Stephan Leonhardt taucht in die Geschichte des Mittelalters in Stemwede ein

Landwehren bieten Schutz vor Bösewichten

Stephan Leonhardt informierte im Heimathaus in Wehdem nun über historische Landwehren im Stemweder Land. Dafür hat er viele Informationen zusammengetragen und sich mit dem Mittelalter beschäftigt. - Foto: Mühlke

Wehdem - Was für die Städte im Mittelalter die Stadtmauern waren, das waren im ländlichen Raum die Landwehren. Die Menschen in dieser Zeit schützten ihr Hab und Gut mit diesen relativ primitiven, aber wirkungsvollen Befestigungsanlagen vor Angreifern. Zumindest eine Zeitlang wurden Bösewichte so auf Distanz gehalten – wichtige Zeit für die Bauern, um ihre Wertsachen und das Vieh in Sicherheit zu bringen.

Der Wehdemer Hobby-Historiker und Heimatforscher Stephan Leonhardt hat sich intensiv mit dem Mittelalter in Stemwede beschäftigt. Nach seinen Erkenntnissen über die Herkunft der Wehdemer Flurnamen hat er nun ein weiteres hochinteressantes Kapitel in der Geschichtsforschung aufgeschlagen. „Auch bei uns hat es Landwehren gegeben“, berichtete Leonhardt jetzt im Wehdemer Heimathaus. Der älteste ihm bekannte Nachweis einer Landwehr sei der Nienburger Vertrag von 1629. Der Vertrag sei in wesentlichen Teilen eine Grenzbeschreibung und benenne ganz deutlich die Stemshorner und Quernheimer Landwehr.

Mit den Landwehren sollte räuberisches, feindseliges Volk auf Distanz gehalten oder ihm zumindest eine Barriere geboten werden. Aber auch wilde Tiere wie Wölfe oder Füchse konnten durch die Grenzbefestigungen fern gehalten werden.

Landwehren hatten häufig die Form eines Walls, der mit dornigem Gebüsch bepflanzt war. Gelegentlich waren sie auch zusätzlich noch von einem Gewässer umgeben. Nur an einigen, möglichst wenigen Stellen, waren sie mit Durchbrüchen versehen, und die waren dann mit Schlagbäumen und ähnlichen Absperrungen – „Haken“ – gesichert. Noch heute würden Straßennamen wie Klapphake in Dielingen und Bohmhake in Drohne auf die Existenz der Landwehren hinweisen, so Leonhardt.

Grenzverlauf gleich mit festgelegt

„Häufig waren den Landwehren so genannte Wolfskuhlen vorgelagert“, berichtete der Wehdemer Heimatforscher bei seinem Infoabend. Stürzten Tiere in diese getarnten Kuhlen, konnten sie nicht wieder hinausgelangen. Die Landwehren umgaben ganze Siedlungen oder Dörfer und dienten neben dem Schutz auch als Grenzverlauf.

Bei seinen Nachforschungen rund um den Stemweder Berg hat Leonhardt auch den Lemförder Hobby-Historiker Ludger von Husen sowie Adelheid Nijbour aus Quernheim zu Rate gezogen. Weitere Informationen sammelte er im Internet, aus historischem Kartenmaterial, Gemeindekarten, Heimatblättern und Archiven.

Die Ergebnisse seiner Nachforschungen zu den Landwehren in Stemwede und den beiden Themen „Der Dreißigjährige Krieg und die Auswirkung auf die Bevölkerung im Stemweder Land“ sowie „Flurnamen in Wehdem“ möchte Leonhardt in einem Buch veröffentlichen.

Eingeladen zu dem Vortag hatte der Verein „Leben in Wehdem“. Dessen Vorsitzender Michael Kopp freute sich über das rege Interesse an der Veranstaltung und wies bei der Gelegenheit auch gleich auf die Aktion „Saubere Landschaft“ am Sonnabend, 8. April, sowie die Jahreshauptversammlung am Dienstag, 12. April, hin. - hm

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