Tierschützer nehmen „Wettbewerbe“ des Leverner Angelvereins ins Visier

Peta zeigt Pokalgewinner und andere Angler an

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Der Angelverein Stemwede-Levern gehört fest zur Vereinslandschaft der Gemeinde Stemwede. Jetzt wirft ihm die Tierschutzorganisation Peta Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor. Unser Foto zeigt eine Kinder-Aktion des Vereins im Rahmen der Stemweder Ferienspiele im Sommer 2010. Archivfoto: Mühlke

Levern/Stuttgart - Von Kai Pröpper. Die Tierschutzorganisation „People for the Ethical Treatment of Animals“, kurz Peta, hat Mitglieder des Angelvereins Stemwede-Levern bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld angezeigt. Nach Ansicht der Tierschützer verstoßen mehrere 2014 vom Verein ausgerichtete „Angelwettbewerbe“ gegen das Tierschutzgesetz. Im Namen der Stemweder Angler weist Hans Macke, Vorsitzender der niedersächsisch-westfälischen Anglervereinigung (NWA), die Vorwürfe vom Verein. Seit Jahren gebe es innerhalb der Vereinigung keine Angel-Aktivitäten mit Wettbewerbscharakter mehr, sagt er. Man halte sich „buchstabengetreu ans Gesetz“.

„Zahlreiche Fische wurden bei Wettangel-Veranstaltungen des Leverner Angelvereins getötet – laut Medienberichten ehrte der Verein die Pokalträger Ende Januar bei der Jahreshauptversammlung“, erklärt Peta und bezieht sich damit auch auf die Berichterstattung unserer Zeitung.

Während der Jahreshauptversammlung des Vereins am Freitag, 23. Januar, im Hotel Meyer-Pilz in Levern bekamen vier Mitglieder für ihre Teilnahme am Wertungs-, Vatertags-, Gemeinschafts- und Abangeln Pokale. Peta sieht in diesen Aktivitäten einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, denn, so die Organisation, „die Tötung der Tiere erfolgte ohne einen gerechtfertigten Grund im Sinne des Gesetzes“. Laut dem Kommentar zum Tierschutzgesetz müsse der alleinige Grund des Angelns im Nahrungserwerb liegen. „Vor diesem Hintergrund hat Peta nun bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld Anzeige gegen die Gewinner sowie alle weiteren Teilnehmer der Angelwettbewerbe erstattet“, erklärt die Organisation. Die Staatsanwaltschaft war gestern Nachmittag nicht erreichbar.

„Könnten Fische ihre Schmerzen durch laute Schreie ausdrücken, würde niemand mehr behaupten, Angeln sei eine Beschäftigung, die der Entspannung und Erholung diene“, so Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei Peta Deutschland. „Das Töten von Fischen als ‚Freizeitbeschäftigung‘ oder als ‚Sportveranstaltung‘ zu klassifizieren, ist herzlos und ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.“

Peta verweist auf eine Verfügung der Staatsanwaltschaft Münster vom 19. März 2014, in der festgestellt werde, dass es sich „beim Wettfischen um eine strafbare Handlung handelt – und zwar selbst dann, wenn der Fisch anschließend verzehrt wird“. Gleiches gelte für eine aktuelle Verfügung der Staatsanwaltschaft Verden (Aller) gegen Verantwortliche des Angelvereins Nienburg vom 9. September 2014. Dort sei ein Verfahren wegen eines „identischen Wettangelns“ gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden.

Auf die Anzeige hingewiesen, verwies Vereinsvorsitzender Hartmut Rodeck gestern Nachmittag auf den NWA. Der Angelverein Stemwede-Levern sei nicht die einzige Gruppe , die mit solch einer Anzeige bedacht worden sei. Für den NWA sei dies „kein neues Thema“, so Rodeck.

NWA-Vorsitzender

vermutet Missverständnis Den Begriff „Wettbewerb“ verbittet sich Hans Macke. Vor mehreren Jahren habe sich innerhalb der NWA eine Arbeitsgruppe gegründet, die für die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zuständig sei. Alle örtlichen Angelvereine seien in der Pflicht, sich an bestehende Gesetze zu halten und alle seit geraumer Zeit „eingenordet“. Und wenn sich jemand ans Gesetz halte, dann Hartmut Rodeck, bewertet Macke das Verhalten des Stemweder Vereinsvorsitzenden. Dieser gehe in seinem Bemühen um seinen Verein eher „ängstlich als forsch“ vor. Der Vorsitzende der NWA meint, dass die Veröffentlichung der Pokalgewinner bei Peta zu einem Missverständnis geführt haben könnte.

Es spreche außerdem rechtlich nichts dagegen, wenn im Nachgang von Angelveranstaltungen Erinnerungszugaben wie Pokale vergeben würden, schließlich würde dadurch ein „kleiner Anreiz“ zum Mitmachen geschaffen. Und Angler würden benötigt, um die heimischen Gewässer im Auge zu behalten und gebietsfremde Fischarten wie beispielsweise im Mittellandkanal die Schwarzmund-Grundel wie vom Land Niedersachsen gewünscht zu entfernen. Hans Macke: „Wir sind total mit dem Gesetz konform.“

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