Servicehaus für vorbildliches Konzept als „Ort des Fortschritts“ ausgezeichnet

Ein Glücksfall für Haldem und die Mitarbeiter

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LWL-Direktor Matthias Löb (2.v.r.) informiert sich während eines Besuchs des Hahme Markts in Haldem bei (v.l.) Dominik Zurloh, Thomas Cordes, Karl-Heinz Seibert und Lothar Pannen über das Konzept der Servicehaus gGmbH.

Haldem - „Das Projekt ist wirklich großartig, ein Glücksfall“, schwärmt Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), während er sich im Hahme Frische Markt in Haldem das Beschäftigungskonzept des Servicehauses Stemwede erklären lässt. Knapp die Hälfte der Beschäftigten der gemeinnützigen GmbH sind Menschen mit Behinderungen. Das Besondere: Sie arbeiten nicht in einer speziellen Werkstatt, sondern haben ganz reguläre sozialversicherungspflichtige Jobs im ersten Arbeitsmarkt. Für dieses Konzept hat die NRW-Landesregierung das Servicehaus jetzt mit dem Preis „Ort des Fortschritts“ ausgezeichnet. Die Medaille wurde gestern Abend im Kreishaus in Minden überreicht.

Rund 55 Mitarbeiter beschäftigt die Servicehaus Stemwede gGmbH, darunter 25 Menschen mit Behinderungen. Neben dem Betrieb des Hahme Marktes übernehmen die Mitarbeiter Tischler-, Maler- und Maurerarbeiten, Gartenpflege sowie Hauswirtschaftsarbeiten. Die Wochenarbeitszeit richtet sich dabei ganz individuell nach den Fähigkeiten der Mitarbeiter.

Nach Einschätzung von Servicehaus-Geschäftsführer Lothar Pannen ist der hier eingeschrittene Inklusionsweg, dessen Ziel es ist, das Arbeiten und Leben der Menschen möglichst gut in Einklang zu bringen, der richtige, auch wenn viele sagen würden, es gehe zu langsam.

Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sei es der richtige Weg, sagt Löb, denn das Servicehaus gebe gleich auf zwei Herausforderungen der Zukunft eine Antwort. Zum einen schließe dessen Angebot die Lücke, die durch das mit dem demographischen Wandel verbundenen Sterben von kleinen Märkten und Handwerksbetrieben entstehe. Zum anderen löse es die Frage, wie Menschen mit und ohne Behinderung in einer Gesellschaft zusammengebracht werden können.

Und noch ein dritter Aspekt – die Integration von jungen Asylbewerbern – könnte hinzukommen. Acht unbegleitete minderjährige Asylbewerber vorwiegend aus Afghanistan sind derzeit in einer begleiteten Wohngruppe untergebracht des heilpädagogischen Kinderhauses untergebracht. Auch sie hätten die Möglichkeit, später über die Angebote des Servicehauses in den Arbeitsmarkt zu gelangen, erklärt Karl-Heinz Seibert, zweiter Vorsitzender des Trägervereins Lebensperspektiven, zu dem neben Serviceshaus und Kinderhaus auch die Ambulanten Pädagogischen Lebenshilfen gehören.

LWL-Direktor Löb lobt den Ansatz des Servicehauses, dass zunächst an den Bedarf der Mitarbeiter gedacht wird und erst im zweiten Schritt daran, woher das Geld kommt. „Das sind ganz besondere Herausforderungen“, sagt Dominik Zurloh, als Leiter Fachbereich Handel auch für den Hahme Markt zuständig. „Aber das schaffen wir.“

Dass das Angebot der gemeinnützigen GmbH nicht einem Selbstzweck dient, sondern in Haldem gebraucht wird, bestätigen die Zahlen. Mindestens 700 Kunden pro Tag nutzen laut Zurloh den Hahme Markt mit angegliederter Tankstelle und Waschstraße. Im handwerklichen Bereich bedient das Servicehaus vor allem kleinere Kundenwünsche, etwa das Streichen einzelner Zimmer. Handwerksbetriebe hätten für solche Arbeiten oft keine Zeit, für die Mitarbeiter des Servicehauses sei es dagegen genau die richtige Größenordnung, erklärt Pannen.

Matthias Löb war durch die Zusammenarbeit der Servicehaus Stemwede gGmbH mit dem LWL auf das Haldemer Konzept aufmerksam geworden und hatte es für den Preis vorgeschlagen.

mer

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