Sachlicher Informationsabend zur Gesamtschule / Vertrauen zur INI fehlt noch

Der Ton wird freundlicher

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Die Sekundarschule soll eine Gesamtschule werden. Bei der konkreten Planung will die Stemweder Verwaltung Eltern und Lehrer einbinden.

Stemwede - Von Melanie Russ. Die Fragen waren nicht ganz neu, viele Antworten auch nicht, aber der Ton, der war anders bei der Informationsveranstaltung der Verwaltung zur geplanten Gesamtschule in Stemwede am Montagabend. Die Schärfe vergangener Debatten war dank eines Moderators verschwunden. Die Skepsis gegenüber dem angedachten Träger INI und dem Erfolg einer kleinen Gesamtschule aber ist geblieben.

Es war ein kluger Schachzug der Verwaltung, einen auswärtigen und damit unbeteiligten Moderator zu verpflichten. In Axel Grothe aus dem Kreis Herford hatte sie jemanden gefunden, der sich als Schulleiter einer privaten Gesamtschule, ehemaliger Leiter einer staatlichen Gesamtschule und ehemaliges Ratsmitglied in der Materie auskennt und zugleich ein Talent zur Deeskalation bewies. Mit ruhigem Gestus und einer Spur Humor gelang es ihm, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und damit den Fokus auf die Sachfragen zu richten.

Die unterschieden sich nicht sonderlich von den in den vergangenen zwei Wochen vorgetragenen. Neu war dagegen die Frage nach der Motivation der INI. Warum hat sie als nicht gewinnorientierter Verein überhaupt Interesse daran, eine weitere Gesamtschule zu betreiben? Allein das soziale Engagement treibt sie nicht. „Wir haben rund 400 Mitarbeiter und müssen dafür sorgen, dass der Verein auch die nächsten 30 Jahre noch existiert“, erklärte Geschäftsfeldleiter Thomas Assmann. Darum sei man daran interessiert, neue Geschäftsfelder aufzubauen.

Bürgermeister Gerd Rybak hatte noch einmal die Beweggründe für die – nach dem Geschmack vieler überhastete – Suche der Verwaltung nach einem privaten Träger erläutert: die rückläufigen Schülerzahlen und die trotz aktuell besserer Finanzlage immer noch drohende Haushaltssicherung. Denn die Gemeinde will sich in erheblichem Maß an der Finanzierung der Schule beteiligen, könnte einen entsprechenden Vertrag in der Haushaltssicherung aber nicht eingehen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass sich die künftigen mit den jetzigen Ausgaben decken.

„Es hat auch Kontakt zu anderen Trägern gegeben“, so Rybak. Die hätten aber nicht die Anforderungen, namentlich kein Schulgeld, Zugang für alle Stemweder Kinder und qualitativ hochwertige Ausbildung, erfüllt. Es gebe gerade in ländlichen Regionen nur sehr wenige Anbieter ohne wirtschaftliche Ausrichtung, ergänzte Jurist Janbernd Wolfering.

Schulpflegschaftsvorsitzender Holger Heidmeyer hätte sich eine Alternative gewünscht und hat dabei auch die starke heimische Wirtschaft im Blick. Die haben laut Rybak zwar kein Interesse an einer Schulträgerschaft, wohl aber an einer Kooperation mit der Gesamtschule. Schon vor Monaten habe er von ZF und BASF in Lemförde positive Signale bekommen, Depenbrock sei bereits Partner der Sekundarschule. Gespräche mit weiteren Unternehmen sind geplant.

Eine große Sorge der Eltern betrifft die Qualität der künftigen Lehrer, des pädagogischen Konzepts und des Abiturs. Der designierte Schulleiter Volker Esch-Alsen versuchte zu beruhigen. Die Qualifikation der Lehrer werde stärker kontrolliert als an staatlichen Schulen. Da der Staat Ersatzschulen wesentlich mitfinanziere, achte er auch auf deren Qualität. Die liegt zudem auch im eigenen Interesse der INI. Überzeugt die Schule mit einem guten Konzept, so die Rechnung, dann kommen auch Schüler aus benachbarten Kommunen nach Stemwede. Dass der Verein in dieser Beziehung durchaus ehrgeizig ist, zeigt die Hoffnung Esch-Alsens auf einen dritten Zug in der Oberstufe „vielleicht schon im dritten Jahr“.

