Glocken und Wappen der Adelsfamilie Steinaecker in St. Marien pünktlich zum Tag des offenen Denkmals restauriert

Feine Schnitzereien von Acrylfarbe befreit

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Wilfried Thünemann (v.l.) und Pfarrer Michael Beening zeigten Steffen Bäcker, Vorsitzender der Kirchenkreisstiftung, die Fortschritte bei der Restaurierung der Stahlglocken.

Dielingen - Die Zeichen der Zeit waren nicht zu übersehen an den beiden 65 Jahre alten Stahlglocken im Turm der Dielinger St. Marien-Kirche. „Glocken und Klöppel waren derbe angerostet“, erzählt Pfarrer Michael Beening. Inzwischen allerdings sind sie wieder so gut wie neu. Nicht zuletzt dank der tatkräftigen Unterstützung der Katechumenen und Konfirmanden, die dem Rost vier Tage lang mit Stahlbürsten zu Leibe rückten. „Das hat uns viel Geld gespart. Und den Jugendlichen hat es richtig Spaß gemacht“, so Beening. Die restlichen Arbeiten übernahm die Firma Korfhage.

Insgesamt kostet die Sanierung der beiden Glocken die Kirchengemeinde knapp 5000 Euro. Davon übernimmt die evangelische Kirchenkreisstiftung Lübbecke 1500 Euro. Den gleichen Betrag stellt sie für die rund 8000 Euro teure Erneuerung der gesamten Übertragungsanlage im Gemeindehaus in Haldem zur Verfügung. „Die Kirchenstiftung hat die Aufgabe, solche Maßnahmen zu unterstützen, und das machen wir auch gerne“, sagt Stiftungsvorsitzender Steffen Bäcker. Er sieht die Förderung auch als Motivationsschub für andere Sponsoren, ebenfalls einen Beitrag zu leisten. In Dielingen habe die Stiftung nun zum ersten Mal geholfen, so Bäcker.

Ein weiteres Kleinod, das in neuem Glanz erstrahlt, sind die Wappentafeln der Familie Steinaecker, die ab dem 17. Jahrhundert in Schloss Haldem residierte. Nach ihrer Restaurierung reiste Gert H. Freiherr von Steinaecker gestern höchstpersönlich aus Inning in Oberbayern an, um die Tafeln wieder ihrem angestammten Platz in der St. Marien-Kirche zu übergeben.

Besonders pfleglich war man mit den drei Holzwappenkartuschen in den vergangenen 360 Jahren nicht umgegangen. Sie waren in falschen Farben bemalt worden, die Farben so dick aufgetragen, dass sie an den Rückseiten herabliefen und die feinen Schnitzereien nicht mehr erkennen ließen, heißt es in der Dokumentation der Adelsfamilie. So wurde etwa die Helmfigur auf dem Wappen von Otto Johann (1607-1667), dem ersten der Steinaeckers in Haldem, eine Gämse mit roten Augen und roten Lippen bemalt, das linke Vorderbein war abgebrochen.

Im Juni wurden das Wappen Otto Johanns, seiner Frau Agnes Margaretha von Vinke sowie seines Sohnes Anton Christian der Restauratorin Bettina Siegmund-Felber in Schloss Seefeld in Bayern anvertraut. Sie entfernte die Acrylfarbe mit Skalpell und Wattestäbchen und machte die feinen Schnitzarbeiten etwa an den Helmdecken und dem Putto wieder sichtbar. Anschließend versiegelte sie die unterste originale Farbschicht mit gelöstem Harz.

Die Schrifttafeln der Wappen waren noch gut erhalten und bedurften nur geringer Retuschen und einer Vergoldung der Buchstaben. Auch das ursprüngliche Rot des Vincke-Wappens war noch gut erhalten und konnte in die neue Farbgebung eingearbeitet werden. Beim Wappen Anton Christians kamen nach der Entfernung der Bronzeübermalung auf dem Gesicht des Putto Reste einer Inkarnat-Fassung zum Vorschein, die ergänzt wurden. Die heraldisch richtige Tinktur der Tafeln erfolgte mit Gouache und Blattvergoldung, zum Schluss wurde alles mit Schellack überzogen.

Sowohl Glocken als auch Wappen können historisch Interessierte am Sonntag im Rahmen des Tags des offenen Denkmals in der St. Marien-Kirche besichtigen. Ab 14.30 Uhr führt Wilfried Thünemann die Besucher in kleinen Gruppen in den Glockenturm und informiert über die Historie der zwei nun restaurierten Stahlglocken, die 1950 die aus dem 16. Jahrhundert stammenden und während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzenen Bronzeglocken ersetzten, sowie die noch vorhandene Bronzeglocke aus dem Jahr 1503. Ebenfalls zu sehen sein werden das von der Familie Von dem Bussche-Ippenburg gestiftete silberne Abendmahlsbesteck sowie ein Hausabendmahlsgerät aus der Zeit um 1900.

mer

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