Hoffnung, Dankbarkeit und Zuversicht beim Neujahrsfest für Flüchtlinge

Unbeschwerte Lebenslust

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Beim Trommel-Workshop zeigten Teilnehmer pure Lebenslust.

Wehdem - Eine internationale Party stieg am Montagabend im Wehdemer Life House. Der Arbeitskreis Asyl hatte für alle in Stemwede lebenden Flüchtlinge das Neujahrsfest organisiert. Rund 120 Flüchtlinge und Deutsche waren der Einladung gefolgt und tanzten nach unterschiedlichsten Rhythmen der verschiedenen Kulturen.

Unbändige Lebenslust und ein Stück weit Unbeschwertheit herrschte an diesem gemeinsamen Festabend im Life House. Friedliches Miteinander der unterschiedlichsten Kulturen stand im Fokus. Zufrieden blickte auch Waltraud Holtkamp als Betreuerin der Asylbewerber in die Runde. „Die große Hilfsbereitschaft unter den Stemweder Bürgern ist eine große Hilfe für unsere Arbeit mit den Flüchtlingen“, sagt die engagierte Sundernerin.

Bis zum Sommer des zurückliegenden Jahres sei die Entwicklung in der Flüchtlingshilfe recht stetig vorangeschritten. „Gut 100 Asylbewerber waren bis dato gekommen. Diejenigen, die bereits hier waren, halfen den Neuankömmlingen, und die Mitglieder des Arbeitskreises Asyl haben an jeder Ecke unterstützt“, so Holtkamp.

Ab September habe die Flüchtlingswelle dann auch Stemwede überrollt. „Es kamen auf einmal so viele, da hieß es für uns nur schnell handeln und organisieren, um die Flüchtlinge zunächst ein wenig mit unserer Infrastruktur vertraut zu machen.“

326 Asylbewerber aus Guinea, Mali, Nigeria, Marokko, Algerien, Ägypten, Syrien, Eritrea, Albanien, Afghanistan, Armenien, Georgien, Sri Lanka, Tibet und Pakistan waren es zum Jahreswechsel. „Am Freitag kommen noch zwölf neue Flüchtlinge hinzu“, weiß Holtkamp. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sei überwältigend gewesen. „Und ist sie noch immer“, freut sich die Betreuerin. Dass es weiterhin so bliebe, sei ihr Herzenswunsch für dieses Jahr. „Mal jemanden mit dem Auto zum Einkaufen mitnehmen oder zum Arzt fahren, das wäre eine nette Geste“, sagt sie. Gerade in der dunklen Jahreszeit sei das sehr wichtig.

Gerade recht kommt darum die Spende der Sparkasse Minden-Lübbecke, die die Flüchtlingsarbeit mit 2500 Euro unterstützt. „Damit können wir einige gebrauchte Fahrräder kaufen, damit die Flüchtlinge mobil sind“, sagt Holtkamp, auch an Warnwesten und Fahrradbeleuchtung fehle es noch.

„Der Arbeitskreis Asyl ist für die Gemeinde Stemwede eine große Unterstützung“, betonte Werner Bahnemann, der die Gäste seitens der Gemeindeverwaltung begrüßte. Dabei sei es bei Weitem nicht nur die materielle Unterstützung, die geleistet werde, die ehrenamtlichen Helfer brächten viel herzliche Nähe zu den Flüchtlingen. Er freue sich über die breite Willkommenskultur, die in Stemwede den Flüchtlingen entgegengebracht werde.

Herzlichen Kontakt können die Asylbewerber gut gebrauchen. Viele von ihnen sind allein in Stemwede – Verwandte und Freunde sind in der Heimat geblieben und viele wissen nicht, wie es ihnen ergeht. Afewerki beispielsweise lebt seit gut einem Jahr in Dielingen. Der 28-Jährige aus Eritrea hat seine Eltern, vier Schwestern und drei Brüder verlassen. Natürlich habe er manchmal großes Heimweh, sagt er in gebrochenem Deutsch. „Stemwede ist gut“, formuliert er aber ganz zuversichtlich, blickt in die Runde mit den Ehrenamtlichen und freut sich: „Das ist nun meine Familie!“

Seit fünf Monaten lebt die achtköpfige Familie Intesar aus dem Irak in Dielingen. Die 20-jährige Tochter Abdi beschreibt ihr Leben in Deutschland als gut, aber ihr Herz schlage genauso für den Irak. Dennoch will die Familie hier bleiben und hofft zuversichtlich, dass sich ihr Wohnraum – derzeit leben acht Personen in einer Zwei-Zimmer-Wohnung – etwas vergrößern lässt.

Gut ein Jahr lebt Imad in Stemwede. Der 33-jährige Syrer wartet auf seine Papiere. „Dann kann ich endlich arbeiten“, sagt er erwartungsvoll. Er hat sein Ziel klar vor Augen. „Ich möchte in Deutschland bleiben und eine Familie gründen“, sagt der sympathische Single.

Sowieso erfüllten Hoffnung, Dankbarkeit und Zuversicht das Neujahrsfest im Life House. Um die Willkommenskultur in Stemwede weiter zu leben, ist für Sonntag, 5. Juni, eine Neuauflage des Festes „Eine Gemeinde – viele Kulturen“ im und am Life House geplant.

hm

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