Marlen Wolff unterrichtet im Life House „Überlebens-Deutsch“ für Flüchtlingsfrauen / Weitere Kurse im Life House und mobil

Hindernisse einer neuen Sprache

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Marlen Wolff (2.v.r.) engagiert sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Bei dem Minimaldeutschkursus im Life House bringt sie den Flüchtlingsfrauen erste Grundbegriffe bei.

Wehdem - Die Frauen und ihre Töchter reden wild durcheinander, haben viele Fragen und möchten in kurzer Zeit möglichst viel lernen. Für Marlen Wolff ist es da nicht einfach, den Überblick zu behalten. Die 21-Jährige gibt den Asylbewerber-Frauen im Life House in Wehdem Deutschunterricht und lernt dabei auch das ein oder andere Wort Arabisch.

Die Wehdemerin studiert in Osnabrück Germanistik und Theologie und hat seit längerem Kontakt zum Life House. Bislang hat sie dort Nachhilfe für Schüler gegeben, jetzt engagiert sie sich ehrenamtlich für Flüchtlinge. Da die Frauen kaum Vorkenntnisse haben, ist die Kommunikation im Kurs, bei dem die Teilnehmerinnen zwischen fünf und 40 Jahren alt sind, gar nicht so einfach – Vieles läuft über Zeigen. „Die Frauen können lediglich Wörter, die sie im Dorf aufgeschnappt haben“, sagt Wolff. Dazu gehören Begriffe wie hallo, Apotheke und einige Lebensmittel.

Aber das Interesse, die deutsche Sprache zu lernen, ist sehr hoch. Während die Kinder zum Teil schon ganz gut mit den Vokabeln zurecht kommen, sind die Ausdrücke für die Mütter nicht immer leicht. „Zuhause ist sie meine Lehrerin“, sagt eine Teilnehmerin des Minimalkurses, zwar im gebrochenen, aber durchaus verständlichen Deutsch. Eine andere Frau ist ihr schon um ein paar Seiten im Arbeitsheft voraus. „Ihr Mann erzählt ihr immer von seinen Kursbesuchen und hilft ihr“, vermutet Wolff.

Die Studentin nutzt das Arbeitsheft „Deutschkurs für Asylbewerber nach dem Thannhauser Modell“. Zwölf Themen werden darin auf illustrierten Seiten behandelt und vermitteln erste Sprachkenntnisse. Damit können die Flüchtlinge einfache Begriffe lernen und sich in der Umgebung zurechtfinden. Im Vordergrund steht die Aussprache, nicht die Grammatik oder Rechtschreibung – sozusagen „Überlebens-Deutsch“ für den Alltag.

Beim zweiten Treffen der Frauen am Freitagnachmittag ging es unter anderem um die Wochentage, das Alphabet und Farben. Dabei wurden auch Schwierigkeiten deutlich. Deutsch birgt mit seinen Buchstabenkombinationen und den Umlauten einige Hindernisse: Das Wort „Küche“ bereitete den Frauen beispielsweise große Probleme, da sie weder das „ü“ noch das „ch“ aus ihrem Wortschatz kennen.

Zum Abschied rufen die Frauen aus dem Irak aber „Tschüss“ und „auf Wiedersehen“. Denn sie wollen auch in der nächsten Woche wieder in der Gruppe zusammensitzen und gemeinsam lernen.

Zusätzlich zu dem Kursus, den Wolff am Freitag von 15 bis 16 Uhr gibt, bieten Anette Kröger und Alfred Töpper montags weitere Termine (17 bis 18 Uhr sowie zweimal 18.30 bis 19.30 Uhr) an. Dann sind auch die Männer eingeladen, sich mit der Sprache ihrer neuen Heimat zu befassen. Weitere Ehrenamtliche sorgen mit mobilen Kursen dafür, dass die Flüchtlinge in anderen Ortschaften das Angebot nutzen können.

abo

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