Oppenweher Laienspielschar läuft bei Premiere zu Höchstleistung auf

„Titanic“ wird zum Tollhaus

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Elvira (Michaela Spreen) findet durchaus Gefallen an Bordell-Betreiber Josef Schaffernicht (Karl-Heinz Bollmeier).

Oppenwehe - Von Melanie Russ. Ein Freudenhaus im Dorf? Hermann Finkenstädt (Dirk Priesmeier) hat nichts dagegen – solange er durch den Verkauf der seit 150 Jahren im Familienbesitz befindlichen Gaststätte „Titanic“ seine Spielschulden los wird und seine Frau Elvira (Michaela Spreen) nichts von den Plänen des windigen bayerischen Geschäftsmanns Josef Schaffernicht (Karl-Heinz Bollmeier) mitbekommt. Und wer weiß, vielleicht kann Hermann ja mal vorbeischauen in dem Etablissement, das nun in der „Titanic“ eröffnet wird.

Natürlich fliegt das Geheimnis auf, sobald die leichten Mädchen, in deren Fänge um ein Haar sogar Pfarrer Nackenhorst (Stephan Köllner) gerät, vor dem Bordell auf Kundenfang gehen. Nicht nur Elvira fällt beim Nachbarschaftsbesuch am Eröffnungstag aus allen Wolken. Deren Freundin Gabriele Sander (Kathrin Nagel), die mit ihrer Frauengruppe just einen Swinger-Club im Ort verhindert hat, bläst sofort wieder zum Angriff. Denn seit ihrer Scheidung hat sie für Männer und deren Bedürfnisse nicht viel übrig.

Elvira hingegen ist von dem maskulinen Schaffernicht durchaus angetan. Sein unmoralisches Angebot, zu einem Sonderpreis versteht sich, lehnt sie zunächst natürlich entrüstet ab, kommt dann aber doch ins Grübeln. Eine Abwechslung zu ihrem Hermann wäre es ja mal...

Was sie und alle anderen im Ort nicht ahnen: Die jüngste Entwicklung ist ein abgekartetes Spiel, hinter dem ausgerechnet die vermeintlich geistig verwirrte Oma Rosa Finkenstädt (Annette Köllner) steckt, die gemeinsam mit ihrem Neffen Ronny (Henrik Pieper), dessen Freundin Angela (Ina Büttemeier) und ihrer Cousine Tina (Iris Staas-Johann) alles daran setzt, dass die „Titanic“ in Familienbesitz bleibt. Ob das gelingt und wie Josef Schaffernicht ins Bild passt, wird an dieser Stelle nicht verraten. Schließlich gibt es noch weitere Vorstellungen von „Dei Titanic draff nich ünnergohn“, die Freunde der plattdeutschen und frivolen, aber nicht übermäßig derben Komödie auf keinen Fall verpassen sollten.

Theaterstück "Dei Titanic draff nich ünnergohn"

Denn die Oppenweher Laienspielschar sprüht in diesem Jahr wieder einmal vor Spielfreude. Allen voran Annette Köllner, die die Oma Rosa mit ihren verrückten Attacken, in denen sie sich für Rose aus dem Film Titanic hält, grandios verkörpert. Karl-Heinz Bollmeier, den man sonst eher in grüner Schützenjacke oder Müllerstracht kennt, stellt unter Beweis, dass er auch in schwarzer Lederhose mit Goldkettchen und „Brillanten“ im Ohr eine gute Figur macht und neben plattdeutsch sogar bayerisch kann.

Kathrin Nagel dreht als Gabriele Sander erst so richtig auf, als sie erfährt, welche Art von Dienstleistung neuerdings in der „Titanic“ angeboten wird. Wenn sie Hermann Finkenstädt, Pastor Nackenhorst oder Bordellbetreiber Schaffernicht an den Kragen gehen kann, ist sie voll in ihrem Element.

Einfach grandios ist Andreas Spreen als reichlich verklemmter Wilfried Spekker, der „nur mal gucken“ will, dann aber in die Fänge der aufreizenden Tina gerät. „Ein Anfänger!“, stellt sie mit messerscharfem Blick fest, findet aber trotzdem nicht nur professionelles Gefallen an ihm. Gemeinsam sorgen Spreen und Iris Staas-Johann für einige der komischsten Szenen des Stücks, bei denen die Premieren-Zuschauer im ausverkauften Saal von Meiers Deele im wahrsten Sinne des Wortes Tränen lachten.

Einen gelungenen Einstand feierte Henrik Pieper, der bei seinem ersten Auftritt keine Nervosität zeigte und sich perfekt in die Riege seiner erfahrenen Kollegen einreihte. Gleiches gilt für Ina Büttemeier, die ihre zweite Saison spielt.

„Wir sind immer froh, wenn wir neue junge Schauspieler finden“, sagt Regisseurin Elisabeth Meier. „Wir sind schon stolz darauf, dass wir wieder alle Rollen in unserem Stück besetzen konnten.“ Seit August haben die Laienspieler geprobt, damit bei der Premiere alles glatt über die Bühne geht. Wenn es doch mal etwas hakt, hilft Souffleuse Andrea Melcher mit dem richtigen Stichwort weiter. Die Technik hat Alfred Melcher im Blick. Daneben helfen in den Pausen des etwa dreistündigen Dreiakters viele fleißige Hände beim Bühnenumbau.

Die weiteren Termine: Freitag, 13. November, mit Pickertessen ab 18 Uhr (Aufführung 19.30 Uhr); Sonnabend, 14. November, 19.30 Uhr; Sonntag, 15. November, mit Kaffeetrinken ab 14 Uhr und Abendvorstellung ab 19.30 Uhr; Freitag, 20. November, mit Entenessen ab 18 Uhr (Aufführung 19.30 Uhr); Freitag, 27. November, 19.30 Uhr. Anmeldung bei Meiers Deele unter Telefon 05773/209 oder per E-Mail an MeiersDeele@t-online.de.

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