Lesung im Wehdemer Heimathaus

Minderjährige trifft auf Wolf ohne festen Wohnsitz

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Achim Amme hatte zauberhafte Märchenparodien mit ins Heimathaus gebracht.

Wehdem - Von Heidrun Mühlke. Perfekt war das Ambiente allemal. Düster, romantisch, vielleicht sogar einen Hauch geheimnisvoll: Mit dem Wehdemer Heimathaus hätte der Stemweder Kulturring den Ort für eine Märchenstunde der etwas anderen Art kaum besser wählen können. Am Freitagabend schlug Achim Amme dort das Märchenbuch auf.

Wer aber nun verträumte Märchen-Nostalgie erwartet hatte, der musste sich eines Besseren belehren lassen und machte Erfahrungen mit einer rundweg neuen Märchenwelt. Ammes Lesung unter dem Motto „Rotkäppchen & Co“ riss die Besucher immer wieder zu spontanen Lachern hin. Meisterhaft gab er den Märchenerzähler mit uriger Gestik und Mimik, die allein das Zusehen schon zum Hochgenuss machte. Mit dem eher unbekannten Schwank aus der Feder der Gebrüder Grimm „Das Büerle“ eröffnete Amme den Abend. Ein Bauer, der es mit Gewitztheit zu großem Reichtum bringt, stand im Kontrast zu der Parabel „Der alte Großvater und der Enkel“. Schauerlich war die Geschichte um das eigensinnige Kind, das selbst im Grab keine Ruhe findet.

Den Wettlauf zwischen Hase und Igel gab Amme in plattdeutsch wieder. Waren die Zuhörer bislang mit einem Schmunzeln ausgekommen, zückten sie spätestens beim Rennen des Langohrs und des Schwinegels in der Ackerfurche das Taschentuch, um die Lachtränen aus den Augenwinkeln zu wischen.

„Der faule Heinz“ in einer Fassung von Janosch erzählte die Geschichte vom arbeitsscheuen Heinz, der die nicht minder faule Nachbarstochter Trine heiratet. Und auch Amme hatte es sich gemütlich gemacht, die Beine auf den Tisch gelegt, um sich wie die beiden Protagonisten unnötige Anstrengungen zu ersparen.

Aus eigener Feder brachte der Autor „Ammes Märchen“ unter die Zuhörer. Moderne Lyrik in Kurzform wie „Schmerzschreiwald“, „Doppelt belichtet“ oder „Der Eremit der Neuzeit“ ließen mit großartig ausgefeilten Wortspielereien und einer guten Portion Zweideutigkeit in zeitgemäße Begebenheiten eintauchen.

Köstlich amüsierten sich die Märchenwilligen bei den Variationen rund um Rotkäppchen – sei es in der Krimi-Fassung des amerikanischen Humoristen James Thurber oder in staubtrockener Behördensprache von Thaddäus Troll, in der die hierorts wohnhafte Minderjährige auf einen Wolf ohne festen Wohnsitz trifft, als sie der pflegebedürftigen Großmutter eine Sendung von Nahrungs- und Genussmitteln zu Genesungszwecken zustellen will. Gleichermaßen für Erheiterung sorgte das brave Mädchen mit der roten Kopfbedeckung als voll relaxte Szenebraut mit Henna-rotgefärbten Haaren, die sich als wolfmordendes Girlie entpuppt, als sie auf dem Weg zur Land-WG ist.

Auch nach eineinhalb Stunden zauberhafter Märchenparodien wollten die Zuhörer Amme nicht gehen lassen. Der erfüllte den Wunsch nach Zugabe gerne und beendete den Abend in allerbester Ringelnatz-Marnier, bevor er augenzwinkernd die „überflüssige Fischbrut“ nach Hause schickte.

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