Bürgermeister Abruszat warnt vor unüberlegten Schnellschüssen

INI plant keine Gesamtschule mehr in Stemwede

Der private Träger INI hat kein Interesse mehr an der Stemweder-Berg-Schule in Wehdem. - Archivfoto: Bokelmann

Stemwede - Von Melanie Russ. Eine Gesamtschule in privater Trägerschaft der Initiative für Jugendhilfe, Bildung und Arbeit (INI) wird es in Stemwede definitiv nicht geben. Die Entscheidung gegen die Gemeinde Stemwede ist laut Thomas Assmann, Leiter des Bildungsbereichs des Vereins, in einer Vorstandssitzung am Mittwoch gefallen.

Im Frühjahr vergangenen Jahres waren die damals umstrittenen Pläne für eine private Gesamtschule bekannt geworden. Vor einigen Wochen lag das Projekt zunächst auf Eis, nachdem die Bezirksregierung Detmold diverse Mängel in den Antragsunterlagen der INI konstatiert und für das nächste Schuljahr keine Genehmigung in Aussicht gestellt hatte. Nun fiel die Entscheidung, keinen erneuten Anlauf zu unternehmen.

Als wesentliche Begründung nennt Assmann die enge Kooperation mit der Stemweder Gemeindeverwaltung, die er von Anfang an als sehr wichtig bezeichnete, die aber eben auch ein Kernkritikpunkt der Bezirksregierung ist, die darin die gesetzlich geforderte Trennung von öffentlicher Hand und Privatschule unterwandert sieht.

Mit der Gemeindeverwaltung hatte die INI einen verlässlichen Partner und klare Rahmenbedingungen. Zwar könnte sich der private Träger alternativ den Aufbau einer Gesamtschule in Kooperation mit den Eltern des Stammtisches pro Gesamtschule vorstellen, die die INI-Vertreter gut kennen. Wegen der großen Entfernung zu Stemwede wäre es laut Assmann aber schwer einzuschätzen, welche Forderungen in Zukunft auf den Träger zukommen könnten.

Bürgermeister Kai Abruszat hält sich mit einer Bewertung der INI-Entscheidung zurück. Das sei allein Sache des Trägers. Zugleich warnt er vor unüberlegten Schnellschüssen in Sachen Schulentwicklung. Er werde jetzt keine hektische, proaktive Suche nach einem neuen privaten Träger starten, stellt er klar. Abruszat setzt bei der weiteren Schulentwicklungsplanung ausdrücklich auf einen dialogorientierten Prozess unter Beteiligung aller Interessengruppen. Dieser Ansatz habe sich in anderen Bereichen, etwa beim Brandschutzbedarfsplan bewährt, so der Bürgermeister.

Zunächst gehe es nun darum, das gemeinsame Ziel zu definieren, das aus seiner Sicht nur heißen kann, in Stemwede langfristig ein weiterführendes Schulangebot zu sichern. Dabei könne sich die Gemeinde nicht allein auf das staatliche Angebot verlassen, es sei denn, das Land reduziere die erforderliche Mindestschülerzahl. Hinweise darauf sieht Abruszat derzeit allerdings nicht.

Zwar bedauert er die Entscheidung der INI, es sei aber gut, dass man jetzt Klarheit habe. Zudem habe das Genehmigungsverfahren gezeigt, dass eine private Gesamtschule in Stemwede grundsätzlich möglich ist.

Auch für die Mitglieder des Elternstammtisches die Gesamtschule nicht vom Tisch. „Es ist sowohl für unsere Kinder als auch für Stemwede wichtig, dass es weiter geht“, sagt Ulrich Kettler. „Die staatliche Sekundarschule ist hochgradig gefährdert“, will er sich nicht auf die Hoffnung verlassen, dass das Land die Mindestschülerzahl senkt.

Die staatlichen Schulen im Umland hätten genügend Kapazitäten, um die Stemweder Schüler aufzunehmen und die Bezirksregierung rechne knallhart, rechnet er langfristig mit einer Schließung der Sekundarschule. Die Eltern bleiben darum dran und diskutieren am Mittwoch, 8. Juni, ab 19.30 Uhr im Life House in Wehdem über Möglichkeiten, in Stemwede doch noch eine private Gesamtschule zu installieren.

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