit Kettenantrieb verwenden. „Mit normalem Radantrieb ist nichts mehr zu machen“, erklärt der Landwirt mit Blick auf die feuchten Böden.

„So schnell möchte das niemand wieder haben“, meint Karin Klanke in Bezug auf die zahlreichen Folgen des Unwetters. „Selbst 90-Jährige haben mir erzählt, dass sie so etwas noch nie erlebt haben.“

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