Hitzige Diskussionen beim Informationsabend der Schulpflegschaft / Scharfe Kritik an Verwaltung und Kritikern

Verärgerte Eltern und viele Fragen

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Mehrere hundert Eltern folgten der Einladung des Schulpflegschaftsvorsitzenden Holger Heidmeyer zum Informationsabend über die Gesamtschule.

Stemwede - Von Melanie Russ. Die Eltern der Stemweder Schulkinder sind erbost – weil sie übergangen wurden und weil sie auch eine Woche nach der Ankündigung der Verwaltung, die Sekundarschule durch eine private Gesamtschule ersetzen zu wollen, keine Antworten auf ihre Fragen bekommen. Und davon haben sie viele, wie am Dienstagabend während einer Elterndiskussion in der Wehdemer Begegnungsstätte deutlich wurde. Dazu eingeladen hatte der Schulpflegschaftsvorsitzende Holger Heidmeyer.

Verwaltung und Politik waren an diesem Abend nicht willkommen, weil Heidmeyer „im geschützten Raum“ die Meinungen und Fragen der Eltern einholen wollte, um entsprechend vorbereitet in die heutige Sitzung des Bildungsausschusses zu gehen. Die Verwaltung wollte dann ursprünglich nur die Schulpflegschaft zu Wort kommen lassen, hat dieses Angebot am Dienstag aber auf alle Zuhörer ausgeweitet.

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"Bürgermeister muss draußen bleiben"

Zu Beginn der Versammlung stellte der stellvertretende Schulpflegschaftschaftsvorsitzende Jürgen Lütkemeier die Informationen über den künftigen Träger, den Verein Initiative für Jugendhilfe, Bildung und Arbeit (INI), vor, die er auf dessen Internetseite und in Zeitungsartikeln gefunden hatte. Lütkemeier machte keinen Hehl daraus, dass er von den wenigen verfügbaren Informationen nicht überzeugt ist. „Es wurde uns suggeriert, dass die INI seit Jahren eine Gesamtschule betreibt.“ Tatsächlich sei sie aber erst 2013 in Betrieb gegangen. „Die haben noch keinen Abiturjahrgang durchgebracht.“ Die Qualität ihres pädagogischen Konzepts könne man noch gar nicht beurteilen. Kritik übte er auch am designierten Schulleiter Volker Esch-Alsen: nicht an der Person, aber an dessen Alter von immerhin 67 Jahren. „Was geht in den Köpfen von Rybak und Bartel vor? Sie holen sich ein Rentnerteam ins Haus und schlagen engagierten Lehrern die Tür vor den Kopf“, so Lütkemeier. Dass es vor der Entscheidung keine Infoveranstaltung für die Eltern gegeben hat, nannte er ein Unding. „So geht man nicht mit seinen Wählern um“, sagte Lütkemeier und stellte die demokratischen Verhältnisse in Stemwede infrage. „Die Fraktionsvorsitzenden waren länger eingeweiht. Wenn sie ihren Fraktionen über längere Zeit wichtige Informationen vorenthalten, dann stimmt irgendwas nicht.“

Persönlich ging er Bürgermeister Gerd Rybak und Schulamtsleiter Jörg Bartel an, und erntete damit bei vielen im Plenum Applaus, aber nicht bei allen. „Du bist zu weit gegangen“, warf ein Vater ein. Kritik sei in Ordnung, nicht aber Beleidigungen. „Ich habe den Eindruck, die Versammlung soll genutzt werden, um die Verwaltung in die Pfanne zu hauen. Ich habe gehofft, dass hier Basisinformationen über die Gesamtschule vermittelt werden“, ergänzte eine Mutter.

Damit konnte Heinz Rappold dienen. Der Stemweder lehrte vor seiner Pensionierung an der Gesamtschule in Rödinghausen und erläuterte, dass eine Gesamtschule im Grunde mit einer Sekundarschule identisch sei, aber eben zusätzlich eine gymnasiale Oberstufe habe. Letzteres wäre nach seiner Einschätzung angesichts rückläufiger Schülerzahlen ein ganz wichtiger Faktor für den Erhalt einer weiterführenden Schule in Stemwede. Das vermutlich eingeschränkte Angebot, etwa im Bereich der Leistungskurse, sieht Rappold nicht als vorrangiges Problem. An der – sogar vierzügigen – staatlichen Gesamtschule in Rödinghausen hätten die Eltern das akzeptiert. Ein gutes Konzept sei ebenso wichtig – das A und O für den Erfolg aber sei, dass Stadt und Bürger von Anfang an in einem Boot saßen. In Rödinghausen sei man ehrlicher vorgegangen als in Stemwede. Dass es auch Befürworter der Gesamtschule gibt, zeigte die Äußerung einer Mutter von zwei Grundschülern: „Ich werde meine Kinder ohne gymnasiale Oberstufe nicht hierher schicken.“

Neben dem Ärger blieben viele Fragen offen. Wie sieht das pädagogische Konzept für die neue Schule aus? Wird es genügend qualifizierte Lehrer geben, wenn das aktuelle Kollegium nicht zur INI wechseln will, und bleibt die auslaufende Sekundarschule bis zum Schluss ausreichend abgedeckt? Wird es überhaupt genügend Schüler für die Oberstufe geben, da es in der Region viele Wahlmöglichkeiten (Gymnasien, Berufskolleg) gibt? Eine Oberstufe mit nur 30 Schülern macht nach Ansicht eines Vaters wenig Sinn.

Und wie sieht es eigentlich mit der Finanzierung aus? „Ein privater Träger kann pleite gehen“, mahnte ein Vater an. Der Gemeinde droht dieses Schicksal nicht, sie kann aber in die Haushaltssicherung kommen. Freiwillige Leistungen würden dann vermutlich gekappt.

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