Stefan Bulk kennzeichnet Jungvögel mit Ring und individueller Nummer

Ein Ausweis für den Storch

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Stefan Bulk arbeitet seit 30 Jahren für den Storchenschutz und weiß, dass eine Beringung für die Jungvögel sinnvoll ist. So lässt sich nachverfolgen, wo der Vogel von Levern aus hinfliegt.

Levern - Den ersten Menschen seines Lebens hat vermutlich der Storchennachwuchs aus dem Horst bei Dieter Pape im Leverner Bruch am Sonnabendmorgen gesehen, als Stefan Bulk sich zum Beringen in luftige Höhe begab. Das Vorstandsmitglied des Aktionskomitees „Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke“ kennzeichnete das drei Wochen alte Jungtier, um seinen künftigen Weg besser verfolgen zu können.

Seit Mitte Februar ist das Nest auf der Weide gegenüber von Dieter Papes Wohnhaus an der Niederheide besetzt. Obwohl der rund zehn Meter hohe Horst schon vor 13 Jahren aufgestellt worden war, wird er erst seit 2013 als Nistplatz genutzt. Während in den vergangenen Jahren noch mehrere Jungtiere geschlüpft sind, gab es für Stefan Bulk in dieser Saison nicht viel zu tun. Lediglich ein Junges haben die beiden Storche seit etwa Ende März ausgebrütet. Seit Sonnabend trägt der kleine Storch eine individuelle Nummer auf einem Ring ums Bein, ähnlich einer Ausweisnummer. Während der Beringung fallen die Jungstörche in eine Starre. Die Eltern verlassen das Nest und beobachten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Die Ringe bekommt Bulk von der Vogelwarte Helgoland, wo die Tiere in der Kartei vermerkt werden.

„Bis August bleiben die Vögel meistens“, hat Dieter Pape beobachtet. Er schaut regelmäßig aus dem Fenster und hat den Nachwuchs an das Aktionskomitee gemeldet. „Die Störche kommen immer früher“, sagt Pape, der sich freut, dass das männliche Tier bereits zum zweiten Mal zu ihm zurückgekehrt ist. Das hat er anhand der Beringung erkannt. „Störche pflegen die Nestbindung“, erklärt Stefan Bulk. Die männlichen Tiere kehren also häufig zum bekannten Horst zurück, paaren sich aber mit einem anderem Weibchen.

Seit Februar stehen aufgrund der Landvögel tagsüber die fünf Windkraftanlagen in der Nähe des Horstes still. Das ist eine Vorgabe, die das Verwaltungsgericht beschlossen hat, um den Schutz der Tiere zu ermöglichen.

54 Brutpaare haben sich bislang im Altkreis Lübbecke auf den 56 Horsten niedergelassen, aber noch nicht alle haben ihren Nachwuchs, berichtet Bulk. 15 Jungstörche hat das Aktionskomitee bis jetzt verzeichnet – in Nettelstedt, Gehlenbeck, Frotheim, Lübbecke, Stockhausen, Hedem, Levern, Oppenwehe, Alt-Espelkamp, Rahden, Destel und Tengern. Das ist laut Bulk eins mehr als im Vorjahr. „Unsere Populationen sind noch ausbaufähig“, hofft der Tierfreund, dass weitere Tiere in die Region kommen.

Momentan seien die Bedingungen gut, die Regenwürmer liegen weit oben und auch die Temperaturen seien ideal. Auf jeden Fall besser als im vergangenen Frühjahr: „Der Mai war so kalt, dass viele Jungtiere unterkühlt waren“, erinnert sich Bulk, der seit rund 30 Jahren im Sinne des Storchenschutzes aktiv ist.

Für den Bruterfolg ist das Wetter im Mai und Juni entscheidend. In dieser Zeit darf es keine längeren Phasen mit nasskaltem Wetter mit viel Regen, Kälte und Nachtfrösten geben. Zudem darf es nicht zu trocken sein, weil sich sonst das Nahrungsangebot reduziert.

Weitere Informationen über Störche und deren Vorkommen in der Region finden Interessierte auf der Internetseite des Aktionskomitees „Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke“.

abo

www.stoerche-minden-

luebbecke.de

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