Gesamtschule: Große Ratsmehrheit für Unterzeichnung / Lehrer üben Kritik

Verträge abgesegnet

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Zwei Schulen in einem Gebäude? Lehrer und Eltern der Sekundarschule bezweifeln, dass der Platz ausreicht.

Stemwede - Von Melanie Russ. Ein weiterer Baustein zur Gründung einer Gesamtschule in Stemwede ist gelegt. Gestern Abend hat der Rat der Verwaltung bei einer Gegenstimme und drei Enthaltung den Auftrag erteilt, den Mietoptionsvertrag und den Vertrag auf Gegenseitigkeit mit dem künftigen Träger INI zu unterzeichnen. Die Verträge sind eine der Voraussetzungen, die für eine Genehmigung durch die Bezirksregierung Detmold noch erfüllt werden müssen.

Zu Beginn der Sitzung hatten Lehrer und Eltern der Sekundarschule Zweifel daran geäußert, dass die Räume des Schulgebäudes für beide Schulen ausreichen. Zwar geht die Verwaltung davon aus, dass die Stemweder Eltern ihre Kinder künftig an der Gesamtschule anmelden und die Sekundarschule ausläuft, deren Räume also nach und nach übernommen werden können, die Sekundarschullehrer aber haben verständlicherweise andere Erwartungen und fürchten, dass ihnen „die Räume weggenommen werden“, wie es Lehrerin Edda Graue formulierte. Auch die angedachte gemeinsame Nutzung der Sportanlagen und Fachräume ist aus Sicht der Lehrer nicht praktikabel. Die Turnhallen seien komplett belegt, die Fachräume etwa für Biologie und Physik bereits überbelegt.

Holger Heidmeyer, Vorsitzender der Schulpflegschaft, kritisierte, dass das Mietverhältnis mit der INI erst am 24. August 2016 beginnt, sie ihre Räume aber bereits im Mai, wenn die Abschlussklausuren geschrieben werden beziehen kann. Das bringe zu viel Unruhe.

Bürgermeister Kai Abruszat verwies auf das laufende Genehmigungsverfahren. „Die Bezirksregierung wird den Antrag der INI auf Herz und Nieren prüfen“ und in der Frage des Raumkonzepts auch die Raumsituation der Sekundarschule einbeziehen. Schulamtsleiter Jörg Bartel erinnerte ergänzend an den Ratsbeschluss aus dem Juni, der fordert, dass der Sekundarschule ausreichender Raum zur Verfügung gestellt werden muss. Über Details, so stellte Abruszat klar, könne erst nach einer Genehmigung der Gesamtschule gesprochen werden. Er sicherte gemeinsame Gespräche mit der Sekundarschule und der INI zu, um zu einer guten Lösung für beide Seiten zu kommen.

Die Kritik der Elternvertreterin Gaby Knoll richtete sich gegen die auf der Internetseite der Verwaltung veröffentlichte Stellenanzeige der INI und die in der Anzeige getätigte Behauptung, Lehrer könnten ihren Beamtenstatus an der privaten Schule fünf Jahre lang behalten. Die Bezirksregierung Detmold gewährt nach eigener Aussage in der Regel nur eine sechsmonatige Beurlaubung. Letzteres werde noch heute korrigiert, sicherte Abruszat zu, dass die Stellenanzeige auf der Homepage erscheine, sei aber korrekt, da der Rat im Juni beschloss, dass die Gemeinde unterstützend für die INI tätig wird.

Aus der Politik hatte nur SPD-Fraktionsvorsitzender Wilhelm Riesmeier weiteren Diskussionsbedarf. Er beantragte, die Entscheidung zu verschieben, da sich seine Fraktion noch nicht ausreichend mit den Vertragsunterlagen habe beschäftigen können. Außerdem hätte er die Entwürfe gerne zunächst im Fachausschuss beraten, wie es üblich sei. Vertragsangelegenheiten seien allein Sache des Rates, korrigierte ihn Kai Abruszat. Zudem habe die Verwaltung eigentlich schon mit dem Ratsbeschluss vom Sommer den Auftrag erhalten, die Verträge abzuschließen, um der Transparenz willen habe er das Thema aber noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt. Riesmeier bat um die Erläuterung einiger Vertragsdetails, mochte der Unterzeichnung aber auch danach nicht zustimmen. Er könne die Bedenken der Sekundarschullehrer nachvollziehen, so der SPD-Fraktionschef.

Andreas Weingärtner (CDU) drückte dagegen aufs Tempo, um das Genehmigungsverfahren nicht zu blockieren. Die nächste Möglichkeit zur Abstimmung wäre erst am 27. Januar. Dann allerdings würde es mit dem geplanten Start der Gesamtschule zum nächsten Schuljahr womöglich nichts werden, denn schon jetzt ist der Zeitplan sehr knapp bemessen. Thomas Assmann, Leiter der Geschäftsfelds Bildung bei der INI, rechnet mit einer Genehmigung der Bezirksregierung nicht vor März. Um keine Zeit zu verlieren, sollen die Verträge daher noch vor Weihnachten unterzeichnet werden.

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