Kreisverband klärt über Probleme der Landwirtschaft auf 

„Sorgenkind“ Milchmarktkrise: Qualität gegen Preis

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Landwirte aus dem Kreis Minden-Lübbecke nahmen an der Kundgebung des Deutschen Bauerntages in Hannover teil. Reinhard Holle, Cord Peitzmeyer, Rainer Meyer, Hermann Seeker, Klaus-Günther Huebert und Christian Wiese zeigten in der niedersächsischen Landeshauptstadt die rote Karte. 

Minden-Lübbecke - „Melken statt Miese“ war auf den Plakaten zu lesen, die die Landwirte aus dem Kreis Minden-Lübbecke auf der Kundgebung des Deutschen Bauerntages in Hannover am vergangenen Donnerstag hochhielten. Unter dem Motto „Zukunft sichern, Bauern stärken“ nahmen sie mit mehr als 3000 Bauern an der Kundgebung teil.

Die Milchmarktkrise, die zukünftige Nutztierhaltung, aber auch Perspektiven der Landwirtschaft in Umwelt- und Naturschutz standen im Mittelpunkt des Bauerntages. „Die Politik darf bäuerliche Familienbetriebe nicht überfordern“, findet der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Minden-Lübbecke, Hermann Seeker. „Die wirtschaftliche Situation auf den bäuerlichen Betrieben bereitet uns große Sorgen.“ Weder Tierhalter noch Ackerbauern hätten in jüngster Zeit ausreichendes Einkommen gehabt, geschweige denn Geld für gesellschaftlich und politisch diskutierte Investitionen. Die Landwirte hätten mit Tiefstpreisen für ihre Erzeugnisse zu kämpfen, würden aber immer wieder mit neuen Anforderungen konfrontiert. Wachsende Auflagen würden den Strukturwandel noch mehr beschleunigen.

Sorgenkind Milchmarkt

Der Milchmarkt gilt zweifelsfrei als großes Sorgenkind. „Viele Milchbauern wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll“, schildert Seeker die Lage. Unter der Krise würden vor allem Höfe leiden, die in eine artgerechte Haltung investiert hätten, die Zukunftsinvestitionen getätigt hätten. Seeker: „Diese Betriebe können nicht genug Geld erwirtschaften, um ihre Kredite zurückzuzahlen. Allerdings gibt es erste Anzeichen einer Nachfragebelebung an den internationalen Märkten sowie ein Abebben der Milchmenge in Deutschland und anderen EU-Ländern.“

Als hohe Belastung bezeichnet der Vorsitzende die Preisabschlüsse mit dem Lebensmitteleinzelhandel: Sie blockierten die Erholung der Erzeugerpreise. „Darüber hinaus verlangt der Einzelhandel von uns ständig neue Anstrengungen bei der Umsetzung strengerer Nachhaltigkeitsstandards, ohne die dadurch entstehenden Erzeugerkosten auszugleichen.“ Lebensmittel aus Deutschland hätten ihren Preis. „Alle, die nur auf ‚billig, billig‘ setzen, zerstören langfristig unsere regionalen Strukturen“, warnt Seeker. Denn keiner würde hierzulande in der Lage sein, dauerhaft zu Dumpingpreisen Qualität zu erzeugen. „Wir brauchen eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte“, erklärt Seeker.

Von der Milchgewinnung auf den Höfen, über die Verarbeitung in den Molkereien, bis zum Verkauf hat die Milchqualität eine hohe Bedeutung. Langfristig müsse bei allen, inklusive Verarbeitern und Lebensmitteleinzelhandel, ein Bewusstsein da sein, den Wert zu erkennen.

Mit rund 633 000 in der Landwirtschaft Erwerbstätigen, einem Produktionswert von 53 Milliarden Euro in 2015 und jährlich fast elf Milliarden Euro Investitionsvolumen ist die heimische Landwirtschaft ein bedeutender Teil der deutschen Wirtschaft. Zusammen mit der Ernährungswirtschaft stellt die Branche elf Prozent aller Erwerbstätigen, die die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen. „Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Arbeitgeber“, stellt Seeker fest. Deshalb sei es von großem Interesse, eine nachhaltige, wettbewerbsfähige Landwirtschaft zu erhalten und zu stärken.

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