Jens Neutag diagnostiziert beim Publikum „Deutschland-Syndrom“

Seitenhiebe auf Politiker und Sonderangebot-Nahkampf

Beim Auftritt von Kabarettist Jens Neutag war die Wehdemer Begegnungsstätte gut gefüllt. Rund 80 Zuschauer wollten erfahren, was das „Deutschland-Syndrom“ ist und wie man es heilen kann. - Foto: Bokelmann

Wehdem - Von Anika Bokelmann. „Ich komme momentan aus dem Aufregestatus gar nicht mehr heraus“, gestand Jens Neutag dem Publikum am Samstagabend zu Beginn seines Kabarettprogramms. Mit diesem hielt er auf Einladung des Stemweder Kulturrings in der Wehdemer Begegnungsstätte den rund 80 Besuchern einen Spiegel vor Augen und zeichnete mit etwas skurrilem und grenzwertigen Humor typische Verhaltensweisen der Deutschen nach.

Dabei ließ Neutag selbst die aktuellen Geschehnisse wie den Suizid eines Syrers in einem sächsischen Gefängnis nicht ungeachtet – „völlig abwegig, dass ein Selbstmordattentäter suizidgefährdet ist“, kritisierte der Kabarettist. Aber auch die jüngsten Wahlergebnisse mit dem hohen AfD-Anteil würden ihm Angst machen, meinte Jens Neutag. „Die Deutschen haben doch momentan alle den Schuss nicht gehört“, meinte er.

Dabei gebe es gute Beispiele, dass Integration gelinge, frotzelte er weiter und verwies auf Bundespräsident Joachim Gauck, der es in die Politik geschafft habe, und Til Schweiger in die Schauspielerei. Man solle den Flüchtlingen „einfach mehr Zeit geben, sich an uns merkwürdigen Deutschen zu gewöhnen“, riet Neutag.

Überhaupt widmete sich der Satiriker umfassend der Spitzenpolitik, indem er unter anderem in die Rolle von Altkanzler Helmut Schmidt schlüpfte. Dabei trieben zwar nicht alle Wortbeiträge den Zuschauern die Lachtränen in die Augen, sondern vielmehr die Darstellung der Figur mit starkem Raucherhusten und einem löchrigen SPD-Taschentuch.

Passend zum Titel seines sechsten Soloprogramms, „Das Deutschlandsyndrom“, betrachtete Jens Neutag im Anschluss verschiedene Angewohnheiten der Deutschen. So ist es dem Kabarett-Künstler zufolge typisch für die Bevölkerung hierzulande, dass sie sich über die Benzinpreise aufregt. Da würden dann auch viele sinnlose Kilometer gefahren, um drei Cent beim Spritpreis zu sparen, führte Neutag dem Stemweder Publikum vor Augen – sicherlich fühlte sich der ein oder andere ertappt.

Ebenso erging es vermutlich einem Teil der Männer und Frauen, als Neutag das Konsumverhalten und die damit verbundene „Schnäppchengeilheit“ analysierte. Über den regelmäßigen Überfall auf die Supermärkte vor den Feiertagen könne er nur den Kopf schütteln, redete sich der Künstler immer weiter in Rage und kam am Ende zu dem Schluss: „Mit dem Sonderangebot-Nahkampf richten wir unsere lokalen Einkaufstraßen hin.“

Anderes Thema: Über Wetten-Dass würden sich alle aufregen. „Es gibt auf der Fernbedienung Knöpfe zum Senderwechsel“, so das Fazit von Jens Neutag, der nach der Aufzählung weiterer Eigenarten der Bundesbürger die Diagnose stellte: „Wir leiden am ,Deutschland-Syndrom’.“ Was das genau sei, das wüsste er selber noch nicht, gestand Neutag. Doch auch Ärzte würden sich stets eines Syndroms bedienen, wenn sie bei der Diagnose für die Patienten nicht weiter wüssten.

Ob das „Deutschland-Syndrom“ gefährlich sei, wie es sich auswirkt, ob es dafür schon Medikamente gebe oder ob man den Arzt oder Apotheker befragen müsse, damit beschäftigte sich der Kabarettist nach einer Pause, die von den Zuschauern für eine kurze Erfrischung und Gespräche über das Politik-Kabarett genutzt wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Wie werde ich Trauerredner/in?

Wie werde ich Trauerredner/in?

So lecker, so ekelig: Kaffeeautomaten sind hygienisch heikel

So lecker, so ekelig: Kaffeeautomaten sind hygienisch heikel

Hoffest der Bockhops in Asendorf-Graue

Hoffest der Bockhops in Asendorf-Graue

Schafmarkt in Bruchhausen-Vilsen

Schafmarkt in Bruchhausen-Vilsen

Kommentare