Edelgard Hegerfeld wird Samstag 95 Jahre alt

Kindheit in Belgien besonders schön

Edelgard Hegerfeld hat mit ihren 95 Jahren schon viel erlebt und genießt heute das Leben in Oppenwehe. - Foto: Bokelmann

Oppenwehe - Wenn sich Edelgard Hegerfeld an ihre Kindheit erinnert, kommt sie ins Schwärmen: „Die schönste Zeit erlebte ich in Belgien“, sagt die Oppenweherin, die in der Nähe von Brüssel groß geworden ist und am Samstag ihren 95. Geburtstag feiert. Als sie in die dritte Klasse kam, folgte sie mit ihrer Mutter dem Vater nach Belgien, der dort ein Projekt in der Maschinenbranche betreute. „Vater hat uns immer viel geboten“, berichtet Hegerfeld.

Unter ihrem Mädchennamen Winter wurde sie am 20. August 1921 im sächsischen Deuben an der Mulde geboren. Bis heute spricht die Jubilarin von „daheim“, wenn sie von Ostdeutschland erzählt. „Ich habe immer ein komisches Gefühl im Herz“, sagt sie über den Anblick der beiden Getreidemühlen in der Nähe ihres Geburtsortes. Zuletzt war sie vor vier Jahren dort.

Auch die Schulzeit hat Edelgard Hegerfeld in guter Erinnerung behalten: „Ich war oft Jahrgangsbeste und habe dadurch viele Buchpreise bekommen.“ Nach dem Abschluss am Realgymnasium machte sie eine Ausbildung zur Modedesignerin. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, änderte sich Hegerfelds Leben. Ihr Vater gab ihr im Mai 1940, als er sich auf dem Marktplatz melden musste, mit auf den Weg: „Pass gut auf Mutti auf.“ Das habe sie getan, so Hegerfeld über ihre Mutter, die mit 93 Jahren in Espelkamp starb. Ihr Vater kam bei einem Angriff auf einen Truppenzug ums Leben.

Als die Kriegswirren schlimmer wurden, ging Edelgard Hegerfeld mit ihrer Mutter zurück nach Deuben, wo sie zunächst im Finanzamt arbeitete. In Brüssel hatte sie zuvor einen jungen Soldaten kennengelernt, dessen Freund bei einem Treffen dabei war. Eben dieser Freund, der gebürtig aus Sundern kam, wurde später ihr Mann.

Am 20. August 1942 gaben sich Heinrich und Edelgard Hegerfeld in Deuben das Ja-Wort. Doch der gelernte Polizist wollte nicht unter dem Sowjetregime leben und forderte seine Ehefrau auf, zu ihm nach Stemwede zu kommen. „Nur mit einem Rucksack kam ich dann über Bohmte hierher“, erzählt Hegerfeld über ihre Flucht nach dem Kriegsende.

Zunächst wohnte sie dann in Sundern bei ihren Schwiegereltern. Später hatte das Ehepaar ein Zimmer im Pleasure-Dome-Gebäude, wohnte anschließend in einem Bauernhaus an der Hauptstraße in Oppenwehe, bevor sie am Molkereiweg ihr eigenes Haus bauten. Dort lebt Edelgard Hegerfeld bis heute, allerdings allein, da ihr Mann 1991 starb. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Die älteste Tochter Angelika lebt heutzutage in Osnabrück, Ingrid in Rheine und Sohn Dietmar in Verden. Zur Familie gehören außerdem fünf Enkel, zu denen die Jubilarin ein gutes Verhältnis pflegt.

Während sich Edelgard Hegerfeld früher vor allem um den Haushalt, das Familienleben und den Garten gekümmert hat, lässt sie es heute ruhiger angehen. Viele Jahre hat sie zudem mit der Frauenhilfe Päckchen für die Aktion Weihnachten im Schuhkarton gepackt.

Am Samstag erwartet die 95-Jährige Vertreter der Kirche und der Gemeinde zum Frühstück. Am Nachmittag wird die Familie dann den besonderen Geburtstag mit der Oppenweherin feiern. - abo

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