Stemweder gibt sich aus Ärger über riskantes Überholmanöver als Polizist aus

Schlechter Scherz

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Mediengruppe Kreiszeitung

Stemwede - Ein Überholmanöver einer 29-jährigen Kleinbus-Fahrerin ärgerte einen Stemweder dermaßen, dass er sie zum Anhalten aufforderte, sich als Polizist vorstellte und Führerschein und Fahrzeugpapiere verlangte. Vor dem Amtsgericht Rahden stellte der 50 Jahre alte Mann sein Verhalten nun als Scherz dar. Richter Hagenkötter fand das allerdings nicht lustig: Wegen Amtsanmaßung und Nötigung verurteilte er den Stemweder zu einer Geldstraße von 3900 Euro.

Der Vorfall ereignete sich auf der Schepshaker Straße. Die Frau beabsichtigte, mit ihrem Kleinbus zwei Autos zu überholen, die trotz erlaubter 100 Stundenkilometer mit Tempo 70 unterwegs waren. Laut Anklage wollte die 29-Jährige aufgrund von Gegenverkehr kurz nach dem Ausscheren zurück auf die rechte Spur fahren. Der Angeklagte – in dem hinteren der zwei Autos – habe jedoch beschleunigt und der vordere Fahrer gebremst, sodass der Frau ein Einscheren unmöglich gemacht worden sei.

„In dem Moment, als ich zum Überholen angesetzt habe, kam kein Gegenverkehr“, fügte die 29-Jährige hinzu. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, sei sie dann so weit wie möglich rechts gefahren. Der Gegenverkehr habe trotzdem auf den Seitenstreifen ausweichen müssen.

Der Angeklagte beschrieb die Situation dramatischer: „So ein riskantes Überholmanöver habe ich schon lange nicht mehr gesehen“, sagte er. Dass die Kleinbus-Fahrerin überholte, sei ihm erst bewusst geworden, als das Fahrzeug von vorne – laut ihm ein Lkw – mit Hupen und Lichthupe auf sich aufmerksam gemacht habe. Er habe daraufhin nicht beschleunigt, sondern gebremst.

Wegen des in seinen Augen lebensbedrohlichen Überholmanövers wollte er die Frau zur Rede stellen. Er kam ihr zufolge „von hinten angerast“, um sie zu überholen. Anschließend habe er sich an der Kreuzung mit der L770 quer vor sie gestellt, „sodass ich nicht die Möglichkeit hatte, einfach dran vorbeizufahren“ – laut Staatsanwältin eine Nötigung. Sofort habe er geschimpft und gedroht, sie wegen versuchten Mordes anzuzeigen, erzählte die Frau. Er habe sie aufgefordert auszusteigen und ihr dabei an den Arm gefasst. Er erzählte laut der 29-Jährigen, er wäre von der Zivilpolizei, verlangte Schlüssel, Führerschein sowie Fahrzeugpapiere und schoss Fotos. „Ich habe darauf gepocht, dass ich gerne ein Ausweisdokument sehen möchte“, erinnerte sich die Zeugin. Daraufhin habe sich der Mann als normaler Bürger zu erkennen gegeben.

„Ich habe mein Auto nicht quer gestellt“, entgegnete der Stemweder. „Sie hätte nicht stehen bleiben müssen.“ Der Fahrer des zweiten am Vorfall beteiligten Autos konnte das bestätigen. Er habe nur wissen wollen, wieso die Frau wie eine „Verrückte gejagt“ sei, erklärte der Angeklagte.

Angeklagter wollte Frau

Schrecken einjagen

Sie müsse ihre Tochter vom Kindergarten abholen, habe sie ihm geantwortet. „Ich habe es einfach nicht verstanden, dass das der Grund ist, das eigene Leben und das anderer Menschen zu gefährden“, sagte er. „Ich wollte einfach Spaß machen, um ihr einen Schrecken einzujagen.“ Deswegen habe er ihr weißmachen wollen, er komme von Scotland Yard. „Ein ziemlich blöder Scherz“, merkte sein Verteidiger an.

„Sie haben das heute als Scherz dargestellt“, so die Staatsanwältin. Doch sie glaubte nicht, dass es einer gewesen sei. Der Angeklagte sei aufgebracht gewesen und „wichtigtuerisch aufgetreten“. Sie forderte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 65 Euro und zwei Monate Fahrverbot. Dabei berücksichtigte sie eine Vorstrafe des Stemweders, die er sich ebenfalls im Straßenverkehr eingefangen hatte. Eine Nötigung beim Stoppen der Frau sah sie nicht. Der Meinung war auch der Verteidiger: „Sie hätte einfach vorbeifahren können.“ Er argumentierte, dass sich sein Mandant lebensgefährlich bedroht gefühlt habe, und pochte auf ein mildes Urteil.

Hagenkötter entschied schließlich auf 60 Sätze à 65 Euro und ein Fahrverbot von zwei Monaten. „Dass das alles nur ein Scherz hatte sein sollen, passt nicht zur Situation“, stellte er fest. Außerdem habe der Stemweder die Zeugin genötigt. „Nicht beim Anhalten, aber beim Anfassen des Arms“, erklärte er. Das sei eine leichte Form der Gewalt. „Das sinnvollste wäre gewesen, den Ärger herunterzuschlucken und im Zweifel Anzeige bei der Polizei zu erstatten“, belehrte Hagenkötter den Angeklagten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

ks

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