Sachverständige für Prüfungen auf Friedhof

Bei zehn Steinen hat es gewackelt

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Holger Butzmann weiß mit der sensiblen Technik des Kraftmessgeräts umzugehen und überprüft sachgemäß die Standfestigkeit der Grabsteine.

Stemwede - Bislang ist es auf den Friedhöfen der Gemeinde Stemwede zu keinen gefährlichen Vorkommnissen durch umfallende Grabsteine gekommen. Damit das auch in Zukunft so bleibt, waren nun der zertifizierte Sachverständige Dirk Rosinski und sein Team unterwegs und haben auf allen sieben Friedhöfen der Flächengemeinde 1172 Steine überprüft – zunächst durch bloßes Wackeln und Drücken, dann mit einem technischen Messgerät.

Dabei ist Vorsicht geboten, denn es ist wichtig, dass der Stein durch die Überprüfung nicht an Standfestigkeit verliert. Hintergrund der mehrstündigen Aktion: Jeder Grabstein in Deutschland muss einmal im Jahr auf seine Standfestigkeit überprüft werden. Laut Verkehrssicherungspflicht sind die Kommunen dafür verantwortlich, die Grabnutzer über lose Steine zu informieren. Die Sorgfaltspflicht haben dann die Angehörigen, die sich im Fall einer festgestellten Gefährdung innerhalb von acht Wochen um die Sache kümmern müssen.

In Stemwede waren insgesamt zehn Steine nicht mehr standsicher und wurden von dem Fachunternehmen mit einen Aufkleber als Hinweis für die Angehörigen versehen. Diese erhalten zusätzlich eine Aufforderung, eine Fachfirma mit der Instandsetzung zu beauftragen, informiert Manfred Südmeyer, zuständiger Fachbereichsleiter der Gemeinde Stemwede für die Friedhofsverwaltung. „Falls der ordnungswidrige Zustand trotz Aufforderung innerhalb der Frist nicht beseitigt wird, ist nach der Friedhofssatzung die Friedhofsverwaltung berechtigt, weitere Schritte zu unternehmen“, sagt Südmeyer. Das könne eine Entfernung des Grabmales oder von Grabteilen bedeuten.

„Akut einsturzgefährdet war kein Stein und somit geht für niemanden eine unmittelbare Gefahr aus“, sagt Rosinski abschließend über das Ergebnis in der Flächengemeinde. Zum Verlauf der Messungen erklärt er: „Wir müssen die Kraft gleichmäßig auf den Stein ausüben.“ Als Vorgabe gilt: Im Lot stehene Steine zwischen 50 und 70 Zentimeter Höhe müssen eine Kraft von 300 Newton (etwa 30 Kilogramm) aushalten und Steine zwischen 70 und 150 Zentimeter rund 500 Newton. Bei kleineren beziehungsweise größeren Grabsteinen müssen die Experten mit der Hand prüfen, da die Kräfte sonst zu extrem wirken und den Stein beschädigen würden. Liegende Grabsteine wie sie häufig bei Urnenbestattungen verwendet werden, fallen komplett aus der Prüfung heraus.

Das Gerät für die Maßnahme fertigt schon beim Messvorgang ein Prüfdiagramm an und erstellt darüber hinaus ein Beweisfoto. „Sonst entfernen die Angehörigen den Aufkleber und behaupten, sie hätten von nichts gewusst“, erklärt Rosinski. Erreicht der gemessene Wert des Gegendrucks am Stein den vorgegebenen Sollwert des Kräftemessgeräts, ertönt ein akustisches Signal, damit nicht noch mehr Druck ausgeübt wird.

Die Prüfung kann erst vorgenommen werden, wenn es wärmer wird, da der Frost vollkommen aus dem Boden sein muss. Ansonsten würden die Ergebnisse verfälscht.

abo

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