Einsatzreaktionszeit im Kreis hat sich verlängert

Streife im Notfall bald schneller in Stemwede?

Stemweder Bürger müssen bei einem Notfall rund drei Minuten länger auf die Polizei warten als noch vor wenigen Jahren. Das soll sich bald wieder ändern. - Archivfoto: Polizei

Lübbecke/Stemwede - Von Melanie Russ. Wer den Notruf wählt, der hofft auf schnelle Hilfe. Im Kreis Minden-Lübbecke müssen die Menschen inzwischen aber zum Teil deutlich länger als noch vor einigen Jahren auf die Polizei warten. Mit knapp 19 Minuten (Stand 2015) im Schnitt am längsten benötigen die Beamten der auch für Stemwede zuständigen Lübbecker Wache, um ihren Einsatzort zu ereichen.

Deutlich schneller sind die für Rahden zuständigen Espelkamper Kollegen mit 15:11 Minuten. Der kreisweite Durchschnitt liegt bei 15:21 Minuten (NRW: 16:14). Die Zahlen legte die Landesregierung jetzt als Antwort auf eine kleine Anfrage der CDU-Abgeordneten Kirstin Korte vor.

Die Einsatzzeiten, für die es anders als bei der Feuerwehr übrigens keine gesetzliche Obergrenze gibt, variieren allerdings je nach Einsatzart deutlich. Ist ein Täter noch vor Ort, treffen die Lübbecker Beamten im Schnitt schon in neun Minuten ein, wird ein Unfall mit Personenschäden gemeldet dauert es 14 Minuten. Die Espelkamper sind in sieben beziehungsweise knapp elf Minuten vor Ort, der Kreisschnitt liegt bei 6:24 und 10:58 Minuten.

Ganz neu ist diese Entwicklung nicht. Im Siebenjahresvergleich war die Lübbecker Wache mit einer Ausnahme in jedem Jahr Schlusslicht im Kreis, allerdings waren die Beamten bis 2012 noch etwa drei Minuten schneller vor Ort als heute. Die Tendenz der längeren Einsatzreaktionszeiten bestätigt Ralf Steinmeyer, Sprecher der Kreispolizeibehörde, er weist auf Nachfrage aber auch auf Schwächen in der manuellen Datenerfassung hin. Beim Beginn eines Einsatzes und beim Eintreffen am Einsatzort müssen die Beamten eine Taste betätigen. Im Zweifelsfall sei es aber wichtiger, einem Verletzten zu helfen oder einen flüchtenden Einbrecher zu verfolgen als eine Taste zu drücken. „Das macht uns die Statistik ein bisschen kaputt“, so Steinmeyer.

Weil die negative Entwicklung aber unverkennbar ist, befasst sich die Kreispolizeiberhörde mit ihrem Chef, Landrat Dr. Ralf Niermann, laut Steinmeyer seit Jahresbeginn im Rahmen des Projekts 2023 mit der Umstrukturierung der Polizei. „Wir rechnen damit, in Zukunft mit noch weniger Personal auskommen zu müssen“, erklärt Steinmeyer. „Wenn wir aber erst dann reagieren, müssten wir uns vorwerfen lassen, zu spät reagiert zu haben.“ Dem Vorwurf, sich nicht intensiv genug für eine ausreichende Polizeipräsenz im Kreis einzusetzen, muss sich der Landrat bereits jetzt stellen.

Die Einsatzreaktionszeiten sind nicht der einzige Baustein des Projekts 2023, aber ein wesentlicher. In diesem Rahmen ist auch geplant, den Bereich Stemwede in naher Zukunft der näher gelegenen Espelkamper Wache zuzuschlagen und dadurch die Lübbecker zu entlasten. „Das erscheint uns ein vielversprechender Ansatz“, so Steinmeyer. Ob die Beamten dann tatsächlich schneller vor Ort sind, muss die Zeit zeigen, denn neben der Entfernung spielen dabei auch die Zahl der parallelen Einsätze und Personalstärke eine Rolle. Zudem sei es bereits jetzt so, dass die Espelkamper Wache einen Streifenwagen nach Stemwede schicke, wenn die Lübbecker Wache ausgelastet sei, so Steinmeyer.

Der Polizeisprecher kann nicht ausschließen, dass sich die vergleichsweise guten Einsatzreaktionszeiten der Espelkamper Wache durch die Änderung der Zuständigkeiten verschlechtern. Eine Umverteilung des Personals sei derzeit aber nicht geplant. Auch an einen neuen Ansprechpartner vor Ort werden sich die Stemweder nicht gewöhnen müssen. Der Bezirksbeamte Friedhelm Rodeck bleibt in Stemwede.

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