Karl-Josef Laumann macht sich in Levern ein Bild von der Ärzteversorgung

Mangel ist selbstverschuldet

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Helmut Richter (r.) als Hausherr führte Karl-Josef Laumann (l.) und Kai Abruszat durch das Haus der Gesundheit in Levern und erläuterte den Hintergrund des Gebäudes.

Levern - Das Ärztehaus, das Helmut Richter und Karl Hölscher nach dem Abriss des ehemaligen Arzthauses Bussmann in Levern gebaut haben, ist gescheitert. Das stellte gestern Nachmittag Karl-Josef Laumann (CDU) fest. Der NRW- Gesundheitsminister war auf Einladung von Bürgermeisterkandidat Kai Abruszat (FDP) zum Haus der Gesundheit gekommen, um sich einen Eindruck von der hausärztlichen Versorgung der Flächengemeinde zu verschaffen.

Der Gebäudekomplex war 2011 mit dem Ziel errichtet worden, neue Ärzte in Levern anzusiedeln. Heute sind eine Logopädin, eine podologische Gemeinschaftspraxis sowie ein Fotostudio und ein Unternehmer die Mieter.

Acht Ärzte gebe es aktuell in Stemwede, berichteten die weiteren Gäste von CDU und FDP dem Gesundheitsminister. „Davon sind vier im Rentenalter. Das ist ein Dilemma“, sagte Werner Bensmann. Der Apotheker hofft, dass sich die ortsansässigen Mediziner bald mit jungen Kollegen zusammentun, damit die Versorgung auch in Zukunft gesichert ist. Denn noch gebe es kein Problem, sagte Kai Abruszat – eine Kommune gelte ab 2000 Einwohnern pro Arzt als gut versorgt, hatte Laumann zuvor erklärt.

„Wir müssen Investoren und potentielle Ärzte zusammenbringen und den Standort positiv bewerben“, machte der gemeinsame Bürgermeisterkandidat von CDU und FDP deutlich. „Einen langen Atem“ wünschte Laumann dafür, denn die ländlichen Gemeinden würden sich allseits große Sorgen um ihre Hausärzte-Versorgung machen. „Früher waren die einfach immer da“, sagte Laumann, doch aktuell würde lediglich ein Drittel der Medizinstudenten zu Beginn des Studiums die Allgemeinmedizin zum Ziel haben. Im weiteren Verlauf schrumpfe dieser Anteil auf zehn Prozent, erklärte der Gesundheitsminister.

Das Problem sieht er bei den Universitäten, die „Fachärzte heranzüchten“. So gebe es in NRW kaum Angebote für ein Studium der Allgemeinmedizin. „Wir brauchen eine medizinische Fakultät in Bielefeld“, fordert Laumann angesichts der vorhandenen Lehrkrankenhäuser in der Region. Von dort würden auch junge Ärzte in den nördlichen Teil des Landes kommen, um ihre Assistenzzeit zu absolvieren. „Mit einem Gesetz haben wir gleiche finanzielle Bedingungen für den praktischen Teil des Studiums im Krankenhaus und einer Hausarztpraxis geschaffen“, erläuterte er.

Bensmann befürchtet zudem, dass Mediziner lieber in Niedersachsen arbeiten würden, weil es dort mehr Geld gebe. Mit einem Ärztehaus sei ein guter Grundstein gelegt, so Laumann, der darin die Zukunft sieht. „Heute nimmt kein Arzt mehr das Geld für eine eigene Praxis in die Hand“, so der Christdemokrat, der auch der Meinung ist, dass „der Ärztemangel politisch herbeigeführt ist“. Auf einen Studienplatz kämen neun Abiturienten, die den Willen hätten, Arzt zu werden, berichtete Laumann. Zudem gebe es deutlich mehr junge Menschen, die Medizin studieren wollten, doch der Numerus clausus sei sehr hoch angesetzt.

In Sachen Ausbildung sieht Laumann auch im dualen Bereich Nachholbedarf. Im Gespräch mit Podologin Ingrid Reckmann, die mit 16 Mitarbeitern ihre Praxis im Haus der Gesundheit führt, sagte der Gesundheitsminister, dass NRW hinterher hinke. In der Pflege sei das Land aber gut aufgestellt, unterstrich Laumann bei seiner nächsten Station im Seniorenheim Wellengrund.

abo

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