Kanadische Band „Morre“ liefert im Life House Classic Rock der Extraklasse

Wühlende Gitarrenriffs und Gänsehaut pur

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Adrian L. Tonceanu (r.) und James Rose nutzten eine ungeplante Pause kurzerhand für eine kreative Improvisation.

Wehdem - Von Mareile Mattlage. „Gewaltig!“, „Gigantisch!“ oder auch „Bombastisch!“ war aus dem Publikum zu hören. Von einer „tollen Show“ zu sprechen, würde es jedenfalls nicht so ganz treffen. Denn was die kanadische Rockband „Morre“, die am Sonnabend auf Einladung des Vereins für Jugend, Freizeit und Kultur (JFK) im Life House in Wehdem gastierte, ablieferte, hatte mit einer „Show“ wenig zu tun. Die Musiker selbst blieben im Hintergrund. Der Hauptdarsteller war ein anderer: die Musik.

Drei Männer in den 30ern, alle ganz in schwarz gekleidet, zwei Gitarren, ein Schlagzeug, schwarze Vorhänge, ein paar bunte Scheinwerfer. Mehr gab es bei dem minimalistisch inszenierten Auftritt von „Morre“ nicht zu sehen. Die teils in schwindelerregender Schnelligkeit über die Gitarrensaiten fliegenden Finger und Plektren von Adrian L. Tonceanu und Igor Laze einmal ausgenommen.

Dafür gab es viel zu hören. Nämlich Rock'n'Roll, tief verwurzelt im Classic Rock der 70er- und 80er-Jahre, doch nicht bloß recycled, sondern mit exotischen, modernen, weltgewandten Elementen neu interpretiert. Die Sound-Energie, die sich dabei über den Köpfen der drei Musiker auftürmte, war gewaltig und überrollte das Publikum von der Bühne aus wie eine losgetretene Lawine.

Virtuose Gitarrenriffs wühlten tief in der Magengrube, die kraftvollen Schläge von Drummer James Rose ließen das Herz rasen und den Kopf wild hin und her wippen, tiefe Männerstimmen sorgten für Gänsehaut pur. Und so vergingen teilweise ganze Songs, ohne dass die Musiker ihre Augen auch nur ein einziges Mal öffneten. Genau so wie einige der rund 50 Zuhörer.

Selten hat man eine derart professionelle und unaufgeregte Band erlebt. Im Life House war die 2008 gegründete Rockformation aus Toronto zum ersten Mal, doch tourt sie bereits zum vierten Mal durch Deutschland. Ganz klassisch mit einem Van, in dem sie sich „wie die Sardinen aneinander reihen“ und aus deren Heckklappe sie CDs verkaufen, wie Igor Laze erzählte.

Vor dem Auftritt und in der etwa 20-minütigen Pause – für ein Rockkonzert auch eher unüblich – gab es für die Musiker nicht etwa Bier, sondern Tee. Sie würden das deutsche Bier zwar sehr gerne mögen, so Igor weiter, doch das würden sie dann erst nach dem Auftritt trinken. Vorab und zwischendrin sei Tee besser – für die Stimme und die Konzentration.

Letztere blieb bis zum Schluss der rund zweieinhalbstündigen Vorstellung ungebrochen. Auch als Igor Laze eine Gitarrensaite riss, er die Bühne verließ, mit einer Tasche zurückkehrte und in aller Ruhe sein Instrument reparierte, kam keinerlei Aufregung bei dem erfahrenen Live-Trio auf. Stattdessen nutzten Adrian L. Tonceanu und James Rose die Unterbrechung kurzerhand für eine kreative Improvisationseinlage. Bei einer Zugabe versagte zum Schluss dann die Verstärkertechnik für Tonceanus Gitarre. Wieder blieben die Musiker tiefenentspannt.

Die kanadische Band besteht eigentlich aus vier Musikern. Der Bassist war am Wochenende kurzfristig ausgefallen, so dass im Grunde das gesamte Konzert ein wenig improvisiert war. Wie sich ihr Sound erst anhören mag, wenn „Morre“ in voller Besetzung spielt, bleibt eine Frage, die Rock-Kenner und -Liebhaber sicher gerne beantwortet haben würden und die Grund genug bietet, die Musiker ein weiteres Mal nach Wehdem einzuladen.

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