Heimathaus erhält Spende von 500 Euro

417 Jahre altes Predigtbuch aus Levern restauriert

Informierten sich über historisches Druckwerk: Cornelia Matzigkeit (v.l.), Wiebke Stenzel, Ralf Brune und Heinrich Rust. - Foto: Heimatverein Levern

Levern - Im Heimathaus am Leverner Probsteiweg werden viele interessante Exponate aus mehr als 1.000 Jahren Ortsgeschichte aufbewahrt. Einige der mehr als 500 Jahre alten Schlusssteine des Kirchen-Gewölbes gehören dazu, Urkunden aus Stiftszeiten oder auch Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs zählen ebenfalls zu den Ausstellungsstücken. Zu den Besonderheiten gehören einige Bücher, die der Heimatverein Levern als Träger des Heimathauses bereits aufarbeiten ließ oder die noch aufgearbeitet werden.

Mit der Aufarbeitung der Bücher bleibt den Heimatfreunden ein Stück Kulturgeschichte erhalten. Die Werke sind nicht nur interessante Beispiele des Buchdrucks, sondern spiegeln auch die Frömmigkeit der Menschen, die vor Jahrhunderten lebten wider. Diese Bücher für die folgenden Generationen zu bewahren, das erfordert besondere Fachkenntnisse, die die Restauratorin Wiebke Stenzel aus Osnabrück besitzt. Es erfordert aber auch Geld. Daher war den Heimatfreunden eine Spende von 500 Euro der Sparkasse Minden-Lübbecke, die der Leverner Geschäftsstellenleiter Ralf Brune überreichte, sehr willkommen. Passend zur Übergabe der Spende hatte Wiebke Stenzel dem Heimatverein und dem Team des Heimathauses um Heinrich Rust das von ihr aufgearbeitete Buch mit theologischen Schriften des Martinus Möllerus zurückgebracht. Das Buch war 1748 in Minden gedruckt worden.

Der Vorstand des Heimatvereins Levern dankte Ralf Brune stellvertretend für die Spende der Sparkasse. Die helfe, altes Kulturgut für die Nachwelt zu bewahren. Ein Dank des Vorstandes galt auch Wiebke Stenzel für die erneut hervorragende Arbeit. Stenzel stellte Ralf Brune und Heinrich Rust einige interessante Details zu dem nun aufgearbeiteten Buch vor, und den Ausführungen der Osnabrücker Expertin lauschten beide mit großer Aufmerksamkeit. Dass die Aufarbeitung eines alten Buches eine Herausforderung ist, machte Stenzel anhand eines Predigtbuches, mit dem sie momentan beschäftigt ist und das 1599 in Hamburg gedruckt worden ist. Dieses Buch weist doch allerhand Gebrauchsspuren auf.

Der restaurierte seltene Sammelband der theologischen Schriften des Martinus Möllerus kann aber schon jetzt wieder zu den Öffnungszeiten des Heimathauses Levern bewundert werden. Es enthält die bekanntesten Schriften des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Dichters von Kirchenliedern und Verfassers „religiöser Erbauungsliteratur“.

Das Buch gliedert sich in drei Abschnitte. „Praxis Evangeliorum“ (1601 bis 1605) umfasst die „deutliche und nützliche Abhandlung aller sonn- und festtäglichen Evangelien durchs ganze Jahr“. Teil zwei ist das „Manuale de praeparatione ad mortem“ (1593) und betrifft die „selige Sterbekunst der Gläubigen“. Die „Soliloquia de passione Jesu Christi“ (1587) betrifft die „heilige Betrachtung des Leidens und Sterbens unseres Herren“.

Martinus Möllerus gehörte zur zweiten Generation von Predigern und Theologen der Reformation, die die lutherische Theologie vertieften und erweiterten. Möllerus gehört zu den bekannteren Theologen und wurde 1547 als Sohn eines Bauern in der Nähe der Lutherstadt Wittenberg geboren. Er besuchte ein Gymnasium und absolvierte ein Musikstudium. Schon 1568 erhielt er eine Anstellung als Kantor. Ab 1572 betreute er als Pfarrer mehrere Gemeinden in Niederschlesien. Ab 1600 wirkte er als Pfarrer in Görlitz (Neiße). Hier schrieb er das „Evangeliorum“. Möllerus starb 1606 in Görlitz.

Mit dem „Evangeliorum“, seinem Hauptwerk, stand Martinus Möllerus ganz in der Tradition Luthers, den Menschen mit einfachen, aber eindringlichen Worten zu verdeutlichen, wie sie Halt im Glauben finden, merkte Cornelia Matzigkeit vom Heimathaus-Team an. Es sei Möllerus‘ größtes Anliegen gewesen, Glaubensinhalte zu lehren und zu erklären und so die Menschen zur Frömmigkeit zu führen.

Das war im Fall der in Levern aufbewahrten Ausgabe des Buches der Fall. Der überwiegende Schaden des Buches sei durch den regen Gebrauch entstanden, sagte Wiebke Stenzel. „Es wurde offenbar gelesen wie verrückt“, machte sie auf die vielen Gebrauchsspuren aufmerksam.

Was allerdings fehlt, ist das Titelblatt des Buches. Es gibt zwar ein weiteres Exemplar, das ebenfalls 1748 in Minden gedruckt wurde und heute in einer Bibliothek in der US-Hauptstadt Washington aufbewahrt wird. Aber auch bei dem Exemplar aus Washington fehlt überraschenderweise die Titelseite. Vielleicht auch deshalb, weil auch dieses Buch so oft genutzt worden sei, vermutet Wiebke Stenzel.

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