Musikkabarettisten präsentieren Jubiläumsprogramm im vollen Life House

Wortwitzige Reise durch 20 Jahre „Künstler-Ehe“

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Stefan Klucke (l.) und Dirk Pursche nahmen als Duo „Schwarze Grütze“ in erster Linie ihre eigenen Künstler-Egos auf Korn, als sie nun bereits zum dritten Mal im ausverkauften Life House auftraten.

Wehdem - Von Mareile Mattlage. Umarmungen, Blumen, Herzlichkeiten, dann plötzlich Hohn und Spott, Vorwürfe und giftiges Gezicke: Was den rund 80 Gästen im ausverkauften Life House in Wehdem vom Duo „Schwarze Grütze“ geboten wurde, erinnerte oftmals eher an die Szenen einer Ehe als an ein klassisches Musikkabarett – und entpuppte sich als clever inszeniertes „Best-of“-Programm, in dem nicht etwa Politiker oder Stereotype à la Veganer und Yoga-Frauen, sondern die Künstler-Egos aufs Korn genommen wurden.

Der eine ganz in schwarz gekleidet, Pianist und Ex-Punk, mag es eher kritisch und anspruchsvoll. Der andere Liedermacher und Kindermusical-Komponist, mit knallroten Lackschuhen optisch aufgepeppt, möchte gefallen, einfach mal Spaß haben, ein bisschen rumblödeln, die Leute zum Lachen bringen. So die Skizzierung der Rollen, welche die gebürtigen Potsdamer Stefan Klucke und Dirk Pursche in ihrem aktuellen Jubiläumsprogramm „Das Besteste!“ spielen.

Damit offenbaren die beiden Künstler, die sich Anfang der 90er-Jahre während des Musikstudiums kennenlernten, zweierlei: Zum einen ihre eigenen Eitelkeiten. Zum anderen eben jene Stimmen, die mutmaßlich im Kopf eines jeden Künstlers gegeneinander anreden – sollte man auf Anspruch und Niveau oder doch lieber auf kommerziellen Erfolg und Mainstream setzen und wo liegt ein guter Mittelweg?

Ähnlich vielschichtig wie diese fast schon an ein Kammerspiel erinnernde Inszenierung gestaltete sich das gesamte Programm des wortwitzigen Musikkabarett-Duos, das als eine Reise durch 20 Jahre „Bühnenunwesen“ daherkam und auf Grundlage einer Online-Abstimmung die Lieblingslieder ihrer Fans präsentierte.

Was im ersten Moment manchmal fast albern und kindisch wirkte, offenbarte sich als bitterböser Seitenhieb oder pechschwarze Gesellschaftssatire. So etwa das „Hochhauslied“ über einen Suizidversuch, der zum medialen Großereignis wird, oder der „Ritalin“- Song über den ADHS-Dennis. Häufig lebten Klucke und Pursche, dessen Erstlingswerke in den 80er-Jahren übrigens der DDR-Zensur zum Opfer fielen, aber auch einfach nur ihre unbändige Freude an Sprache und Musik aus, hauten in die Pianotasten und Gitarrensaiten, spielten Blockflöte, pfefferten sich Wortwitze um die Ohren und trieben sich bei Alliterationsspielereien gegenseitig derart an, dass es an ein Wunder grenzte, dass sich ihre Zungen nicht verknoteten.

Wenn sich der quirlige Liedermacher Pursche nicht gerade mit einem Kamm über die Glatze fuhr, trug er zweideutig beschriftete Demo-Plakate über die Bühne oder sagte im Weihnachtsmann-Mantel Gedichte auf. Pianist und Ex-Punk Klucke hielt es hingegen minimalistisch und funktionierte beim Sketch „Die Lache des Chinesen“ kurzerhand ein Schlagzeug-Becken zum Asia-Hut um. Auch aus seinem im Oktober erscheinenden Buch „Blutvergiftung“ las er vor. Diese Zeit nutzte Pursche, um erstmal rauchen zu gehen.

Mit der Einladung der Wort- und Musik-Genies hat der Verein für Jugend, Freizeit und Kultur in Stemwede (JFK) den Kulturherbst mit einem Komik-Kracher eröffnet und Lust auf mehr gemacht. Das Duo „Schwarze Grütze“ gastierte schon zum dritten Mal im Life House und hat bestimmt nichts gegen einen vierten Besuch. Oder, um es in ihren Worten zu sagen: „Das Besteste kommt erst noch!“

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