Klaus-Jürgen Rothhan bringt Asylbewerbern die deutsche Sprache und ein Stück Alltagsleben näher

Ein Lächeln ist der schönste Lohn

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Klaus-Jürgen Rothhan unterrichtet zwei Mal in der Woche Asylbewerber in Dielingen un Wehdem.

Dielingen - Von Heidrun Mühlke. „Guten Morgen, Abraham“, begrüßt Klaus-Jürgen Rothhan einen aus seiner an diesem Morgen fünfköpfigen Schülertruppe. Man schaue sich bei der Begrüßung in die Augen, weist Rothhan den Schüler zurecht. In seinen Unterrichtsstunden lernen Stemwedes Asylbewerber Deutsch, darüber hinaus aber auch Umgangsformen, um im täglichen deutschen Leben nicht anzuecken.

„Deutschland hat eine Verantwortung, und wir müssen dafür sorgen, dass die Asylbewerber, die bei uns leben, sich auch mit uns verständigen können“, erklärt Rothhan. Der seit 2000 pensionierte Sonderschullehrer aus Destel unterrichtet die Asylbewerber ehrenamtlich – zwei Mal in der Woche gibt er zwei Stunden Unterricht in Wehdem oder Dielingen. Seit den 1960er-Jahren habe er viel mit Ausländern zu tun, sagt der 79-Jährige. Bedingt durch sein Hobby, die Jagd, habe er oft und gerne mit anderen Menschen und Völkern zusammengelebt und deren Kultur kennengelernt. Gute Voraussetzungen, sein Wissen den Asylbewerbern zu vermitteln. Als Mitglied im Verein für Verständigung und Migration ist er als so genannter „Migrationslotse“ tätig.

Motivation der

Schüler ist groß

Die Motivation bei den Schülern im Alter zwischen Anfang 20 und Mitte 30 Jahren ist groß, was bei Rothhan gut ankommt. Er vermittelt aber bei Weitem nicht nur Rechtschreibung, Grammatik, Lesen und Schreiben – Rothhan gibt seinen Schülern ein gutes Stück deutschen Alltag mit. Was ist beim Arztbesuch zu tun? Wie kann ich Überweisungen tätigen? Was bedeutet Krankenkasse, was ist Zahnhygiene? Was muss ich mitnehmen zum Arbeitsamt? Hunderte Fragen, die Antworten suchen und die Rothhan gibt. „Meine Schüler müssen aber zunächst einmal Grundbegriffe verstehen lernen und wissen, was das überhaupt ist“, sagt Rothhan. Deutsche Begriffe wie Arbeitsamt, Arbeitslohn oder Gartenbau kennen die Asylbewerber inhaltlich so nicht.

Gerne würden sie alle eine Arbeit finden. Wenn Betriebe jedoch Interesse an einer Beschäftigung der jungen Ausländer haben, stoße man beiderseits auf große Kommunikationsschwierigkeiten. „Sie brauchen einen Grundwortschatz, um arbeiten zu können“, weiß der Lehrer. Wenn der Chef bittet, den Hammer oder die Schaufel zu holen, und er nicht verstanden wird, sei das Arbeitsverhältnis eben schwierig. Ist ein Grundwortschatz vorhanden, geht es ins Detail. Kürzlich haben die jungen Männer gelernt, dass es heißt: „Hol mir den Hammer“. Gearbeitet wird aber mit dem Hammer, aber es heißt: der Hammer. „Sehr schwierig sind die Artikel und für die Ausländer recht unverständlich“, weiß Rothhan.

Keine Arbeit ohne

Grundwortschatz

„Deutsch ist eine sehr schwere Sprache“, sind sich auch die Schüler einig. Dennoch sind sie wissbegierig. Der 27-jährige Afewerki aus Eritrea lebt seit einem Jahr in Deutschland und lernt seit zehn Monaten fleißig Deutsch. Gerne würde er täglich Unterricht bekommen, sagt er in noch gebrochenem Deutsch, aber Rothhan komme leider nur zwei Mal in der Woche.

„Ich kann nur so viel unterrichten, wie ich mir leisten kann“, sagt Rothhan ein wenig betrübt über die finanzielle Situation. Die Asylbewerber müssen die Kosten für den Unterricht von ihrem Taschengeld abzwacken. Zwei Euro für die Unterrichtseinheit zahlen sie von gut 300 Euro Taschengeld, von dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Mit diesen geringen Mitteln kann Rothhan seine Unkosten nicht bestreiten. „Ich lege jedes Mal Geld aus meiner privaten Börse dazu“, so der Lehrer. Unterstützung erhält er seitens der Gemeinde. Ordnungsamtsleiter Werner Bahnemann habe in die Wege geleitet, dass Rothhan sämtliches Unterrichtsmaterial kostenlos und schnell im Ordnungsamt kopieren kann, das DRK stelle ihm für seine Unterrichtszwecke einen Raum im Wehdemer DRK-Haus zur Verfügung. „Reinhold und Ulrike Gralla kommen stets, um mir und meinen Schülern aufzuschließen und nach dem Unterricht wieder abzuschließen“, so der bei den Asylbewerbern sehr beliebte Lehrer.

Auch wenn Rothhan manches Mal aus seinem eigenen Portemonnaie zubuttern muss, will er weiterhin die Asylbewerber mit seinem Deutschunterricht unterstützen. Und wenn Adi, Hamid oder Girmay sagen „Klaus is perfect“ und ihn dabei anlächeln, ist sich Rothhan ganz sicher: „Das ist für mich der schönste Lohn.“

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