Freiheitsstrafe wegen Körperverletzung

Diskussion um Haare in der Dusche

+
Mediengruppe Kreiszeitung

Haldem - Haare in der Dusche haben schon so manch einen Streit zwischen Mitbewohnern ausgelöst. Einen Patienten der Klinik Schloss Haldem hatte diese Art der Verschmutzung im vergangenen April scheinbar derart aufgeregt, dass er den Verursacher geschlagen hat. Vor dem Amtsgericht Rahden wurde er gestern zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Der 43 Jahre alte Angeklagte überraschte laut der Staatsanwaltschaft eine Gruppe von Patienten der Maßregelvollzugsklinik beim Monopoly-Spielen. Er habe einen von ihnen aufgefordert, die Dusche zu reinigen. Sein Vorwurf: Der spätere Geschädigte (21) habe sich dort die Haare schneiden lassen und anschließend nicht sauber gemacht. Als der 21-Jährige nicht auf seine Forderung eingegangen sei, habe der Angeklagte ihn geschlagen, so die Staatsanwaltschaft.

Der Angeklagte erklärte, dass er den 21-Jährigen bereite Stunden vor der Tat gebeten habe, die Haare zu entfernen. Dieser habe geantwortet, dass er es ihm am Abend davor hätte sagen müssen, da er nun keine Zeit habe. „Ist es meine Aufgabe, neben der Dusche zu sitzen und zu schauen, ob jemand Dreck verursacht?“, regte sich der Angeklagte noch gestern, fast ein Jahr nach dem Vorfall, auf.

Geschlagen habe er den Geschädigten nicht, sagte er. Er habe ihn lediglich zur Rede stellen wollen. Dabei habe er „ihn wohl an der Wange getroffen“.

Der angebliche Putzmuffel sagte, dass er nach dem ersten Hinweis auf Haare in der Dusche auf die Pflegerinnen zugegangen sei. Diese hätten nachgeschaut und keinen gröberen Dreck vorgefunden. Daher habe er dem Angeklagten später gesagt, dass er ihn in Ruhe lassen solle. Daraufhin habe der 43-Jährige seinen Kopf auf den Tisch gedrückt und „von hinten seitlich gegen den Kopf geschlagen“. Er konnte eigenen Angaben zufolge vier Wochen nur eingeschränkt hören.

Die anderen Monopoly-Spieler bestätigten die Version des Geschädigten. Manche konnten die Situation detailliert nachspielen, andere hatten die Szene nicht genau beobachtet, weil sie sich auf ihr Spiel konzentriert hatten. So wie ein 39-jähriger Bewohner: „In dem Moment, wo ich meinem Mitspieler die Miete geben wollte, habe ich einen großen Klatsch gehört“, schilderte er. Es gab leichte Widersprüche zwischen den Aussagen der Zeugen.

Die Mitspieler hätten sich zusammengeschlossen, um ihn fertigzumachen, war der Angeklagte überzeugt. Den Vorwurf bestritten die Zeugen. Negative Kontakte zu dem Angeklagten habe es im Vorfeld nicht gegeben, sagten sie ebenso wie der Geschädigte.

Lediglich ein Zeuge, auch ehemaliger Bewohner der Klinik, zeigte Verständnis für den Angeklagten: „Er hat es nicht leicht gehabt mit den Leuten“. Der Zeuge hatte erst aus Mitleid schriftlich für den Angeklagten ausgesagt, seine Aussage aber später zurückgezogen, da er, wie er sagt, eigentlich nichts gesehen hatte.

Der Staatsanwalt glaubte den Mitspielern. Es habe zwar Widersprüche gegeben, doch die machten die Aussagen eher glaubhafter. Für eine Verschwörung einiger Bewohner gebe es keine Anhaltspunkte. Er plädierte für acht Monate Freiheitsstrafe. „Aus meiner Sicht ist das nicht ganz so einfach“, so der Verteidiger des Angeklagten. „Ist es wirklich Körperverletzung? Wollte mein Mandant ihm wirklich Schmerzen zufügen?“, fragte er. Und ergänzte: „Ich denke, es war Ausdruck seines Missmutes – aber auch nicht mehr.“ Er forderte Freispruch.

Richter Schebitz verurteilte den Angeklagten, der wegen schwerer Vorstrafen sowieso noch einige Jahre hinter Gittern verbringen muss, schließlich zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Seine Argumentation ähnelte der des Staatsanwalts.

ks

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Dauerregen lässt Pegel steigen

Dauerregen lässt Pegel steigen

So verzichten Sie im Alltag auf unnötig viel Plastik

So verzichten Sie im Alltag auf unnötig viel Plastik

Ford Fiesta im Test: König der Kleinwagen

Ford Fiesta im Test: König der Kleinwagen

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Kommentare