Diskussion um neue digitale Anlagen

Stemweder sehen Warnsystem als „Blödsinn“ an

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Die alten analogen Sirenen, wie hier auf dem Feuerwehrgerätehaus in Wehdem, werden zum Ende des Jahres nicht mehr unterstützt. Daher soll eine neue, kreisweit einheitliche Technik her. Doch die Stemweder Ratsmitglieder sehen darin keinen Sinn.

Stemwede - „Es ist eigentlich Blödsinn, aber wir müssen Gesetze und Vorschriften nunmal einhalten“, urteilte Andreas Weingärtner in der jüngsten Ratssitzung über das Vorhaben des Kreises Minden-Lübbecke, der bekanntlich für alle kreisangehörigen Kommunen ein einheitliches Warnsystem einführen will, um die Bevölkerung mittels eines Weckrufes auf Schadenslagen und Notfälle aufmerksam zu machen.

Mit seiner Meinung stand der CDU-Ratsherr nicht alleine da. Auch die anderen Parteien erklärten, dass sich ihnen der Sinn der Aufstellung von neuen Sirenenanlagen in Stemwede nicht erschließe, so Wilhelm Riesmeier (SPD). Grundlage für diese Maßnahmen, so Bürgermeister Kai Abruszat dazu, sei die festgeschriebene Aufgabe des Bundes, die Bevölkerung rechtzeitig warnen zu müssen. Gemeinsam hätten sich Bund und Land in den vergangenen Jahren darauf geeinigt, dass Sirenen das effektivste Mittel mit Weckeffekt seien.

Vor Jahren habe der stille Alarm und inzwischen der Digitalfunk der Feuerwehren die Sirenen unnötig gemacht, erinnerte Riesmeier. „Jetzt sollen 180.000 Euro ausgegeben werden für zwölf Sirenen, die wir nicht benötigen“, machte das Ratsmitglied aus Westrup seinem Ärger über die Vorgaben Luft.

Vorgaben: 80 Prozent der Bevölkerung erreichbar

Für die Flächengemeinde sieht der Planer des Kreises ein Dutzend neuer elektrischer Anlagen an verschiedenen Standpunkten in Stemwede vor. Damit sollen den Vorgaben zufolge 80 Prozent der Bevölkerung erreicht werden. „Und was ist mit den restlichen 20 Prozent?“, wollte Riesmeier in der Ratssitzung wissen. Dazu sagte Ordnungsamtleiter Werner Bahnemann: „Die Häuser in den äußersten Randbereichen werden nicht mehr erreicht.“

Zudem kritisierte Wilhelm Riesmeier, dass der Weckruf noch lange keine Information über die Art der Gefahr gebe und so auch unnötig für Aufregung sorgen könne.

„Die Verwaltung will sich an dem Thema nicht ergötzen“, versuchte Bürgermeister Kai Abruszat die Gemüter zu beruhigen. Aber „die Implementierung des Warnsystems ist auch für uns verpflichtend“, mahnte der Verwaltungschef.

Noch 17 mechanische Anlagen funktionsfähig

Zu den derzeit 21 noch vorhandenen mechanischen Sirenen in Stemwede führte Ordnungsamtleiter Bahnemann aus, dass aktuell noch 17 Geräte funktionsfähig seien. Diese befänden sich seit rund 60 Jahren auf den Dächern der jeweiligen Gebäude. Da Sebastian Allhorn (Grüne) und Manfred Quebe (CDU) sich in erster Linie um die Kosten sorgten, überlegte der Christdemokrat, die alten Sirenen analog weiterlaufen zu lassen. „Das wird nicht funktionieren, weil die Technik zum Ende des Jahres abgeschaltet wird“, wusste Bahnemann. Zudem seien die Kosten mit einer Spanne von 100.000 bis 180.000 Euro „sehr hoch bemessen“, erklärte er den Ratsmitgliedern die Berechnungen der Kreisverwaltung. Zudem erinnerte Bahnemann an die Fördermittel in Höhe von 25.000 Euro, die die Gemeinde bereits zugewiesen bekommen hatte. Mit einer weiteren Bezuschussung durch das Land sei noch zu rechnen.

Abschließend mutmaßte Ordnungsamtleiter Bahnemann, dass der Kreis die Gemeinde Stemwede wohl zur Umsetzung der Vorgaben zwingen werde, wenn sie sich jetzt dem einheitlichen Konzept widersetzen wolle. Bürgermeister Abruszat schlug daher vor, mit den Verantwortlichen bei der Kreisverwaltung zu sprechen. In der Ratssitzung fand der Kompromiss einmütige Zustimmung und so werden sich die Stemweder nach der Sommerpause erneut mit dem Thema einheitliches Warnsystem befassen müssen.

abo

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