Rund 275 Teilnehmer tauschen sich bei OWL-Kulturkonferenz über kulturelle Bildung und deren Herausforderung aus

Nicht länger elitär, sondern cool

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Mit der Vielfalt von Kunst und Kultur im außerschulischen Bereich beschäftigten sich die Referenten und Gastgeber in Wehdem: (v.l.) Cornelia Schöder (Kreisdirektorin), Klaus Dreyer (LWL Landesjugendamt), Antje Nören (OWL Kulturbüro), Bürgermeister Kai Abruszat, Ministerin Christina Kampmann, Marianne Thomann-Stahl (Bezirksregierung Detmold), Reinold Stücke (Regionalratsvorsitzender), Herbert Weber (Geschäftsführer der OWL-Gesellschaft) und Landrat Dr. Axel Lehmann.

Wehdem - Ein großes Lob sprach Christina Kampmann Stemwede aus. Die Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes bezeichnete die Flächengemeinde am Freitag als „Vorzeigeregion für kulturelle Bildung“ und stellte klar, dass Kultur künftig auch für Flüchtlingskinder geöffnet werden müsse. Im Rahmen der neunten OWL-Kulturkonferenz tauschten sich Vertreter verschiedener Institutionen über die aktuelle Kulturpolitik aus.

Zu der Konferenz hatte die Gesellschaft Ostwestfalen-Lippe gemeinsam mit der Bezirksregierung Detmold und dem Regionalrat nach Wehdem eingeladen. „Denn Kultur verbindet städtische Ballungszentren mit den ländlichen Regionen“, begründete Dr. Axel Lehmann als Landrat des Kreises Lippe und Vorsitzender des Fachbeirats Kultur der OWL-GmbH die Wahl des Veranstaltungsortes. Zudem engagiere sich das Life House, das mit dem Verein für Jugend, Freizeit und Kultur in Stemwede für die Organisation der Konferenz und Verpflegung der Teilnehmer verantwortlich zeichnete, seit Jahren für Kultur.

Mit rund 275 Teilnehmern aus ganz OWL zeigten sich die Akteure sehr zufrieden. „Die Veranstaltung wächst kontinuierlich und das Interesse ist eine schöne Auszeichnung“, sagte Lars Bökenkröger von der OWL-Gesellschaft zur Förderung der Region. „Kunst, Kultur und kulturelle Bildung in der Jugendarbeit“ lautete das Thema der Zusammenkunft. Denn während die Vernetzung von Schule und Kultur bereits gut gelinge, so Dr. Lehmann, müsse der außerschulische Bereich gefördert werden.

„Kulturelle Jugendarbeit soll zur Entwicklung der Persönlichkeit beitragen und jungen Menschen die Teilnahme am kulturellen Leben erschließen“, führte Professor Dr. Benedikt Sturzenhecker von der Universität Hamburg aus. Derzeit zeichne sich aber häufig ein anderes Bild ab, meinte Moderatorin Claudia Belemann, dass die Jugend kulturell oft orientierungslos sei, weil es kaum Kontakt gebe. „Kultur soll auch für junge Menschen cool sein und sich nicht elitär präsentieren“, so Belemann.

Sätze wie „Kultur ist zu hoch für mich“ dürfe es nicht mehr geben, forderte Ministerin Kampmann. „Grenzen überwinden“ und „die Zwiespältigkeit anpacken“ – darin sah Professor Dr. Susanne Keuchel, Direktorin der Akademie Remscheid, die Aufgabe der Anbieter von Kulturprojekten. Aus ihrer Sicht gibt es drei Defizite: Berührungsängste, fehlender Experimentierraum und Unterstützung.

„Kultur ist wichtig für die Entwicklung“, meinte auch Landrat Dr. Lehmann und erklärte, dass Vorurteile abgebaut und Horizonte erweitert werden müssen. Lars Schulz als pädagogischer Leiter des Life Houses appellierte an die Landesministerin: „Die kulturelle Bildung braucht Raum und Unterstützung, ein gewisses Maß an Freiheit und Planungssicherheit.“

Hinzu kommt aus Sicht der Ministerin der Nachhaltigkeitsaspekt: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Begeisterung für Kultur bei den Jugendlichen anhält – möglichst ein Leben lang.“

In naher Zukunft will sich Kampmann stärker für die Interkultur einsetzen und Flüchtlingskinder integrieren. „Wir können Brücken zwischen Menschen bauen und mehr Vielfalt schaffen“, sagte Kampmann. Dabei müssten auch neue Medien eingebunden werden.

Bislang habe die Landesregierung viele Impulse für die Jugend- und Kulturarbeit gegeben, erinnerte Kampmann und nannte beispielhaft den Kulturrucksack und das Bildungsprogramm „JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“. „Da sich 70 Prozent der kulturellen Bildung außerhalb der Schule abspielt, sehe ich Ostwestfalen auf einem guten Weg“, schloss die Ministerin ihren Vortrag. „Wir müssen den Mut haben, neue Formen auszuprobieren und dabei auch Risiken eingehen“, forderte Regionalratsvorsitzender Reinold Stücke im weiteren Verlauf.

Dass Kultur auch mit Geld zu tun hat, daran erinnerte Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat in einer Podiumsdiskussion. „Wir sollten darüber nachdenken, Kultur nicht länger als freiwillige Leistung, sondern als Pflichtaufgabe der Kommunen zu sehen“, regte er an, wohlwissend, dass die finanzielle Lage sehr angespannt sei. „Kultur darf bei den Haushaltsberatungen nicht gestrichen werden“, so Abruszat. Kultur sei wichtig für die Standortsicherung, ergänzte Kreisdirektorin Cornelia Schöder.

Nach der Mittagspause gingen die Diskussionen in fünf Foren weiter. Diese beschäftigten sich mit den Themen Netzwerken, Theaterjugendclub-Treffen, dem Kulturrucksack, der Förderlandschaft für kulturelle Bildung sowie der Anregung, Kulturschaffende als Kooperationspartner für die Jugendarbeit zu gewinnen.

Ein Wunsch, der sich schließlich bei der Abschlussrunde herauskristallisierte: eine Wiederholung des Treffens im kleineren Rahmen auf regionaler oder kommunaler Ebene. Zudem gab es erste Anstöße für neue Kooperationen, für die sich die Akteure entsprechende Räume und Personal wünschen.

abo

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