Pastor Jackson Kanyiginya aus Tansania zu Gast beim Kirchenkreis Lübbecke

Partner können viel voneinander lernen

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Freuen sich über den Austausch (v.l.): Pastor Jackson Kanyiginya, seine Frau Victoria und Gastgeberin Andrea Schäffer. Die Bilder in ihren Händen zeigen, wie viel bei Gottesdiensten im tansanischen Bezirk Bweranyange los ist.

Oppenwehe/Lübbecker Land - Von Katharina Schmidt. Tausende Kilometer, unterschiedliche Lebensstandards und ein anderer Umgang mit Religion trennen Christen im Lübbecker Land von Menschen gleichen Glaubens in Bweranyange, einem Distrikt im Norden Tansanias. Doch was sie seit 35 Jahren verbindet, ist eine Partnerschaft des Kirchenkreises Lübbecke und der Karagwe-Diözese der evangelischen Kirche Tansania. Um diese Partnerschaft zu stärken, besucht der tansanische Pastor Jackson Kanyiginya (62) derzeit mit seiner Frau Victoria Freunde im Mühlenkreis.

Bis Sonntag waren die Afrikaner zu Gast bei Familie Schäffer aus Oppenwehe, nun sind sie in Oppendorf. Eine weitere Stationen ist in Wehe, bevor es nach Dänemark geht.

Die Lebensstandards in Deutschland und Tansania unterschieden sich sehr, berichtet Jackson Kanyiginya im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Pastor des Distrikts Bweranyange war schon mehrere Male in Deutschland. Das Land sei reich, schildert er seinen Eindruck in fließendem Englisch. Straßen wie hier gebe es in Tansania nicht, ergänzt er und deutet auf die Tielger Allee in Oppenwehe.

Auch im Umgang mit Religion gebe es Unterschiede, erklärt Kanyiginya und schweift zu geschichtlichen Fakten ab: Die Kirche in Deutschland gebe es seit tausenden Jahren. In seinem Distrikt feiere die Karagwe-Diözese hingegen bald erst 100-jähriges Jubiläum. Sie sei ein Produkt der Bethel Mission, eine ehemalige deutsche Missionierungsgesellschaft. Auch wenn die Deutschen mit dem Christentum auf etwas mehr Erfahrung zurückblicken, können sie laut Andrea Schäffer, Presbyterin in Oppenwehe und eine von drei Vorsitzenden im Partnerschaftsausschuss des Kirchenkreises Lübbecke, einiges von den Christen in Tansania lernen. In Deutschland sei bei vielen „nicht mehr so der Funke drin“, bedauert sie.

Die Presbyterin war zuletzt im Jahr 2013 in Tansania. Wenn sie von den Gottesdiensten dort erzählt, gerät sie ins Schwärmen. Hunderte Menschen kämen dort zusammen, um gemeinsam zu singen, zu lachen und zu musizieren. Die Gottesdienste dauerten drei bis vier Stunden und stellten den Lebensmittelpunkt der Menschen dar. Die Zusammenkunft sei wichtig für den Austausch, da es im Distrikt weder Zeitung noch Fernsehen gebe. Pastor Kanyiginya bestätigt, dass in seinem Land viel mehr Menschen den Gottesdienst besuchen als in Deutschland. Tendenz steigend.

„Sie leben als Christen“, beschreibt er die Einstellung seiner Gemeindeglieder. Wenn man sie mitten in der Woche spontan zu einem Gottesdienste einladen würde – sie würden kommen, ist er sich sicher. Menschen, die nicht beim Gottesdienst waren, spreche er persönlich an. „Die gehen dem nach“, hat auch Schäffer bei ihrer Tansania-Reise beobachtet. In Deutschland sei Glauben eher Privatsache, ist ihr Eindruck.

Laut der Oppenweherin liebäugelt der Kirchenkreis mit der Idee, mehr Menschen aus Tansania an deutschen Gottesdiensten teilhaben zu lassen, um die Zusammenkünfte zu beleben. Zudem sei ein Jugendaustausch für das Jahr 2016 geplant. Das Ziel: Junge Menschen sollen die jeweilige Lebenssituation besser einschätzen können.

Um ihre Partnerschaft aufrechtzuerhalten, besuchen sich Mitglieder des Kirchenkreises Lübbecke und der Karagwe-Diözese, telefonieren, schreiben E-Mails und veranstalten gemeinsame Gottesdienste. Zudem unterstützt der Kirchenkreis die Menschen in Tansania mit Spenden (siehe Infokasten).

Beim jüngsten Besuch der Familie Kanyiginya stehen unter anderem Treffen mit dem Partnerschaftskomitee des Kirchenkreises, Gottesdienste und Besuche in Schulen sowie im Klimahaus Bremerhaven auf dem Programm. Bei all dem soll auch der Austausch über gemeinsame Projekte nicht zu kurz kommen. Denn laut Kanyiginya kann man von Deutschen lernen, Projekte zu planen und umzusetzen.

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