Flüchtlingsarbeit ist gut aufgestellt

„Es hat sich schon viel in Stemwede getan“

Waltraud Holtkamp, Dariusch Bar und Andrea Herrmann (v.l.) sind in Stemwede wichtige Ansprechpartner für die Flüchtlinge. Sie haben im vergangenen Jahr die zahlreichen Männer und Frauen bei ihren ersten Schritten in der neuen Heimat unterstützt. Für die Arbeit in 2017 sehen sie den Arbeitskreis Asyl derzeit gut aufgestellt. - Foto: Bokelmann
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Waltraud Holtkamp, Dariusch Bar und Andrea Herrmann (v.l.) sind in Stemwede wichtige Ansprechpartner für die Flüchtlinge. Sie haben im vergangenen Jahr die zahlreichen Männer und Frauen bei ihren ersten Schritten in der neuen Heimat unterstützt. Für die Arbeit in 2017 sehen sie den Arbeitskreis Asyl derzeit gut aufgestellt.

Stemwede - Von Anika Bokelmann. 260 Flüchtlinge leben aktuell in Stemwede. Für das Betreuerteam bedeutet das nach wie vor viel Arbeit, doch „es hat sich im vergangenen Jahr viel getan“, sind sich Waltraud Holtkamp, Dariusch Bar und Andrea Herrmann als hauptamtliche Flüchtlingsbetreuer einig.

Dabei haben die drei nicht nur die entspanntere Lage bei den Zuweisungen im Blick, sondern auch die Fortschritte der Männer und Frauen, die vor Krieg und Terror in ihren Heimatländern geflohen sind. Der Höchststand lag bei 330 Personen, die in der Flächengemeinde Zuflucht suchten. Das stellte die Gemeinde vor enorme Herausforderungen, die nur dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten und der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung bewältigt werden konnten.

Insbesondere die ehrenamtlichen Helfer aus dem Arbeitskreis Asyl unterstützen die Flüchtlinge, für die das Leben in Stemwede nicht nur mit einer neuen Sprache, sondern auch einer fremden Kultur verbunden ist.

„Der Arbeitskreis arbeitet eng mit der Verwaltung zusammen“, bedankt sich Waltraud Holtkamp bei den Verantwortlichen im Rathaus in Levern. Bereits im Januar 2014 wurde sie von der Verwaltung als Flüchtlingshelferin benannt, weil sich der damalige Bürgermeister Gerd Rybak und Ordnungsamtleiter Werner Bahnemann Leute vor Ort wünschten, erinnert sich Holtkamp. Später schloss die Verwaltung einen Kooperationsvertrag mit dem Verein für Jugend, Freizeit und Kultur (JFK).

Seitdem sind neben Holtkamp auch Andrea Herrmann und Dariusch Bar mit jeweils 15 Stunden in der Flüchtlingshilfe aktiv. Die Ansprechpartner haben sich die Flächengemeinde aufgeteilt, um möglichst überall vertreten zu sein – Holtkamp betreut überwiegend Flüchtlinge in Levern, Destel und Wehdem; Bar ist in Oppendorf und Oppenwehe und Herrmann in Dielingen und Haldem zu finden. „Nach Absprache fahren wir aber auch in die Gebiete der anderen“, sagen die Betreuer.

„Die Arbeit ist sehr aufwendig“, berichtet Waltraud Holtkamp. Schließlich habe jeder Flüchtlinge seinen individuellen Hintergrund – „einige sind motivierter als andere was die Teilnahme an Kursen oder die Integration auf dem Arbeitsmarkt angeht“, hat Holtkamp festgestellt.

Fortschritte bei der Kommunikation

Ein wichtiger Faktor ist ihr zufolge die Sprache. „Die Kommunikation ist schon viel besser geworden“, freut sich Andrea Herrmann über die Fortschritte, die dank der Sprachkurse in Dielingen, Levern und Wehdem erzielt wurden. „Die Flüchtlinge bemühen sich aber auch außerhalb der Kurse, deutsch zu sprechen“, weiß Dariusch Bar. Ende Januar starten neue Sprachkurse in Stemwede.

Schwierigkeiten gibt es aber nach wie vor – insbesondere bei Arztbesuchen ist es nötig, dass Dolmetscher oder die Betreuer dabei sind. „Wir kennen in der Regel die Vorgeschichte der Flüchtlinge und geben Sicherheit“, sagt Holtkamp. Zudem müssten weite Wege zu Fachärzten oder Krankenhäusern bewältigt werden. 

Überhaupt sei die räumliche Ausdehnung in Stemwede ein Problem in der Flüchtlingsarbeit. „Fahrdienste sind immer gefragt“, weiß auch Andrea Herrmann, die regelmäßige Flüchtlinge zur Tafel-Ausgabgestelle nach Wehdem fährt. Diese nutzen die Betreuer nicht nur für, damit die Flüchtlinge mit Lebensmitteln versorgt werden, sondern auch um Ratschläge mit an die Hand zu geben.

Deutlich wurde das Problem mit der Infrastruktur auch, als im Sommer 170 Flüchtlinge aus Stemwede mit Bussen nach Bielefeld reisten, um sich dort registrieren zu lassen. Drei Wochen später ging es dann nach Minden, erinnern sich die hauptamtlichen Flüchtlingshelfer an die Aufregung. „Immerhin passierte endlich etwas und die vorläufigen Pässe waren da“, blickt Herrmann zurück.

Insbesondere bei der Organisation solch weiterer Fahrten können die Helfer auf die Unterstützung durch die Verwaltung rechnen. Laut Dariusch Bar steht ihnen dann ein Fahrzeug der Gemeinde zur Verfügung.

Die Mitglieder des Arbeitskreises Asyl treffen sich jeden ersten Montag im Monat von 19 bis 21 Uhr im Life House in Wehdem. Neben dem aktuellen Bericht zum Stand der Flüchtlingslage tauschen sich die aktuell rund 15 Helfer bei dieser Gelegenheit über ihre Arbeit aus und planen weitere Aktionen mit und für Flüchtlinge. 

Weitere Ehrenamtliche sind bei diesen Zusammenkünften und in der Stemweder Flüchtlingsarbeit weiter gern gesehen. Zudem werden nach wie vor Spenden benötigt – aktuell sind Winterkleidung wie Mützen und Handschuhen für Kinder und Erwachsene gefragt.

Zwar sieht Andrea Herrmann die Flüchtlingsarbeit aktuell „gut aufgestellt“, aber „wir müssen reagieren, wenn etwas passiert“. In diesem Jahr rechnet die Verwaltung mit rund 45 Personen, die als Flüchtlinge nach Stemwede kommen werden. Da aber auch einige anerkannte Flüchtlinge wegziehen, könnte die Zahl gegebenenfalls steigen.

Am 1. Mai wollen die Akteure der Flüchtlingshelfer ein großes Fest feiern. Der Schulhof der Stemweder-Berg-Schule wird dann für alle geöffnet, um einen Austausch zwischen den Flüchtlingen, Helfern und Stemweder Bürgern zu ermöglichen.

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