Eiserne Hochzeit im Hause Levermann

„Immer ein bisschen Glück im Leben gehabt“

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Luise und Wilhelm Levermann standen vor genau 65 Jahren vor dem Traualtar und sind bis heute glücklich verheiratet.

Destel - „Wir haben uns in die Augen gesehen und wussten, dass wir heiraten.“ Das Band der Ehe hält bei Wilhelm und Luise Levermann seit 65 Jahren. Heute wird in Destel Eiserne Hochzeit gefeiert, bei der Pastor Thomas Horst das Paar einsegnen wird, bevor auf das Ehejubiläum angestoßen wird.

Luise Levermann wurde als Luise Beeke im Februar 1928 in Levern geboren. Als Jüngste von drei Kindern wuchs sie im Stiftsort auf und besuchte die Schule, später ging es nach Wehdem zur Landwirtschaftsschule. „Dort habe ich Kochen gelernt“, erinnert sich die 88-Jährige. Den Weg nach Wehdem ist sie mit dem Rad gefahren. „Da war Willi dabei“, blickt die Rentnerin auf die zarten Anfänge ihrer Beziehung zurück. Richtig kennengelernt haben sich die Stemweder beim Holskenball. „Dazu haben sich die Jugendlichen getroffen, wenn sie sturmfrei hatten“, erklären die Senioren. Schließlich habe man in der Nachbarschaft gewohnt. „Wir konnten den Schornstein dampfen sehen.“

Wilhelm Levermann erblickte im Juli 1921 in Destel das Licht der Welt. Seine beiden Geschwister sind bereits verstorben, der 94-Jährige lebt bis heute im Elternhaus – inzwischen mit seinem Sohn Friedhelm und dessen Frau. Nachdem Wilhelm Levermann die Volksschule in Destel beendet hatte, wechselte er aufs Wittekind-Gymnasium Lübbecke. Das konnte er aber nicht mehr vollständig beenden, weil der Zweite Weltkrieg ausbrach. Als er 1940 eingezogen wurde, ging es für Levermann nach Hannover, wo er bei den Luftnachrichten unterkam.

„Das war interessant“, so Levermann, der sich stets für Technik interessiert hat – „ich hatte nicht so viel Lust zur Landwirtschaft“, erklärt er. An die Kriegszeit erinnert sich der Desteler genau. Nicht nur, wie er Sender bediente und Funknachrichten schickte, sondern auch an den Stabsdienst bei Dresden, seinen Einsatz beim fliegenden Personal in Ostpreußen und schließlich, wie er sich in Bayern von einer Verwundung erholte. „Ich hatte Glück, denn der Granatsplitter hatte meine Wirbelsäule knapp verfehlt“, beschreibt Wilhelm Levermann und fügt hinzu: „Ich hatte immer ein bisschen Glück im Leben.“

Im Mai 1945 kam er in die Heimat zurück, da er sich freiwillig den Amerikanern gestellt hatte. „Mit dem Lastwagen wurden wir nach Minden gebracht“, so Levermann. Dann sei er doch in die Landwirtschaft gerutscht, zeichnet Levermann seinen Lebenslauf nach. „Aber es gab ja zum Glück immer mehr Maschinen“, ergänzt er. Später hat er das Desteler Wasserwerk betreut, wo er bis zur Rente 1986 arbeitete.

Nachdem Pastor Häussler das Paar am 11. Mai 1951 in der Stiftskirche getraut hatte, wurde in der Scheune in Destel gefeiert. Einige Jahre nach der Hochzeit kam das erste Kind zur Welt und es sollten zwei weitere folgen. Während Friedhelm Levermann heute in Destel wohnt und seine Eltern unterstützt, lebt Tochter Christa mit ihrer Familie unweit von Zuhause in Levern. Mit zwei Enkeln und der drei Tage alten Urenkelin wächst die Familie weiter.

Das Jubiläumspaar hält sich mit einem täglichen Spaziergang und regelmäßigen Besuchen bei Verwandten fit. Zudem war und ist Wilhelm Levermann mit der Freiwilligen Feuerwehr Stemwede eng verbunden. Auch wenn sein Eintritt am 1. Juli 1946 nicht freiwillig war. Damals bestimmte die Gemeinde Personen, die sich in der Feuerwehr engagieren durften. „Ich wollte keine Uniform mehr anziehen“, sagt Levermann, doch später wurde der Oberbrandmeister Löschgruppenführer. Heute ist er in der Ehrenabteilung. 

abo

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