Auch der Vorwurf, übergangen worden zu sein, stand weiter im Raum. Klar formuliert wurde darum die Forderung an die Verwaltung, Eltern und die von der Entwicklung geradezu überfahrenen Lehrer in den weiteren Prozess konkret einzubinden. Das sagte Rybak zu. „Ich möchte die Lehrer auf keinen Fall zurücklassen“, versicherte er. Ein entsprechendes Votum des Rates vorausgesetzt, will die Verwaltung nach den Sommerferien einen Zeitplan vorlegen, nach dem Eltern und Lehrer beraten und in Entscheidungen eingebunden werden sollen. Heute in der Ratssitzung gehe es nur darum, die Verwaltung damit zu beauftragen, mit der INI weiter zu verhandeln, beruhigte der Bürgermeister, dass die Gesamtschule damit noch nicht endgültig besiegelt ist. Der Rat tagt ab 17 Uhr im Gasthaus Rosengarten.

Wie schon bei den vergangenen Veranstaltungen gab es nicht nur Kritik. So äußerte ein Vater Unverständnis für die wiederholten Fragen zu INI und Konzept. „Wenn man fünfmal das gleiche fragt, bekommt man deshalb keine andere Antwort. Irgendwann muss man die Fakten auch mal anerkennen.“ Rybak und Jörg Bartel machten sich „einen Kopf“ um die Zukunft der Schule, dafür müsse man dankbar sein.

Alle Fragen konnten auch an diesem Abend nicht gestellt werden. Schulamtsleiter Bartel steht aber per E-Mail an J.Bartel@stemwede.de weiter zur Verfügung. Fragen und Antworten werden auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht.

In der Regel sechs

Monate Beurlaubung

Was wird aus den Lehrern? Diese Frage beschäftigt nicht nur die Lehrkräfte selbst, sondern auch die Eltern und Schüler, die fürchten, dass die Lehrer ihre „Drohung“ wahr machen und zeitnah ihre Versetzung beantragen.

Jurist Janbernd Wolfering spricht immer wieder davon, dass den Sekundarschullehrern ein Angebot gemacht wird, in die Gesamtschule zu wechseln, dass eine beamtenähnliche Besoldung möglich ist und ihnen darum keine Einbußen drohen. Auch ihren Beamtenstatus müssten sie nicht sofort aufgeben. Sie könnten sich für fünf Jahre beurlauben lassen, testen, wie ihnen die Privatschule gefällt, und im Zweifelsfall in den Staatsdienst zurückkehren.

Ganz so einfach ist es aber nicht. Laut Schulgesetz „können“ Lehrer bis zu fünf Jahre beurlaubt werden. Aber: „Die Bezirksregierung Detmold gewährt in der Regel etwa sechs Monate Urlaub ohne Dienstbezüge zum Zweck der Dienstleistung an Ersatzschulen“, teilte Behördensprecher Andreas Moseke gestern auf Nachfrage mit.

Diese Ermessensentscheidung stehe im Einklang mit den Entscheidungen aller Bezirksregierungen im Land NRW. Dabei würden dienstliche (öffentliche) gegen die privaten Interessen des Antragsteller abgewogen. „Sie ist immer eine Einzelfallentscheidung und kann auch die Ablehnung des Freistellungsantrags umfassen.“

Wolfering hatte auch der Möglichkeit, die Sekundarschule bei zu wenige Eingangsklasse als Nebenstandort einer anderen Sekundarschule zu erhalten eine Absage erteilt. Begründung: Das sei immer nur eine Übergangslösung, und meistens gehe die Entwicklung danach in die falsche Richtung, die Schließung. Eine fundierte Beurteilung der Entwicklung ist laut Moseke noch nicht möglich, da die Schulform in NRW erst seit 2012 existiert, bisher seien aber alle bestehenden Nebenstandorte von Sekundarschulen im Regierungsbezirk erhalten geblieben.

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