Mindener Stichlinge feiern in Wehdem ihre „Goldene Hochzeit“

Verliebt wie am ersten Tag

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Auch im 50. Jahr auf der Bühne sticheln die Mindener Stichlinge in bewährter Weise.

Wehdem - Von Sonja Rohlfing. Nach 50 Jahren Partnerschaft ist unter so manchen Eheleuten der Gesprächsstoff ausgegangen. Nicht so bei den Mindener Stichlingen. Gut aufgelegt, das Herz für das Kabarett nach wie vor am richtigen Fleck, machten sie gewohnt bissig und humorvoll vor keinem Thema halt. Mit ihrem Programm zum 50-jährigen Bühnenjubiläum begeisterten die Amateurkabarettisten auf Einladung des Stemweder Kulturrings in der Begegnungsstätte Wehdem.

Der Titel des Programms „Goldene Hochzeit – verliebt wie am ersten Tag“ ist vor allem eine Hommage an die Zuschauer. „Wir sind verliebt wie am ersten Tag in unser Publikum“, betont Gründer, Regisseur und Manager Birger Hausmann. Und das Publikum liebt seine Stichlinge. Über 200 Besucher wollten sie in Wehdem sehen. „Das ist ein tolles Ergebnis“, freut sich Wilhelm Brüning, Kulturring-Vorsitzender. „Der Saal ist voll. Die Familie ist größer geworden“, stellt ebenfalls sein Vize Claus-Michael Hacker erfreut fest.

Die „große Familie“ erlebte während der nächsten zwei Stunden neben einer Rückschau auf 50 Jahre Amateurkabarett auch viele neue Stücke. Die aktuellen politischen Themen bieten genügend Stoff dafür. So sticheln Rolf Berkenbrink, Kirsten Gerlhof, Birger Hausmann, Annika Lindemann und Frank Oesterwinter, begleitet von Stephan Winkelhake am Klavier, gegen Kanzlerin, Kabinett, Rechtspopulisten, das „fragile Konstrukt“ Europa und „genmanipulierte Politbrennnesseln“ in Deutschlands Nachbarländern. „Jeder macht, was er will. Das ist Europa.“

Überraschenderweise haben selbst viele alte Stücke nichts an Aktualität eingebüßt, wie die „Berliner Kakophoniker.“ Entstanden ist der Text über das Regierungs-Streichorchester schon 1994. Etwas überarbeitet und mit neuer Besetzung passt er bis heute, finden die Stichlinge. Schräge Töne und „Querflöten“ gebe es in der Politszene nach wie vor. Aber auch dem Publikum wurde der Spiegel vorgehalten. Der Mensch wolle ja durch die Politik gegängelt werden.

In den Blick nahm Deutschlands ältestes, aktives Amateurkabarett außerdem die Auswüchse der globalisierten und total vernetzten Welt, das Gesundheitssystem, die Sparpreise der Deutschen Bundesbahn und die Waffenindustrie („Wir haben nix gemacht“). Man könne sich Dinge wie den Klimawandel auch schönreden. „Beim Anstieg des Meeresspiegels wird der Stemweder Berg die größte Badeinsel.“ Zur gelungenen Melange gehörten ferner Stücke wie „Moderne Ernährung“ oder der „Dialog mit der Jugend“. Und immer wieder Angie, das „Über-Ich“ oder „ich bin der Stern, der meinen Namen trägt“.

„Aber schön war die Zeit doch“, resümieren die Akteure zum Jubiläum. „Mit uns wird es bestimmt weitergehen, ein Ende ist noch lang nicht abzusehen“, verspricht das Team um Regisseur Birger Hausmann und Co-Regisseur Jürgen Juchtmann. Die weiteren Termine gibt es auf der Internetseite der Kabarettgruppe.

www.kabarett-stichlinge.de

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