„Initiative Tierwohl“: Landwirte demonstrieren vor Edeka-Märkten

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

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Vor dem E-Center in Levern fuhren gestern Morgen Landwirte aus Stemwede mit ihren Traktoren und Protestplakaten auf, um gegen Edeka zu demonstrieren.

Levern - Vier Cent pro Kilogramm Schweinefleisch zahlen Lebensmitteleinzelhandels-Konzerne derzeit in einen Fonds der „Initiative Tierwohl“ ein. Mit dem Geld sollen Landwirte unterstützt werden, die ihren Tieren mehr Platz und mehr Licht zum Leben geben, sie mit besserem Futter versorgen und ihnen Beschäftigungmaterial bieten. Doch das Geld reicht laut Westfälisch-Lippischem Landwirtschaftsverband (WLV) nicht für alle bundesweit 4650 teilnahmewilligen Landwirte. Der Verband fordert darum, den Beitrag der Lebensmittelhändler auf sechs Cent zu erhöhen. Einige Konzerne haben zugestimmt, doch die Edeka-Gruppe weigert sich – und sah sich darum gestern vielerorts, auch in Levern, Protesten der Landwirte ausgesetzt.

Edeka, Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel, fordert einen Nachweis, dass die Landwirte das Geld aus dem Fonds tatsächlich zum Wohl der Tiere investieren, bevor mehr Geld fließt. Laut Frank Thieding, der für Edeka Minden-Hannover an den Verhandlungen zur Initiative beteiligt ist, hat Edeka rund 65 Millionen Euro in den Start der Aktion investiert. Thieding kritisiert, dass man von der ursprünglichen Absicht, noch in diesem Jahr die zweckmäßige Verwendung der Mittel nachzuweisen, abgerückt sei und statt dessen erst im nächsten Jahr ein Tierwohlindex vorgelegt werden soll.

Vor zwei Jahren gründeten Vertreter aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel die „Initiative Tierwohl“. Das Ziel: Schweinehaltern sowie Hähnchen- und Putenmästern durch finanzielle Anreize zu ermöglichen, die Tierhaltung in ihren Ställen über gesetzliche Standards hinaus zu verbessern, ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen.

2142 Landwirte machen laut WLV mit, der Rest hat wegen der knappen Mittel das Nachsehen. Darum sind die Landwirte mit der Bitte an die Lebensmittelhändler herangetreten, zwei Cent draufzulegen. Da sich inzwischen weitere Partner an der Initiative beteiligten, reiche das Geld dann, um alle teilnahmewilligen Landwirte zu versorgen, erklärte gestern Holger Topp, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke.

Die Landwirte seien in Vorleistung gegangen und hätten zum Teil 20000 Euro in eine bessere Tierhaltung investiert, schreibt der WLV in einer Resolution, die gestern den Leitern verschiedener Edeka-Märkte in Ostwestfalen-Lippe übergeben wurde. Topp machte in Levern deutlich, dass sich der Protest nicht gegen einzelne Märkte, sondern den Konzern Edeka richtet. Das Unternehmen, das mit dem Slogan „Wir lieben Lebensmittel“ werbe, müsse sich die Frage nach der eigenen Glaubwürdigkeit stellen, so Topp. Edeka müssen die zusätzlichen zwei Cent nicht einmal selbst zahlen, sondern könne sie an die Kunden weitergeben. Topp: „Wir hoffen, dass Edeka einlenkt.“

Joachim Schmedt, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Gemeindeverbandes Stemwede, kritisierte, dass die Schere zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis immer weiter auseinander klaffe. Landwirte bekämen immer weniger Geld für ihr Schweinefleisch. „Was sind da zwei Cent?“, kann er nicht nachvollziehen, dass Edeka nicht mehr in die „Initiative Tierwohl“ investieren will.

Drohnes Ortsverbandsvorsitzender Wilhelm Gülker machte im Leverner Markt den Test: Ein Liter Wasser war für 65 Cent zu bekommen, der Liter Milch kostet 55 Cent. „Wenn man bedenkt, wie viel Wasser durch eine Kuh fließt, damit sie einen Liter Milch gibt, ist das nicht nachvollziehbar“, so Schmedt.

mer

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