Großes Interesse an Führung über jüdischen Friedhof 

Ruhende Seelen erzählen

Am Grabstein von Ida Hurwitz (1873 bis 1932) erklärte der ehemalige Leverner Pfarrer Thomas Horst die hebräische Inschrift. Bei einer öffentlichen Führung brachte er den Interessierten die Geschichte der jüdischen Gemeinde und den Friedhof näher.

Levern - „Möge ihre Seele eingebunden sein im Bündel der Lebendigen.“ Diese Worte stehen auf dem Grabstein von Sara Hurwitz, die im Alter von 71 Jahren im Februar 1862 gestorben ist. Sie wurde als erste im nördlichen Bereich auf dem Grundstück an der Landesstraße in Levern beerdigt, wo heute 36 Grabsteine von der Existenz der ehemaligen jüdischen Gemeinde Leverns zeugen.

Das Grab von Sara Hurwitz im nördlichen Teil des jüdischen Friedhofs ist die älteste Ruhestätte der Anlage.

Moses Sauer fand rund 70 Jahre später seine letzte Ruhe ebenfalls auf dem jüdischen Friedhof. Bis 1936 haben die Mitglieder der Synagogengemeinde Levern-Wehdem ihre Angehörigen auf dem Friedhof bestattet, ab 1938 sind keine jüdischen Mitbürger mehr im Stiftsort verzeichnet, erfuhren die Teilnehmer einer öffentlichen Führung über den Friedhof am Dienstagabend. Zu dieser hatten Mitglieder des Leverner Heimatvereins gemeinsam mit dem ehemaligen Leverner Pfarrer Thomas Horst eingeladen und rund 30 Männer und Frauen waren dem Exkursionsaufruf gefolgt.

Zum Höhepunkt um etwa 1880 zählte die Synagogengemeinde Levern-Wehdem etwa 80 Personen – „heute sind mir keine Juden in Levern bekannt“, sagte Pfarrer Horst, der aber nicht nur die letzte Einrichtung der früheren jüdischen Gemeinde erklärte, die heute von der Gemeindeverwaltung gepflegt wird. Auch das Judentum an sich und deren Zeitrechnung anhand des Mondkalenders sowie die hebräischen Schriftzeichen erläuterte der Geistliche. Denn neben zehn Grabsteinen mit deutscher Beschriftung, finden sich auf der Anlage zwei mit ausschließlich hebräischen Schriftzeichen, die weiteren Steine haben deutsche und hebräische Inschriften. Einige sind allerdings schon stark verwittert und nur noch schwer lesbar. Eines haben dabei alle Steine gemeinsam: ganz unten steht der Seelen-Spruch, ganz oben stehen das hebräische „p“ und „n“ für den Ausdruck „Hier ist begraben“; darauf folgt der Name.

Im Rahmen der Geschichte des idyllischen, mit Büschen und Bäumen bepflanzten Friedhofs an der L 770, gegenüber der Gaststätte Jobusch, erinnerte Pfarrer Horst an den Kaufmann Bernhard Löwenstein. Der Leverner stiftete einst das etwa 2 000 Quadratmeter große Grundstück. Eine Synagoge wurde zehn Jahre nach dem Friedhof in der Nähe seines Wohnhauses an der Hügelstraße errichtet. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Synagoge in ein Wohnhaus umgebaut“, so Pfarrer Horst zur Historie.

Bis heute bleibt der Begriff „Löwenburg“ für die einstige Stiftskurie Vincke. Diese Bezeichnung geht auf den Kaufmann Löwenstein zurück, der dort sein Zuhause hatte.

Auch wenn es den jüdischen Friedhof nach wie vor gibt, in seiner ursprünglichen Form ist er nicht mehr erhalten, führte Pfarrer Thomas Horst weiter aus. Denn in den 1930er-Jahren erwarb ein Landwirt das Anwesen und entfernte rund 20 Grabsteine. Diese wurden nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgestellt, „allerdings nur aus dem Gedächtnis heraus“. Ob die 36 Gräber also wirklich so angelegt waren, wie man sie heute auf dem dem dauerhaft geöffneten Friedhof vorfindet, sei fraglich, so der Geistliche, der sich für die öffentliche Führung entsprechend mit einer Kippa, der typischen jüdischen Kopfbedeckung, ausgestattet hatte. 

abo

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