Heilpädagogisches Kinderhaus ist 20 Jahre alt / Lothar Pannen blickt zurück

Migrantenkinder als große Herausforderung

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Thomas Ramm und Lothar Pannen (r.) von der Stiftung Heilpädagogisches Kinderhaus in Stemwede nehmen das 20-jährige Bestehen der Einrichtung zum Anlass, die vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen und einen Blick nach vorn zu werfen.

Haldem - Von Heidrun Mühlke. Seit 20 Jahren bietet die Stiftung Heilpädagogisches Kinderhaus in und um Stemwede Kindern und Jugendlichen, die nicht mehr in ihren Herkunftsfamilien leben können, zumindest vorübergehend ein neues Zuhause. Einrichtungsleiter Lothar Pannen und Sozialarbeiter Thomas Ramm blicken anlässlich des runden Geburtstags in einem Interview zurück und sprechen über die Zukunft.

In 20 Jahren hat sich sicher viel getan in der Kinder- und Jugendhilfe. Wie begann Ihre Arbeit mit den Kindern?

Lothar Pannen: Wir haben 1995 im Familienkreis mit vier Kindern begonnen, heilpädagogisch zu arbeiten.

Warum haben Sie sich für diese Arbeit entschieden?

Pannen: Ich habe mir vorgenommen, die hilfebedürftigen Kinder zu unterstützen und ihnen gute Wege für ihr Leben mit Hilfe der Jugendhilfe zu vermitteln.

Wer kommt für die Unterbringung in den Kinderhäusern in Frage?

Pannen: Die Kinder gehören vorwiegend der Zielgruppe der Kinder- und Jugendhilfe an. Sie bringen ganz unterschiedliche Formen der Behinderung mit – das kann von einer Lernbehinderung über geistige Behinderung bis hin zur psychischen Behinderung sein. Die Kinder kommen zu uns, weil die Erziehungsmöglichkeiten innerhalb der Familie nicht mehr möglich sind.

Wer entscheidet über die Unterbringung?

Pannen: Das Jugendamt oder der Vormund geben die Empfehlung und die Eltern entscheiden. Es gibt aber auch Fälle, in denen der gerichtlich eingesetzte Vormund entscheidet.

Wie viele Kinder werden derzeit in den Einrichtungen betreut?

Pannen: Wir haben heute 114 Plätze für Kinder, die betreut werden. Das jüngste Kind ist sieben Monate alt, das älteste ist 19 Jahre alt im stationären Bereich. Es gibt aber auch Mutter-Kind-Betreuungsmaßnahmen sowie ambulante Betreuung. Dort ist der älteste Klient Anfang 60 Jahre.

Wie viele Mitarbeiter gibt es insgesamt?

Pannen: 193 Mitarbeiter.

Thomas Ramm: Aus Sicht des Betriebsrates haben wir ein sehr familiäres Betriebsklima. Das bedeutet, dass wir eine sehr stark ausgeprägte Gemeinschaft sind im Kollegenkreis und gleichwohl mit den Klienten.

Ist der Bedarf für Betreuungsplätze in den zurückliegenden 20 Jahren des Bestehens der Stiftung gestiegen?

Pannen: In der Bundesstatistik sind im Jahr 2013 mehr als 40000 Kinder von den Jugendämtern auf Grund von Verwahrlosung, Missbrauch, Misshandlungen in Obhut genommen worden. Tendenz weiterhin steigend. Die Eltern sind überfordert. Es gibt viele Kinder, die Hilfe brauchen, auch aus der Mittelschicht.

Welche Herausforderungen sehen Sie in den kommenden zehn Jahren auf sich zukommen?

Pannen: Eine große Herausforderung wird die Betreuung der Kinder mit Migrationshintergrund werden. Gerade aktuell in der Flüchtlingsproblematik. Es gibt Sprachschwierigkeiten und auch schulisch werden diesbezüglich Probleme auf uns zukommen. Eine große Herausforderung kommt gerade auf die Gemeinde Stemwede zu, wo ein großer Teil der Kinder untergebracht ist.

Wie stellt sich Stemwede als Familiengemeinde auf? Wird es weiterhin Möglichkeiten geben, Kinder schulisch zu fördern? Wir verfolgen das Thema Gesamtschule sehr kritisch.

Wie ist die schulische Versorgung für die zu betreuenden Kinder?

Pannen: Grundsätzlich in öffentlichen Schulen. Aber es gibt auch Fälle, in denen wir die Kinder in der Schulstation auf die öffentliche Schule vorbereiten.

Wie viele der Einrichtungen in Stemwede gibt es?

Ramm: Wir haben neun Gruppen an fünf verschiedenen Standorten.

Wie reagieren die Anwohner auf die Einrichtungen? Gibt es Unterstützung?

Pannen: Es gibt immer wieder kritische Stimmen, aber wir treten in den Dialog, um für die Kinder zu werben.

Ramm: Es ist sehr wichtig, darüber zu informieren, was wir tun. Es ist unsere Pflicht, aufzuklären und auch die Bevölkerung einzuladen. Wie beim Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen im Mai, wo Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam gefeiert haben.

Pannen: Die Kinder haben ein Recht darauf, inkludiert zu werden.

Welche Schwerpunkte setzt das Kinderhaus heute?

Pannen: Heilpädagogische Schwerpunkte, die Betreuung von Familien, Mütter mit Kindern und kleine Kinder. Immer mit dem Hintergedanken, die Klienten mit größtmöglicher Hilfe zurück in ihren Alltag zu führen.

Gibt es einen Leitgedanken, der ihre Arbeit prägt?

Pannen: Wir lernen, gemeinsam gesund zu leben.

Wenn man Geburtstag feiert, darf man sich etwas wünschen. Was wünschen sie sich für die Zukunft?

Pannen: Weiterhin gesund in dieser Region mit den Kindern gleichermaßen wie mit den Menschen vor Ort bewahrt und gesegnet leben zu können.

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