Jugendstilfassade am Dielinger Kirchplatz „ziert“ seit kurzem ein Metallbalkon

Brandschutz geht vor Ästhetik

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Aus Brandschutzgründen „ziert“ seit kurzem ein Metallbalkon die Jugendstilfassade eines Hauses am Dielinger Kirchplatz. Er dient als zweiter Fluchtweg.

Dielingen - Vielen Dielingern ist es schon aufgefallen: Am Kirchplatz hat sich etwas verändert – und das nicht unbedingt zum Besseren, wie sie finden. Das dreigeschossige Gebäude mit Jugendstilfassade neben der Gaststätte Vahrenhorst hat vor kurzem einen Balkon aus Stahl bekommen. Wirklich harmonisch wirkt das Konstrukt nicht, doch der Eigentümer der Immobilien, der Bauunternehmer Andre Bruhe aus Damme, hatte keine große Wahl.

Er hat das Gebäude vor etwa drei Jahren gekauft und will die ehemaligen Geschäftsräume im Erdgeschoss in Wohnraum umwandeln. Mit einem entsprechenden Antrag beim Kreis Minden-Lübbecke weckte er ungeahnt schlafende Hunde. Die Genehmigungsbehörde stellte bei der Prüfung der Unterlagen fest, dass der Brandschutz für die Wohnungen in den oberen Etagen nicht ausreichend ist. Es fehlte ein zweiter Fluchtweg. Seit das Haus Mitte der 90er-Jahre kernsaniert wurde, ist das niemandem aufgefallen, doch nun musste schnell Abhilfe geschaffen werden oder die Bewohner hätten ausziehen müssen.

Bauherr, Planer, Brandschutzbehörde, Denkmalschutzbehörde und Bauaufsichtsbehörde suchten gemeinsam nach einer für alle Seiten akzeptablen Lösung. Es habe verschiedene Vorschläge gegeben, der Balkon sei aber die einzige realisierbare Alternative gewesen, berichtet Bruhe. Innerhalb des Hauses sei nicht genug Raum für einen zweiten Fluchtweg. Die Wohnungen seien ohnehin schon relativ klein. Die Hausfront zur Straße Am Thie ist nicht geeignet, so dass nur die Front in Richtung Kirche blieb. Der Kreis habe auch vorgeschlagen, die Stuckarbeiten zu entfernen und dort einen Durchgang zu schaffen – für den Bauunternehmer, der auch Stuckateur ist, allerdings undenkbar. Der als Fluchtweg dienende Balkon ist nun eine Lösung, mit der alle Seiten leben können. Auch wenn Bruhe damit nicht glücklich ist, die Forderung der Kreisverwaltung nach einem besseren Brandschutz kann er nachvollziehen.

„Wir sind grundsätzlich bemüht, die ästhetische Gestaltung zu berücksichtigen“, erklärte Kreis-Pressesprecherin Sabine Ohnesorge gestern auf Nachfrage. Im Zweifelsfall steht der Brandschutz aber eben an erster Stelle.

Ironie des Schicksals: In unmittelbarer Nachbarschaft wollte ein Hauseigentümer einen Balkon bauen, erhielt vom Kreis aber keine Genehmigung.

mer

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