Marianne Kleine aus Destel lebt seit zehn Jahren mit der Diagnose COPD

Wenn die Luft nicht reicht

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Marianne Kleine ist im Alltag auf ihr Beatmungsgerät angewiesen, weil ihre Lunge sonst nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Destel - Von Anika Bokelmann. Marianne Kleine fühlte sich schlapp und bekam beim Laufen immer häufiger schlecht Luft. „Ich hatte oft das Gefühl, ohnmächtig zu werden“, beschreibt die Destelerin die Symptome, die sich vor mehr als zehn Jahren bei ihr einstellten. In der Karl-Hansen-Klinik in Bad Lippspringe, einem Krankenhaus für Hals-, Nasen- und Ohrenbeschwerden, fanden die Ärzte schließlich die Ursache für ihre Kurzatmigkeit: Marianne Kleine leidet an COPD (chronic obstructive pulmonary disease).

Bei dieser Lungenerkrankung verengen sich die Atemwege und die Patienten nehmen immer weniger Sauerstoff auf. Daher wird die heute 67-Jährige, die bis zur Diagnose als Buchhalterin beim Autohaus Weitkamp in Levern gearbeitet hat, seit zehn Jahren mit Sauerstoff behandelt.

Mit drei Litern Gas kommt sie fünf Stunden aus, dann muss sie das kleine Beatmungsgerät, das sie im Rollator mit sich trägt, aufladen. Im Schlafzimmer steht eine große Sauerstoffflasche mit dem lebenswichtigen Stoff, der Kleine über das sogenannte Spargerät in die Nase gepustet wird. Nachts schläft sie mit einer Sauerstoffmaske.

Die Gehhilfe nutzt Kleine zwar auch für das Beatmungsgerät, aber der eigentliche Grund ist ihre kaputte Hüfte, hervorgerufen durch Osteoporose. Den Grund für die COPD-Erkrankung kennt Kleine nicht. Sie weiß nur, dass sie als Kind zwei heftige Lungenentzündungen hatte und zudem eine Skoliose, eine Wachstumsdeformation der Wirbelsäule. „Bei Untersuchungen konnten die Ärzte auf Röntgenbildern meine Lunge daher nicht richtig erkennen“, so Kleine.

Doch ein Lungenfunktionstest und eine Messung des Sauerstoffgehalts im Blut brachten Klarheit. „Bei der Einlieferung in die Klinik hatte ich nur noch eine 47-prozentige Sauerstoffsättigung“, erinnert sich Kleine – bei gesunden Menschen liegt diese zwischen 90 und 96 Prozent. Daher musste die Destelerin mehrere Wochen mit Sauerstoff versorgt werden, bevor die Geräte für den Alltag eingestellt wurden.

Kleine hatte schon lange Herzrhythmusstörungen bevor die Diagnose kam. „Und wenn ich eine Erkältung hatte, war das immer sehr heftig“, sagt sie. Heute muss die 67-Jährige bei einer Erkältung sofort in die Klinik und ist gegen bakterielle Lungenentzündungen geimpft. Halbjährlich stehen zudem Untersuchungen in Bad Lippspringe an.

Einmal im Monat trifft sie sich mit anderen COPD-Patienten in einer Selbsthilfegruppe unter der Leitung von Frank Kühne in Minden. „Am Anfang gibt es das Blitzlicht“, erzählt Marianne Kleine von den Treffen. Dabei berichten die Teilnehmer, sie sind zwischen 40 bis 80 Jahren, wie sie die Zeit seit dem vorausgegangenen Treffen erlebt haben. „In der Gruppe habe ich mehr Infos bekommen als in der Klinik“, unterstreicht Kleine den Wert der Selbsthilfe, die ihr zufolge „gut für die Psyche ist“.

Dort hat die Destelerin auch einen Tipp bekommen, wie sich der Schlauch für den Sauerstoff mit ihrer Brille kombinieren lässt. Heute trägt Kleine die Anfertigung eines Optikers aus Lengerich und ist damit sehr zufrieden.

Zudem geht Kleine zum Lungensport nach Lübbecke, der demnächst in die Turnhalle nach Alswede umziehen wird. Dort trainieren die COPD-Patienten auf ihre Fähigkeiten abgestimmte Übungen, damit die Muskulatur nicht erschlafft. „Denn ich gehen selten raus, um Treppen zu meiden“, sagt Kleine. Auch wenn es windig, zu kalt oder zu warm oder sehr feucht ist, ist es für COPD-Patienten schwierig, berichtet Kleine. Trotz allem lässt sie sich nicht von der Krankheit unterkriegen: Kleine verreist gern. Dafür muss sie mindestens drei Monate im Voraus bei einem speziellen Anbieter anmelden, dass sie eine Sauerstoffflasche am Urlaubsort braucht. Die Krankenkassen stellten dafür laut Kleine ein Budget von 400 Euro im Jahr zur Verfügung. Doch das reicht bei Weitem nicht aus – für eine dreitägigen Fahrt in die Pfalz muss die Destelerin nun schon 280 Euro zahlen. „Wenn ich weiter oder länger weg wollte, würde das nicht gehen“, sagt Kleine.

Auch sonst fallen für die Hilfsmittel Kosten an, die von den Kassen nicht übernommen werden. Neben dem Sauerstoff verwendet Kleine spezielle Nasentropfen und einen Mundbefeuchter sowie ein Spray, das ihre Atemwege freihält.

Am Mittwoch, 11. November, organisieren die COPD-Selbsthilfegruppe und das Lungenzentrum am Johannes-Wesling-Klinikum Minden unter Schirmherrschaft der Deutschen Atemwegsliga den sechsten Mindener Atemwegstag. Dieser Aktionstag verbucht jedes Jahr zunehmende Besucherzahlen, daher ist mittlerweile eine Platzreservierung erforderlich. Der Hörsaal bietet 200 Personen die Möglichkeit, den Referaten zu folgen. Anmeldungen nimmt Selbsthilfegruppen-Leiter Frank Kühne telefonisch unter 0571 / 38761484 oder per E-Mail an f.kuehne@copd-vor-ort-minden.de entgegen. Von 17 bis 19 Uhr werden Experten vom Lungenzentrum und der Selbsthilfegruppe rund um Lungen- und Atemwegserkrankungen sprechen und Behandlungsmöglichkeiten vorstellen. Der Schwerpunkt der Vortragsreihe liegt bei der Standard- und Alternativmedizin. Unter anderem werden Fragen geklärt wie beispielsweise: „Was kann der Patient tun, um mit der Erkrankung zu leben und sich besser zu fühlen?“ Die Lungensport-Kursleiter Veronika Ellermann und Sebastian Kottkamp werden über „Lungensport macht fit zum Atmen“ informieren.

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