Schulleiterin übt deutliche Kritik an Stemweder Verwaltung / Auch Eltern fühlen sich hintergangen

„Das Vertrauen ist absolut gebrochen“

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Bei der Elterndiskussion übernahm sie als Hausherrin nur die Begrüßung, zuvor aber fand sie deutliche Worte zum Verhalten der Stemweder Verwaltung.

Wehdem - Von Melanie Russ. Was die Mitglieder des Stemweder Bildungsausschusses in ihrer morgigen Sitzung erwartet, davon bekam CDU-Fraktionsvorsitzender Andreas Weingärtner gestern Abend während der Elterndiskussion in der Begegnungsstätte schon einen Vorgeschmack. Politik und Verwaltung hatte der Pflegschaftsvorsitzende Holger Heidmeyer ausdrücklich nicht eingeladen, damit die Eltern „in einem geschützten Raum“ diskutieren und Fragen stellen konnten, als Vater eines Schulkindes durfte er aber dabei sein und zum Teil reichlich erhitzte Gemüter erleben. Bereits vor der Versammlung hatte Schulleiterin Heike Hachmann zur Schulentwicklung Stellung genommen.

Hachmann hatte bislang geschwiegen, weil sie sich als Beamtin zunächst mit ihrer Dienstherrin, der Bezirksregierung in Detmold, abstimmen wollte, findet nun aber umso deutlichere Worte. , sagt sie mit Blick auf die Verwaltung. Sie und ihre Kollegen fühlten sich hintergangen. Auch sie sei im Vorfeld nicht in Pläne zur Einrichtung einer privaten Gesamtschule eingebunden und erst am Tag der öffentlichen Bekanntmachung informiert worden.

„Es herrscht große Aufregung und Unsicherheit unter Lehrern, Eltern und Schülern, es ist wie ein Schlag ins Gesicht“, beschreibt sie die aktuelle Situation an der Sekundarschule, die nach Wunsch der Verwaltung schon nach zwei Jahren wieder auslaufen soll.

Deren Argument – rückläufige Schülerzahlen – hält sie für vorgeschoben. Die Zahlen für die kommenden Jahre seien schon bei Gründung der Sekundarschule bekannt gewesen, erinnert sie. Aktuell steht die Einrichtung sogar überaus gut da. Mit 78 Anmeldungen für das kommende Schuljahr könnte sie sogar vier statt der erforderlichen drei Eingangsklassen bilden.

Hachmann bedauert die Entwicklung sehr. „Wir haben sehr viel Arbeit in die erst so junge Sekundarschule gesteckt und bekommen auch rückgemeldet, dass unsere Eltern mit dieser Arbeit sehr zufrieden sind.“ Das bestätigte sich in der anschließenden Diskussion, in der es donnernden Applaus für die als Zuhörer anwesende Hachmann und ihren Stellvertreter Jochen Brennecke gab.

In ihrer Arbeit wollen die Lehrer trotz Zukunftssorgen nicht nachlassen. „Wir werden unsere pädagogischen Vorhaben für das nächste Schuljahr nicht ändern“, verspricht Hachmann Verlässlichkeit für die rund 500 Schüler, um die es schließlich gehe. „Wir haben Verantwortung für unsere Schülerinnen und Schüler und werden weiterhin diese Verantwortung wahrnehmen.“

Dass ihre Kollegen das Angebot der INI annehmen und zu dem privaten Schulträger wechseln, hält Hachmann für unwahrscheinlich. „Von über 40 Kollegen hat keiner Interesse, an eine private Schule zu gehen, weil sie den Status nicht aufgeben wollen, den sie sich erarbeitet haben“, spricht sie das Beamtenverhältnis an. Die Gefahr einer möglichen Schulschließung sei zu groß. Bei der Bezirksregierung habe man ihr auf Nachfrage geraten: „Tun Sie das bloß nicht.“

Laut Hachmann ist die Detmolder Behörde „entsetzt“ über die Pläne der Verwaltung. Die Dezernentin habe in einem langen Gespräch mit Bürgermeister Gerd Rybak versucht, diesen über die gravierenden Folgen zu beraten, offenbar erfolglos.

Eines stellt die Schulleiterin klar: Weder will sie etwas gegen den künftigen Träger INI sagen, den sie gar nicht kenne, noch gegen die Gesamtschule. Ihre Kritik gilt dem Umgang der Veraltung und der so kurz nach dem Sekundarschulstart geplant erneuten Änderung der Schullandschaft.

In der anschließenden, von der Schulpflegschaft organisierten Diskussionsrunde war der Tenor ähnlich. So kritisch viele Eltern eine private Gesamtschule und den angedachten künftigen Träger INI sehen – was sie vor allem gegen die Stemweder Verwaltung aufbringt, ist die Art und Weise, in der diese Eltern und Lehrer vor vollendete Tatsachen gestellt hat und nun innerhalb von nur zwei Wochen eine Ratsentscheidung durchdrücken will. „So geht man mit seinen Bürgern nicht um“, lautete der Tenor – auch unter den Eltern, die eine Gesamtschule in Stemwede durchaus begrüßen würden (Bericht folgt).

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