Rahe und Post machen sich vor Ort Bild von Flüchtlingssituation in Stemwede

Mehr Unterstützung von Bund und Land nötig

Bürgermeister Kai Abruszat (v.l.) und SPD-Landtagsabgeordneter Ernst-Wilhelm Rahe besuchten gemeinsam mit Übersetzer Mohammed Abubaker, der ehrenamtlichen Helferin Britta Brinkmann, Vermieterin Ursula Richter und Ordnungsamtsleiter Werner Bahnemann die syrische Flünchtlingsfamilie Abdulwahid in Levern.  - Foto: Russ

Stemwede - Von Melanie Russ. Familie Abdulwahid hatte Glück. Nach der Flucht aus ihrer syrischen Heimat hat sie in Levern ein vorläufiges neues Zuhause gefunden. Die achtköpfige Familie hat es dabei besser getroffen als manch anderer Flüchtling, denn sie muss ihre Wohnung nicht mit anderen teilen. Die Ruhe tut der Familie gut, denn sie hat nicht nur mit sechs Kinder die schwere Flucht auf sich genommen, zwei der sechs Kinder haben schwere Behinderungen. Gestern erhielt die syrische Familie Besuch von Bürgermeister Kai Abruszat, dem SPD-Landtagsabgeordneten Ernst-Wilhelm Rahe und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Achim Post.

Die beiden Sozialdemokraten bereisen seit zwei Jahren alle elf Kommunen im Kreis Minden-Lübbecke, um sich über die Unterbringung der Asylbewerber und die damit verbundenen Wünsche und Sorgen der Kommunen zu informieren. Dass die Zahl der Flüchtlinge steigen würde, sei damals bereits absehbar gewesen, begründet Post die Initiative. Mit den aktuellen Zahlen habe allerdings niemand gerechnet. Beide versichern, in Bundes- und Landtag für mehr Unterstützung für die Kommunen zu werben. Im Landtag werde derzeit in fast allen Ausschüssen über den Integrationsplan NRW diskutiert, berichtet Rahe. Er soll die Integration vor allem auch im ländlichen Raum unterstützen. Post erwartet mehr finanzielle Unterstützung vom Bund. „Der Anteil des Bundes an den Flüchtlingskosten ist zu gering.“ Er müsse auf 50 Prozent steigen. „Das können Länder und Kommunen nicht alleine lösen“, so Post.

Bislang sind die Kommunen bei der Flüchtlingsunterbringung wesentlich auf ehrenamtliche Helfer angewiesen – und auf Menschen, die der Gemeinde leerstehende Wohnungen zur Verfügung stellen, so wie Helmut und Ursula Richter. Das Ehepaar ist Eigentümer des Hauses, in dem seit Oktober die Familie Abdulwahid wohnt. Ein besseres Angebot hätte die Verwaltung kaum bekommen können. „Das Ehepaar Richter hat die Wohnung komplett neu eingerichtet. Wir mussten nur noch ein paar Betten reinstellen“, berichtet Ordnungsamtsleiter Werner Bahnemann.

Unterstützung finden die Syrer beim Arbeitskreis Asyl. Ein Teil der Familie lernt bereits fleißig Deutsch – der erste und wichtigste Schritt zur Integration. Die drei jüngsten Kinder besuchen die Grundschule, ein älteres Kind die Stemweder-Berg-Schule. Ein weiteres Kind hat an einem Sprachkursus der VHS teilgenommen. Es sei beeindruckend, wie schnell die Kinder die neue Sprache lernten, sagt Britta Brinkmann, die sich um die Familie kümmert. Nun gehe es darum, dass auch die Eltern Deutsch lernten. Bei den Männern sei das kein ganz großes Problem, bei den Frauen schon eher, so Brinkmann. „Die Frauen müssen sich ja um die Kinder kümmern. Die Rollen sind da ganz klar verteilt.“

Für die beiden Kinder mit Behinderungen steht die medizinische Hilfe im Vordergrund. Beide haben bereits mehrere Arztbesuche hinter sich. Das nahezu taube Mädchen wird wahrscheinlich in Kürze ein Hörgerät implantiert bekommen, für das Kind mit mehrfachen Behinderungen regte Rahe einen Kontakt zur Lebenshilfe Lübbecke an, damit es möglichst früh größtmögliche Förderung erhält.

Bürgermeister Kai Abruszat begrüßte das Interesse der beiden Sozialdemokraten, mit denen er sich vor dem Besuch der Flüchtlingsfamilie auch über andere Themen wie Straßenbau und Breitbandversorgung ausgetauscht hatte. „Es ist wichtig, einen kurzen Draht nach Düsseldorf und Berlin zu haben“, weiß Abruszat. Er freue sich, dass Rahe und Post die Integrationsbemühungen der Gemeinde Stemwede würdigen. „Wir werden auch künftig auf Unterstützung angewiesen sein.“ In den „Türkei-Deal“ setzt Abruszat nicht die größten Hoffnungen. „Es wird sich zeigen, ob er hält.“

Aktuell (Stand 31. März) leben in Stemwede 331 Flüchtlinge. Die nächsten Zuweisungen erwartet Bahnemann im April.

Mehr zum Thema:

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Warschau will neuen Glanz für Praga

Warschau will neuen Glanz für Praga

UN: Zahl der Syrien-Flüchtlinge übersteigt 5-Millionen-Marke

UN: Zahl der Syrien-Flüchtlinge übersteigt 5-Millionen-Marke

Müntefering zur Türkei: "Der Angriff trifft nicht nur mich"

Müntefering zur Türkei: "Der Angriff trifft nicht nur mich"

Meistgelesene Artikel

Auto kippt in Bad Oeynhausen nach Kollision auf die Seite

Auto kippt in Bad Oeynhausen nach Kollision auf die Seite

20-Jähriger befestigt Blaulicht an Auto und wird von Polizisten gestoppt

20-Jähriger befestigt Blaulicht an Auto und wird von Polizisten gestoppt

Motorradfahrer bei Unfall schwer verletzt

Motorradfahrer bei Unfall schwer verletzt

Auto stößt mit Linienbus zusammen - vier Verletzte

Auto stößt mit Linienbus zusammen - vier Verletzte

Kommentare