Brandschutzbedarfsplan sieht Reduktion von 13 auf acht Gerätehaus-Standorte vor

Löschgruppen-Fusionen statt Kirchturmdenken

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38 Feuerwehrmitglieder gehören zur Löschgruppe Destel, die ihren Solitärcharakter behalten soll. Das Feuerwehrgerätehaus entspricht jedoch nicht mehr den heutigen Normen.

Stemwede - Eine wichtige Grundlage für die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr Stemwede ist gelegt: Am Mittwoch stellte Jens-Christan Petri den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses sowie zahlreichen Feuerwehrmitgliedern und der Wehrführung als Gäste den Entwurf des 209-seitigen Dokuments vor. Wegweisend ist dem Geschäftsführer der Firma Orgakom zufolge die Reduktion von derzeit 13 Feuerwehrgerätehäusern auf acht Standorte.

„Das ist ein Quantensprung und zeigt, dass hier nicht nur Kirchturmdenken herrscht“, hatte Bürgermeister Kai Abruszat zu Beginn der Sitzung herausgestellt. Denn künftig soll sich die Struktur der Feuerwehr ändern: neben den Neubauten werden Löschgruppen fusionieren. Den Start haben dabei die Löschgruppen aus Wehdem und Westrup gemacht. Es folgen Haldem-Arrenkamp, Dielingen-Drohne sowie Sundern-Levern-Niedermehnen. Die neuen Gruppen sollen dann ihre Fahrzeuge und Geräte in Neubauten zusammenfassen, die Orgakom-Geschäftsführer Petri ausführlich vorstellte.

Jens-Christian Petri (l.) stellte den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses sowie einigen Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Stemwede jetzt den Brandschutzbedarfsplan vor.

„Die Löschgruppe Levern ist derzeit ungünstig lokalisiert“, sagte Petri mit Blick auf die Zusammenlegung mit den Löschgruppen Niedermehnen und Sundern. Als Standort für ein gemeinsames Feuerwehrgerätehaus favorisieren die Planer derzeit einen Neubau an der L770 im Bereich der Straße Butenbohm (wir berichteten). Monika Lösche (CDU) meinte, dass es für Niedermehnen dadurch kaum eine Verbesserung gebe. Doch Jens-Christian Petri beruhigte sie: „Die Unterstützung wird besser, da sich die Kräfte mehr konzentrieren.“ Niedermehnens Löschgruppenführer Hendrik Lahrmann berichtete: „Wir sind mit dem gemeinsamen Standort einverstanden und haben kein Problem damit.“

Für Haldem-Arrenkamp ist ein Areal an der Ilweder Straße, für Dielingen-Drohne in der Toplage und für Wehdem-Westrup nach wie vor die Fläche an der Stemweder-Berg-Straße im Gespräch.

Die Löschgruppen Twiehausen, Destel, Oppendorf und Oppenwehe sollen Solitärstandorte bleiben. Außer in Oppendorf stehen aber auch dort Sanierungsarbeiten an den Feuerwehrgerätehäusern an. „Die Gebäude sind zu einer Zeit entstanden, als die Fahrzeuge noch kleiner waren“, erklärte Petri die Situation. Jetzt gebe es andere Normen und dadurch seien die Tore bei den meisten Feuerwehrgerätehäusern zu klein.

Ferner reichten die Abstände zwischen Fahrzeugen und Wänden nicht aus, ohne möglicherweise Feuerwehrmänner einzuklemmen. „Die persönliche Schutzausrüstung hat auch nichts in der Halle verloren“, machte Petri weiter deutlich, dass neue Lagerungsmöglichkeiten erforderllich seien.

Bei der Analyse, die in enger Kooperation zwischen Orgakom, der Gemeinde und der Wehrführung vorgenommen wurde, haben die Akteure auch die Ausrückbereiche und Zeiten unter die Lupe genommen – mit einem laut Andreas Weingärtner (CDU) „alarmierenden Ergebnis“. Denn der Erreichungsgrad, der laut Norm bei 90 Prozent liegen sollte, weist über die Auswertung von drei Jahren in Stemwede einen Wert von 37,3 Prozent auf. „Am Wochenende ist die Schutzzielerfüllung besser“, berichtete Petri. Dies liege daran, dass die meisten Einsätze während der Arbeitszeiten der Feuerwehrmitglieder verzeichnet würden. Der Ist-Zustand könne auch durch unzureichende Dokumentationen entstanden sein, führte Petri zu den Zahlen aus.

Ferner hieß es, dass die Standorte der Feuerwehrgerätehäuser nicht optimal seien. Der Diplom-Wirtschaftsmathematiker machte deutlich: „Die Ehrenamtlichen müssen beim Anrücken teilweise erst am Haus einer anderen Löschgruppe vorbei, um dann wieder ausrücken zu können.“ Dadurch gehe wertvolle Zeit verloren und „es verpuffen Energien“. Mit neuen Bereichen, die durch Fusionen entstehen könnten, wird laut dem Orgakom-Geschäftsführer eine flächendeckende Versorgung erreicht. „Innerhalb von acht Minuten ist Hilfe in den besiedelten Bereichen möglich, wenn wir acht Standorte haben“, erklärte Petri den Plan.

Bei den Fahrzeugen bestehe lediglich ein geringer Handlungsbedarf, hieß es in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Allerdings müsse darauf geachtet werden, dass ausreichend Fahrzeuge beim Einsatz zur Verfügung stehen. Mit einer Summe von 242 000 Euro im jährlichen Mittel sei in den kommenden Jahren zu rechnen, um den Fuhrpark auf dem aktuellsten Stand zu halten.

„Die Feuerwehr wird einen Löwenanteil unserer gemeindlichen Investitionen ausmachen“, so Bürgermeister Abruszat. Dabei strebe er eine Lösung mit einem Generalübernehmer an, die Verwaltung habe bereits Gespräche geführt. „Langfristig bedeuten die Anpassungen eine Kostenreduktion“, rechnete Jens-Christian Petri dem Gremium vor. „Auch wenn es am Anfang jetzt hohe Ausgaben sind, die da auf Sie zukommen“, so Petri. Die Verwaltung möchte mit Blick auf die Finanzen, dass sich Synergieeffekte ergeben. „Wenn wir mehrere Maßnahmen zeitgleich anschieben, dann profitieren alle davon“, machte der Verwaltungschef klar.

Am 11. Mai wird der Rat der Gemeinde über den Entwurf des Brandschutzbedarfsplans beschließen, denn am Mittwochabend entschieden sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses einstimmig dafür, den Entwurf an das nächste Gremium weiterzuleiten. 

abo

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